Mit Pilcher & Co nach Rumänien und Ungarn: Was sich Gottfried Zmeck vom Pay-TV-Markt Osteuropa erwartet

 

Gottfried Zmeck, einst Geschäftsführer von DF1 - das digitale Fernsehen und nun Vorstandsvorsitzender der Mainstream Media AG (Romance TV, Heimatkanal, Goldstar TV), erschließt für seinen Romantik-Sender nach Polen nun die Pay-TV-Märkte in Ungarn und Rumänien. Im Interview mit kress.de verrät er, wohin die Reise als nächstes geht und welche Tipps er für den Sky-Bundesliga-Poker hat.

kress.de: Herr Zmeck, wie viel Rumänisch und Ungarisch können Sie mittlerweile. Haben Sie für die Unterzeichnung der Vertragswerke Sprachkurse belegen müssen?

Gottfried Zmeck: (lacht) Auf der Fernsehmesse Cannes hatten wir kürzlich auf einem unserer Abendessen, die eine schöne Tradition haben, Leslie Mandoki und seine Tocher Lara zu Gast. Das hat gepasst: Leslie – Ungarn, Ungarn – wir. Seine Tochter spielt ja auch in "Sturm der Liebe" mit, die wir in diesen Ländern zeigen. Nein, aber im Ernst. Wir haben sehr gute Repräsentanten vor Ort, die sich auch in diese Märkte gut einfühlen können.

kress.de: Wie lang ist bei Ihnen der neue Schritt in diese weiteren beiden Osteuropa-Länder bereits gereift? Durch das Romance-Geschäft in Polen haben Sie ja ein gutes Vorlagemodell.

Gottfried Zmeck: Das war tatsächlich der Ausgangspunkt. Wir wollten erst einmal sehen, ob wir unser Geschäft in Polen in trockene Tücher bekommen und wie wir uns auf einem eigentlich für uns fremden Markt bewegen können. Das hat lange gedauert. Mittlerweile läuft das – toi, toi, toi – sehr gut. In Ungarn haben wir jetzt auch eine Werbevermarktungsagentur, die uns sehr hilft, weil sie uns aus Polen gut kennt.

kress.de: Pay-TV funktioniert in diesen Ländern ja offensichtlich ein wenig anders, als man es aus Deutschland gewohnt ist.

Gottfried Zmeck: In Polen machen wir – anders als hier – zu 50:50 Erlöse aus der Werbung und aus dem Abo-Erlösen. Die Agentur, die uns dort vermarktet, kennt unser Programm gut. Daher konnten sie uns sagen, dass wir mit dieser Positionierung auch in den anderen Märkten Chancen haben. Darum haben wir uns nach einiger Marktforschung dazu entschlossen, dass wir nun auch in Rumänien und Ungarn loslegen.

"German" statt "American Way of Life" für Osteuropa

kress.de: Wie erklären Sie sich eigentlich das Zuschauerinteresse in diesen Ländern an doch sehr deutschem Programm?

Gottfried Zmeck: Zum Ersten: Es sind gute Programme. Für den Yellow-Bereich und die Breite, für die wir stehen, sind es sehr gut produziert und sehr gut erzählte Inhalte. Das Zweite: Auch der "German Way of Life", diese Erfahrung machen wir immer wieder, ist vom Ambiente her und den Werten, die dahinter stehen, in diesen Ländern mittlerweile mindestens so attraktiv wie der "American Way of Life". Letzteres ist den Leuten oft sogar ein wenig fremder. Wenn Sie einen amerikanischen Krimi sehen, hat das ja mit unseren Realitäten kaum etwas zu tun.

kess.de: Das heißt, Sie profitieren auch ein wenig von der Übersättigung mit der jeweils hundertsten amerikanischen Krimiserie?

Gottfried Zmeck: Kann man so sagen. Auch wenn ich gar nicht möchte, dass das so negativ klingt. Der Grundgedanke ist aber richtig. Was wir zeigen, ist eine Alternative – auf gleichem Niveau. Mittlerweile, das war nicht immer so der Fall. Auch deutsche Serien und TV-Movies werden sehr hochwertig produziert.

Romance TV in Rumänien und Ungarn "hochwertiger" als in Deutschland

kress.de: Zeigen Sie in Rumänien und Ungarn doch schon das originäre Romance-TV-Programm, wie es auch in Deutschland ausgestrahlt wird? Oder modifizieren Sie das für den dortigen Zuschauergeschmack?

Gottfried Zmeck: Es ist schon verändert. "Sturm der Liebe" ist so ein Thema. Dafür kriegen wir die deutschen Lizenzen nicht. Für Polen und diese neuen Märkte bekommen wir die Serie aber doch. Das "Traumhotel" haben wir deswegen wegen seiner ARD-Herkunft bislang für Deutschland nicht haben können, in diesen Ländern können wir die Reihe zeigen. Eigentlich kann man also sagen, dass das polnische, ungarische und rumänische Romance TV-Programm noch ein wenig hochwertiger ist als unseres hierzulande.

kress.de: Hat das vielleicht eine Wechselwirkung, dass Sie über den erfolgreichen Auslandseinsatz dieser Formate künftig neben Ihren vielen ZDF-Klassikern auch Zugriff auf die einschlägigen ARD-Programme bekommen?

Gottfried Zmeck: Ich glaube, das ist eine Zeitfrage.

Pay-TV wächst im Osten stark

kress.de: Es sind andere Märkte – mit oft deutlich geringeren Abo-Kosten im Pay-TV. Sind die denn aus geschäftlicher Hinsicht überhaupt interessant genug für Sie?

Gottfried Zmeck: Tatsächlich sind die Verhältnisse auf diesen Märkten ganz anders. Es sind kleinere Volkswirtschaften mit geringerer Kaufkraft. Dadurch fallen aber auch die Programm-Lizenzpreise deutlich geringer aus. Aber: Polen ist ein Markt mit 40 Millionen Menschen. Es gibt dort sehr viel mehr Pay-, weniger Free-TV als bei uns. Ähnlich sieht es in Ungarn aus, Rumänien ist noch ein kleiner Markt. Allerdings: Wir werden mit den Neuzugängen Rumänien und Ungarn – Romance TV Deutschland eingerechnet – unser Potenzial auf 12 bis 15 Millionen Haushalte erhöhen. Diese Länder weisen eine gute Pay-TV-Penetration, aber teilweise noch keinen hohen Digitalisierungsgrad auf. Ungarn ist noch nicht einmal zur Hälfte digitialisiert. Vieles was bei uns schon selbstverständlich digital in den Fernsehhaushalten ankommt – das Meiste auch in HD –, befindet sich dort noch im Wachsen. Wir haben es jetzt noch mit Wachstumsmärkten zu tun. Und das Wachstum konzentriert sich – gut für uns – auf das Pay-TV.

kress.de: Wenn Sie das große Romance-Potenzial außerhalb Deutschlands erwähnen: Heißt das im Umkehrschluss, dass der deutsche Markt für Sie nicht mehr ausreichend beweglich ist und Sie den Wachstumsschub jenseits der Landesgrenzen suchen müssen?

Gottfried Zmeck: Wenn wir in Ungarn und Rumänien auf Plattformen kommen, die zwei oder drei Millionen Abonnenten hergeben, dann haben wir die einfach dazu. Wir betreuen derzeit 4,5 Millionen Abonnenten in Deutschland, um die vier Millionen in Polen. Alles war dazukommt, ist uns willkommen.

"Bundesliga-Rechtepoker macht mich nicht unruhig"

kress.de: Sie haben als einer der deutschen Pay-TV-Pioniere den hiesigen Markt ja mit erschlossen. Wie viel Sorge macht Ihnen die Entwicklung bei der Vergabe der Bundesliga-Rechte? Am Wohl von Sky hängen Sie ja mittelbar mit Ihren Sendern eng dran.

Gottfried Zmeck: Ach ja, ich mache mir eigentlich gar keine Sorgen. Ich gehe davon aus, dass Sky, was das lineare Fernsehen angeht, alles oder 90 Prozent für das Pay-TV bekommt. Dass für andere Verwertungsrechte – IPTV, Video-on-Demand – möglicherweise auch andere Marktteilnehmer, von denen es ja jetzt auch neue gibt, zum Zuge kommen, ist zu erwarten. Aber das macht mich für uns nicht unruhig. Sky befindet sich nach wie vor auf einem guten Wachstumspfad.

kress.de: Es wäre ja auch sehr schade für Carsten Schmidt, als der erste deutsche Sky-Vorstandsvorsitzende in die TV-Geschichte einzugehen, der wesentliche Abstriche bei der Bundesliga machen müsste.

Gottfried Zmeck: Es ist halt so, wenn man bestimmte Erfolge hat – und die hat Sky, auch in der Stabilisierung dieser Plattform -, dann hat man auch mehr Wettbewerb. Nehmen Sie das englische Beispiel mit der British Telecom: Vor fünf Jahren wären die nie auf die Idee gekommen, für Fußballrechte im Pay-TV mitzubieten. Wenn man jetzt sieht, dass es gut funktioniert, stellt sich auch der Wettbewerb ein. Aber auch hierzulande haben Arena und die Telekom ja auch sehen müssen, dass es für sie nicht funktioniert.

kress.de: Auf derartige Wagnisse wird sich die DFL aus Ihrer Sicht wohl nicht mehr einlassen?

Gottfried Zmeck: Ich denke, man wird behutsam andere Marktteilnehmer, wenn sie ein ordentliches Business-Modell vorweisen können, ein bisschen partizipieren lassen. Aber er der Hauptbrocken wird an Sky gehen.

kress.de: Ein Tipp aus Ihrer eigenen Erfahrung: Wie geht man in solche harten Verhandlungen und hält seine Nerven ruhig?

Gottfried Zmeck: Es geht um ein klares Geschäftsmodell und um ein klares Angebot. Von allem anderen, was häufig mit Pokern und Last-Minute-Angeboten hineininterpretiert wird, glaube ich, dass es ein wenig übertrieben wird.

kress.deLetzte Frage: Wohin wandert für Ihre eigenen Sender Ihr begehrlicher Blick als nächstes auf der Europa-Karte?

Gottfried Zmeck: Wenn ich das wüsste, was als nächstes kommt. Wir haben in der Vergangenheit schon mal Romance Italia präsentiert. Leider hatte damals Sky Italia große Probleme.

kress.de: Obwohl doch "Sturm der Liebe" in Italien sehr gefragt ist?

Gottfried Zmeck: Das läuft im Free-TV dort sehr gut. Aber es bietet eben nicht jeder Markt die Chance, dass man neue Sender dort gut platzieren kann. Wir bleiben aber an dem Thema natürlich dran. Auch Spanien wäre ein schöner Markt. Oft ist es aber auch eine Frage der Sprachfassungen. Diese Länder bleiben auf unserem Radar. Tschechien wäre auch interessant, ist aber aus mehreren Gründen schwierig. Wenn es eine größere Plattform in diesen Ländern gibt und ein Markt für unsere Inhalte vorhanden ist, dann kann man sich das genau anschauen und eines Tages machen.

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