Unerwünschter Besuch oder Panne: Internetseiten der DuMont-Zeitungen nach Datenleck zeitweilig nicht zu erreichen

 

Zeitweiliges Datenleck bei der DuMont-Mediengruppe: Nach Darstellung des Unternehmens haben vermutlich Hacker am Wochenende die Internetseiten der DuMont-Zeitungen angegriffen. Deren Web-Auftritte waren mehrere Stunden nicht erreichbar. "Rechtzeitig zum Derby-Sieg der Leverkusener" - so ein Sprecher des Unternehmens - waren die Auftritte wieder da.

Während beim 1. FC Köln die Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen mit 0:2 Toren zu Buche schlug, war der Schaden bei DuMont noch nicht abzusehen. Wahrscheinlich hätten Unbekannte das System gehackt und sich Zugriff zu Serverdaten und den Werbeauftritten der Portale verschafft. Sie waren seit der Nacht zum Sonntag nicht mehr erreichbar. "Wir hatten kurzzeitig durch einen Programmfehler ein kleines Loch", erklärte Sprecher Björn Schmidt auf unsere Anfrage. Der kress.de-Redaktion liegen die mehrere Stunden frei im Netz verfügbaren Daten vor; sie enthalten Klarnamen der Nutzer, Passwort und die Email-Adressen.

Durch diese Lücke hätten Unbekannte kurzfristig möglicherweise Daten abgesaugt. Das Leck sei sofort geschlossen worden, widersprach Schmidt der Darstellung des Blogs "Crumbling Walls", dem zufolge ein interner Server versehentlich für die Öffentlichkeit geöffnet und stundenlang nicht geschlossen worden sei. "Wir haben heute sofort reagiert", so Schmidt.

Nach Schließung des Lecks sperrte DuMont alle gespeicherten Passwörter und setzte sie zurück. Das Unternehmen forderte Kunden zur Änderung ihrer Kennwörter auf, wenn sie diese auch für andere Webanwendugen nutzten. DuMont arbeite mit Hochdruck daran, eine Wiederholung des Vorfalls zu verhindern.

Auf "Crumbling Wall" bezweifelt Florian Wagner die Angaben des Konzerns. Wagner schreibt, dass Leck bei DuMont sei auch Stunden nach Bekanntwerden nicht geschlossen worden. Screenshots hätten alle verfügbaren Verzeichnisse gezeigt. Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete, Kundendaten, Passwörter und sensible technische Informationen seien stundenlang einsehbar gewesen. Ein "Welt"-Journalist verbreitete einen Studentenausweis, der durch das Datenleck einsehbar geworden sei.

Update: DuMont hat Anzeige erstattet

Die DuMont Mediengruppe teilte am Montagabend mit, dass "aufgrund einer technischen Panne für einen kurzen Zeitraum Daten für Außenstehende sichtbar waren, die jedoch nur bei gezielter Suche nach Sicherheitslücken zu finden waren". Nach bisheriger Analyse handele es sich bei den Daten, die betroffen sein könnten, um Informationen aus E-Paper-Abonnements aus Köln, Berlin und Hamburg. Ob über die gesicherten Erkenntnisse hinaus der Zugriff auf weitere Daten möglich gewesen sei, werde derzeit analysiert.

Die DuMont Mediengruppe hat die zuständigen Behörden "umgehend informiert und Anzeige erstattet". Kunden, die von dem Datenleck betroffen sein könnten, will man persönlich informieren. Darüber hinaus könnten sich alle Leserinnen und Leser bei einer Hotline melden.

Hintergrund

Zur Mediengruppe DuMont gehören unter anderem die Tageszeitungen "Kölner Stadt-Anzeiger" (Chefredakteur: Peter Pauls; Stellvertreter: Lutz Feierabend, Rudolf Kreitz), "Kölnische Rundschau" (Chefredaktion: Engelbert Greis, Cordula von Wysocki) , der "Express", die "Berliner Zeitung" (Chefredakteurin: Brigitte Fehrle; Stellvertreter: Jutta Kramm), "Berliner Kurier" (Chefredakteur: Elmar Jehn, Stellvertretender Chefredakteur: Jan Schmidt) , die "Hamburger Morgenpost" (Chefredakteur: Frank Niggemeier; Stellvertreter: Joachim Ortmann, Maik Koltermann) und die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle (Chefredakteur: Hartmut Augustin; Stellvertreter: Lars Geipel, Constantin Blaß). Vorstands-Vorsitzender der DuMont Mediengruppe ist Christoph Bauer, den Vorstand komplettieren Stefan Hütwohl und Otto Christian Lindemann. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Christian DuMont Schütte, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Isabella Neven DuMont; dem Aufsichtsrat gehören außerdem der Unternehmer Patrick Adenauer, der frühere Chefredakteur von "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung", Hans-Werner Kilz (schreibt heute für "Die Zeit" und berät dort auch das Investigativ-Ressort) sowie der Unternehmensberater Peter May.

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