Sky-Programmchefin Elke Walthelm: "Das Timing für 'Babylon Berlin' ist für uns perfekt"

 

Elke Walthelm ist seit Kurzem Programmchefin von Sky Deutschland. Im kress.de-Interview äußert sie sich zu den Chancen der eigenproduzierten Serie "Babylon Berlin", der Zusammenarbeit mit der ARD und der aufkommenden Konkurrenz von Streaming-Diensten.

kress.de: Amazon hat die Schweighöfer-Serie "Wanted" in Auftrag gegeben, auch Netflix kündigt für den deutschen Markt eine Eigenproduktion an. Ist Sky mit "Babylon Berlin" ein bisschen spät dran?

Elke Walthelm: Das Timing für "Babylon Berlin" ist für uns perfekt und passt hervorragend zu unserer langfristigen Strategie, verstärkt hochqualitative Sky Eigenproduktionen anzubieten. 

Im Vorfeld war zu hören, dass es bei der Zusammenarbeit mit der ARD gerumpelt hat. War die Idee, mit dem Ersten zusammenzuarbeiten ein Fehler?

Elke Walthelm: Bei einem Großprojekt wie "Babylon Berlin", an dem vier starke Partner arbeiten, gibt es natürlich erhöhten Abstimmungsbedarf – das ist normal und auch gut so. Wir empfanden die Zusammenarbeit mit allen drei Kooperationspartnern von der ersten Minute an als äußerst angenehm. In der Zusammenarbeit mit der Degeto und den weiteren Partnern haben wir hervorragende Partner gefunden, die jede Menge Kompetenz und Erfahrung miteinbringen. 

Die Kombination Sky/Mojto ist – siehe "Borgia" - nicht ganz neu. Warum war das ZDF als damaliger öffentlich-rechtliche Lizenznehmer keine Option?

Elke Walthelm: Die Partnerschaft mit der ARD hat sich früh entwickelt und gefestigt. Selbstverständlich sprechen wir jederzeit auch mit dem ZDF und anderen Free TV Sendern über interessante Projekte.

"Die Zusammenarbeit mit der ARD ist hoffentlich ein Modell für die Zukunft"

Aber mal grundsätzlich: Günther Jauch fürchtete vor seiner Verpflichtung bei der ARD die – wie er sagte - "Gremlins". Warum lohnt sich für Sky eine Zusammenarbeit mit einem öffentlich-rechtlichen Sender?

Elke Walthelm: Um es klar zu sagen: wir hätten ein Projekt in der Größenordnung wie "Babylon Berlin" ohne die anderen drei Partner nicht realisieren können. Tom Tykwer und Stefan Arndt haben für die Serie nach starken Partner gesucht, die bereit sind, Kreativität und Budget in das Projekt zu setzen. Die Zusammenarbeit mit der ARD ist in dieser Größenordnung bislang einmalig und hoffentlich ein Modell für die Zukunft.

Das Internet war als Vertriebsweg für TV-Inhalte lange keine Option. Jetzt treten mit Amazon und Netflix gleich zwei Wettbewerber an. Hat Sky gegen den Coolness-Faktor der beiden eine Chance?

Elke Walthelm: Kommt drauf an, wie man einen Coolness-Faktor definiert... Fakt ist: Sky ist Innovationsführer im Entertainmentbereich in Deutschland und Österreich. Mit der Einführung von Sky Go im April 2011 waren wir ein Vorreiter und haben das Nutzungsverhalten in den deutschen TV-Haushalten nachhaltig verändert. Anschließend folgten rund 30 zukunftsweisende Innovationen und unsere Kunden dürfen sich auf viele weitere freuen. Wir fühlen uns für die Zukunft bestens gerüstet.

Sky ist in Deutschland weitgehend als Fußball-Sender akzeptiert. Ist das eine Bürde für fiktionale Eigenproduktionen?

Elke Walthelm: Nein, ganz im Gegenteil. Die Zeiten, in denen Sky ausschließlich als Fußball-Sender wahrgenommen wurde, sind lange vorbei.  Sky Eigenproduktionen wie "Gomorrha", "Fortitude", "The Last Panthers" und zukünftig auch "Babylon Berlin" und "The Young Pope" bereichern unser Programmportfolio enorm. Der hochwertige Mix aus Live-Sport, fiktionalen Eigenproduktionen, Blockbustern und sehr gutem Kids-Content bilden das ideale Entertainment-Programm für unsere Kunden.

"Das Gemeinschaftserlebnis Kino wird auch in Zukunft etwas Besonders bleiben"

Es heißt ja, es Fernsehen sei das neue Kino. Nimmt "Babylon Berlin" mit seinem dicken Budget deutschen Filmemachern die Luft zum Atmen?

Elke Walthelm: Die Qualität von TV-Serien und damit verbunden auch ihre Attraktivität hat sich in den vergangenen Jahren spürbar erhöht. Allerdings wird das Gemeinschaftserlebnis Kino auch in Zukunft etwas Besonders bleiben. Wir sind froh, dass wir mit "Babylon Berlin" deutschen Filmemachern und Schauspielern einen Platz im Sky-Programm bieten können. Es ist unser großes Ziel, die Zahl unserer Eigen- und Co-Produktionen weiter zu steigern und auszubauen. Deswegen wird Sky für die deutsche Filmindustrie auch in Zukunft ein wichtiger Partner sein und bleiben.

"Babylon Berlin" tritt erklärtermaßen mit international vermarktbaren Inhalten an. Strategisch gesehen, kann die Serie nur der Auftakt zu weiteren Produktionen sein. Was hat Sky vor? Bisher kauften Europäer bei den Amerikanern. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit es umgekehrt funktioniert?

Elke Walthelm: Wir sind davon überzeugt, dass die Story und Art der Produktion von "Babylon Berlin" auch im Ausland auf großes Interesse stoßen wird. "Made in Germany" ist ja mittlerweile auch im Fernsehen zu einem Qualitätssiegel geworden. Von unserem Partner BETA Film wissen wir, dass die ersten internationalen Reaktionen auf das Projekt sehr positiv sind. 

"Local is the new global"

"Babylon Berlin" setzt auf deutsche Gesichter. Mit Blick aufs Ausland heißt das: Ihr Name ist Nobody. Reicht das internationale Renommée von Tom Tykwer aus, um ein Massenpublikum zu locken?

Elke Walthelm: Dass international bekannte Namen für eine Produktion nicht allein den Erfolg garantieren, hat die Serie "Deutschland 83" gezeigt. Die jüngst mit einem Grimme-Preis ausgezeichnete deutsche Produktion setzte ebenfalls auf weniger bekannte Namen und wurde national und international erfolgreich. Das zeigt: "Local is the new global". Für das Serien-Publikum sind nicht allein die großen Namen entscheidend. Viel wichtiger sind gute Geschichten und die Art der Erzählweise. Die Schauspieler müssen zu den jeweiligen Rollen passen und das ist bei "Babylon Berlin" bisher hervorragend gelungen. 

Zur Person

Elke Walthelm ist bei Sky seit Kurzem Programmchefin. Sie folgt Gary Davey. Walthelm ist bereits seit Januar 2015 Daveys Stellvertreterin. Sie berichtet direkt an Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt. In ihrer neuen Funktion ist Walthelm für die übergeordnete Programmstrategie von Sky Deutschland verantwortlich. Unter anderem zählen hierzu der Programmrechteerwerb, das Partnersender-Management, die Programmplanung sowie die Gestaltung des Sky On Demand Angebots. Darüber hinaus fallen die Weiterentwicklung der Sky-Film- und Sky-Entertainment- Sender oder Pakete sowie die Auswahl und Entwicklung von Eigenproduktionen in ihren Aufgabenbereich. Walthelm ist seit 2005 im Unternehmen. Vor ihrer Sky-Zeit arbeitete sie bei der Unternehmensberatung BBDO Consulting.

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