Springer-Chef Mathias Döpfner: Anzeige wegen Persönlichkeitsverletzung und Beleidigung droht

13.04.2016
 
 

Keine gute Nachricht kurz vor der Aktionärsversammlung von Axel Springer am Mittwochmorgen in Berlin. Weil sich Mathias Döpfner Jan Böhmermanns Worte "zu eigen" gemacht hat, droht ihm eine Anzeige wegen Persönlichkeitsverletzung und Beleidigung. "Lasst es nicht zum Äußersten kommen", appelliert der Berliner Jurist und Journalist Michael Schmuck in einem Einwurf für kress.de.

Ein zweischneidiger Krummsäbel

Jede Grenzüberschreitung, das lehrt die Geschichte, kann zu überzogenen, drastischen Reaktionen führen. Kleine Scharmützel, mittlere Schlachten bis hin zu großen Kriegen können von einem einzigen unvorsichtigen Schritt über eine Demarkationslinie ausgelöst werden. Ganz gleich, ob das staatliche Grenzen, Grenzen der Meinungsfreiheit oder Grenzen des Humors sind. Jan Böhmermann hat mit seiner "Schmähkritik" gleich alle drei Grenzen verletzt, als er seine Ziegenzeilen in Richtung Erdogan geblökt hat.

Ob diese Grenzverletzungen mit einem schweren Stiefelstechschritt geschahen oder eher einem flapsigen Flip-Flop-Tapsen spielt leider keine Rolle. Humor und vor allem Satire sind schon oft politisch heikle Tänze an kippligen Demarkationslinien gewesen, vor allem gen Osten. Satire ist eben besonders dann ein zweischneidiger Krummsäbel.

Juristisch ist die Sache recht klar

Nun mischt sich zu allem Überfluss ein großer Verlags-Chef, oder eher der Chef eines großen Verlages in das Säbelrasseln ein, hängt sich dabei selbst weit aus dem Fenster über alle Grenzen. Er unterstützt Böhmermann nicht nur (was sein gutes Recht ist), er schließt sich seinen Schmähungen voll an und macht sich dessen Worte "zu eigen", wie er sagt. Politisch kann das jeder sehen, wie er es gern mag. Juristisch aber ist die Sache recht klar: Matthias Döpfner ist damit nun wegen des Ziegenkäses presserechtlich und strafrechtlich ebenso verantwortlich wie Jan Böhmermann: wegen Persönlichkeitsverletzung und Beleidigung. Wenn das Unterstützertum so weitergeht, kann das Mainzer Strafgericht die Verhandlung in der Rheingoldhalle abhalten (wo sonst auch Mainzer Karnevalssitzungen stattfinden).

Erinnern Sie sich noch, Herr Döpfner?

Herr Döpfner möchte Herrn Erdogan gern vor Gericht kennenlernen - wie er in dem Unterstützerbrief für Böhmermann schreibt -, als einen "Fachgutachter für die Grenzen satirischer Geschmacklosigkeiten". Was soll das jetzt, Herr Döpfner? Das erscheint ja ebenso despotisch wie das, was Sie Herrn Erdogan offenbar vorwerfen? Geht es nun darum - um es mit den Ziegenzeilen zu sagen - wer den L...n hat?

Erinnern Sie sich mal an den Penis-Streit einer Ihrer großen Chefredakteure, oder besser: eines Chefredakteurs einer Ihrer großen Zeitungen. Der fühlte sich auch nicht wohl mit der satirischen Behauptung der taz (2002), er habe sich sein bestes Stück vergrößern lassen - und ging vor Gericht (ohne Erfolg). Haben Sie sich damals für Satire derart stark gemacht? Satire ist eben auch eine Frage der Perspektive und der eigenen Rolle. Jeder darf hier in Deutschland seine Meinung herausblöken, aber jeder darf hier auch dagegen klagen - und sehen, ob er Recht bekommt, auch ein türkischer Staatspräsident. Ob das eine oder das andere immer klug ist oder ein Urteil richtig, auch darüber kann hier jeder seine Meinung haben.

Wer ist hier der Klügere?

Apropos klug: Wie ist nun solch eine Zickenkrieg oder eine solche Ziegenbockigkeit zu beenden? Nun, es gibt ja da die alte Weisheit "Der Klügere gibt nach", die noch immer Probleme lösen kann. Doch wer ist hier der Klügere? Der türkische Präsident oder der deutsche Narr? Das kann jeder der beiden für sich entscheiden. Das Ergebnis kann aber klugerweise nur sein: Böhmermann entschuldigt sich. Ja! Nicht für Satire als solche natürlich, sondern für die Grenzüberschreitungen mit seinem Ziegenkäse. Und Erdogan zieht staatsmännisch seinen Strafverlangen an Merkel und seinen Strafantrag in Mainz zurück. Denn ein guter Narr hat wahren Humor und ein guter Staatsmann wahre Größe. Und das Ergebnis ist ein wahrer Kompromiss. Der eine ist den Polizeischutz los und der andere behält sein Gesicht.

Nun seid doch bitte so klug! Und lasst es halt nicht bis zur letzten Instanz kommen, wie der deutsche Anwalt von Erdogan, der Münchner Jurist Hubertus von Sprenger am Dienstagabend im ZDF-"heute journal" Claus Kleber gesagt hat. Dann kommt auch Frau Merkel sauber raus aus der Ziegennummer. Sonst weitet sich der Satire-Grenzkonflikt noch über Deutschland hinaus auf Europa und womöglich auf die Nato aus. Das ist doch der Ziegenkäse nicht wert.

Michael Schmuck

 

Ihre Kommentare
Kopf

Paul

13.04.2016
!

Aber genau das wollen wir doch: Das ausweiten. Und zwar so lange bis wir unser Recht bekommen. Bis ein für alle mal einbetoniert wird, dass für Satire, Kunst und Journalismus niemand etwas zu befürchten hat!
Und ja, dafür darf dann auch mal die Nato auseinanderbrechen. Die Nato ist ein Militärapparat der nur funktioniert, wenn wir die gleichen Werte haben.
Ihrer Argumentation nach, hätte keine demokratische Bewegung aus der Vergangenheit nach existieren dürfen und darf es auch heute nicht. Dumm!


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