Einschüchterungsversuch in Frankfurt: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen "Bild"-Reporter Max Schneider

 

"Man muss nicht in die Türkei oder nach Russland schauen, wo die Justiz auf unliebsame Journalisten losgeht", schreiben heute "Bild"-Frankfurt-Chef Horst Cronauer und "Bild"-Chefreporter Hans-Wilhelm Saure. Ein Blick nach Hessen reiche.

Unfassbar: Gegen Investigativ-Journalist Max Schneider, stellvertretender Redaktionsleiter "Bild" Frankfurt, läuft ein Ermittlungs-Verfahren - wegen des "Verdachts des Verrats von Privatgeheimnissen und Verleumdung". Wen er allerdings verleumdet haben soll, dazu schweigt laut "Bild" die Staatsanwaltschaft.

Cronacher und Saure vermuten, dass Schneider seinen Job einfach zu gut gemacht hat. Wegen der Enthüllungen von Max Schneider mussten Sondersitzungen im Innenausschuss einberufen werden. "Bild" hatte unter anderem über unsichere Schutzwesten der Polizei berichtet.

"Worum es beim Ermittlungsverfahren gegen Max Schneider in Wahrheit geht: Quellen ausfindig zu machen, die die für Politiker und Polizei unangenehmen Informationen an 'Bild' gegeben haben", schreiben die beiden Journalisten. Und versprechen: "Quellen, die 'Bild' nie preisgeben würde - und nach deutschem Recht auch nicht preisgeben muss."

Entsetzt von den Ermittlungen ist auch DJV-Vorsitzender Frank Überall: Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV): "Ich kann und will nicht glauben, dass tatsächlich hier gegen einen Journalisten ermittelt wird. Das wäre eine Bedrohung der Pressefreiheit, die eines demokratischen Politikers nicht würdig ist. Einschüchterung darf nicht zum Mittel der politischen Kommunikation werden."

Und Julia Stein, Vorsitzende der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche, betont: "Wer versucht gegen einen Journalisten vorzugehen oder eine Quelle ausfindig zu machen, wird scheitern! Das sollte nun langsam jeder Politiker, jeder Behördenleiter oder jeder, der etwas zu verbergen hat, verstanden haben."

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