"People"-Chefredakteur Tom Junkersdorf: "Von Patricia Riekel kann man alles lernen"

 

Mit großen Hoffnungen ist "People" gestartet, die erste von der IVW geprüfte Auflage kann sich mehr als sehen lassen. Ein Gespräch mit "People"-Macher Tom Junkersdorf: Wie muss ein Weltblatt für den deutschen Markt positioniert werden? Außerdem sagt Junkersdorf: "Schade, dass Patricia Riekel abtritt." Und übt Kritik an anderen Blattmachern.

kress.de: Herr Junkersdorf, knapp ein Jahr nach dem Launch von "People" gibt es erstmals belastbare IVW-Zahlen von der Auflage. Sind Sie zufrieden?

Tom Junkersdorf: 119.018 verkaufte Exemplare - das ist eine fantastische Auflage! Wir sind sehr zufrieden und fühlen uns mit unserem Konzept bestätigt.

"Das war eine echte Teamleistung"

Haben Sie damit gerechnet, dass es doch so schwer werden würde, ein neues Promi-Magazin in den Markt einzuführen?

Tom Junkersdorf: Wir wussten, dass wir uns in ein hart umkämpftes und vor allem ja auch hochpreisiges Feld vorwagen. Der Launch von "People" war etwas ganz Besonderes, etwas Einmaliges. "People" ist die bekannteste Entertainmentmarke weltweit, die Marke besitzt eine enorme Strahlkraft. Wir haben immer an den Erfolg geglaubt und tun alles für diesen Erfolg. Und die ersten Auflagenzahlen geben uns Recht. Das komplette Team hat mit einer unglaublichen Begeisterung an dem Projekt gearbeitet, dafür bin ich dankbar. Umso schöner ist es jetzt zu sehen, dass es funktioniert. Die Energie, die Leidenschaft und die Lust auf Erfolg ist jeden Tag spürbar, wir sehen jede Hürde als Herausforderung. Aber ja, das war und ist ein hartes Stück Arbeit, eine echte Teamleistung.

Als die erste deutsche "People" erschien, hoben Sie die US-Sängerin Christina Aguilera und ihr Baby Summer auf den Titel. Heute sind es vor allem exklusive Storys mit deutschen Prominenten wie Verona Pooth, die Ex-Freundin von "DSDS"-Juror H.P. Baxxter oder Heidi Klum, für die Sie und Ihre Redaktion im Blatt Platz freiräumen. Ziehen US-Stars auf dem deutschen Printmarkt keine Leser an?

Tom Junkersdorf: Internationale Stars funktionieren auf deutschen Covern nur bedingt, das ist richtig. Aber das Ziel von People Germany war es immer, eigene Storys zu machen. Jetzt haben wir unseren Weg gefunden. Wir haben im ersten Jahr schon viele exklusive News gebreakt, ob es nun die heimliche Liebe von Kino-Superstar Elyas M'Barek ist oder die Zwangspause, die Til Schweiger seiner 13-Jährigen Tochter Emma nach den vielen erfolgreichen Blockbustern verordnet hat. Wenn es im Leben der Stars Live-Changing-Moments gibt, sind wir dabei. Die Stars lieben "People", sie wissen, dass sie uns vertrauen können. Aber ob nun Hollywood oder Hamburg: Am Ende entscheidet die Leserin, was sie interessiert.

Bei "Closer" galten Sie als kampflustig, haben sich mit Stars und Sternchen auch angelegt. Schon jetzt legendär ist die Einstweilige Verfügung, die in der letzten Jauch-Sendung in der ARD ausgestrahlt werden musste. "People" scheint mir dagegen einen freundlichen Umgang mit den Promis zu haben.

Tom Junkersdorf: "People" ist völlig anders positioniert als "Closer"! Nicht nur die Protagonisten sind andere, auch der Ton der Geschichten - wobei natürlich beide Titel ihren festen Platz in unserem Markenportfolio haben. Bei "People" ist es uns besonders wichtig, das Vertrauen der Stars zu gewinnen und zu halten. Und der Erfolg gibt uns Recht: die Stars vertrauen "People", darum haben wir immer wieder sehr intime Exklusivgeschichten, die wir grundsätzlich auf Augenhöhe und nie unter der Gürtellinie erzählen.

"Ich sehe immer mehr Kollegen, die lieber Selfies machen, statt sich um die Stars zu kümmern"

Marktführer auf dem Markt der anspruchsvollen Promi-Magazine ist mit weitem Abstand "Bunte" aus dem Hause Burda. Was können Magazinmacher aus Ihrer Sicht von der langjährigen Chefredakteurin Patricia Riekel lernen, die sich im Sommer zurückzieht?

Tom Junkersdorf: Patricia Riekel ist ein Superstar der Branche. Eine leidenschaftliche und brillante Blattmacherin und Netzwerkerin, national extrem erfolgreich, international gefeiert. Ihr Name wird sogar in New York mit Hochachtung genannt. Sie hat den Journalismus über Jahrzehnte geprägt wie keine andere. Was man von ihr lernen kann: alles!!! Schade, dass sie abtritt.

Und was macht aus Ihrer Sicht einen guten "People"-Redakteur aus - außer einem Telefonbuch mit vielen prominenten Namen?

Tom Junkersdorf: Die Kontakte zu Prominenten sind tatsächlich extrem wichtig, um in der Branche bestehen zu können. Aber noch viel wichtiger: einfach Lust auf Geschichten zu haben. Rausgehen, recherchieren, Gespräche führen, zuhören, mitdenken, keine Angst haben, mutig Fragen stellen. Ich sehe immer mehr Kollegen, die lieber Selfies machen, statt sich um die Stars zu kümmern. Bringt am Ende viele Likes, aber leider keine exklusiven Storys.

Mit Tom Junkersdorf, Chefredakteur von "People" Deutschland aus der Bauer Media Group, sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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