Springers Digital-Manager Jens Müffelmann: Was wir mit der Noah-Conference vorhaben

 

Erstmals tritt Axel Springer als Co-Veranstalter der "Noah Conference" auf. Für Axel Springer bereitet Jens Müffelmann das Event vor. Der 49-Jährige verantwortet nicht nur das USA-Geschäft des Berliner Medienunternehmens, sondern ist als CEO der Axel Springer Digital Ventures GmbH auch zuständig für die entsprechenden Portfoliobeteiligungen von Axel Springer. kress.de sprach mit ihm über die bevorstehende Konferenz und die Pläne seines Hauses.

kress.deBisher verbanden wir mit der Noah vor allem deren Gründer Marco Rodzynek und Jan Brandes. Nun führt die Konferenz auch den Namen Ihres Unternehmens. Welche Rolle spielt Axel Springer bei diesem Event?

Jens Müffelmann: Mit der Noah haben wir eine langjährige Kooperation geschlossen. Schon im vergangenen Jahr hatten wir die Konferenz nach Berlin geholt, nachdem sie vorher nur in London stattfand. Damals waren wir Partner, ab 2016 treten wir als Co-Veranstalter auf.

Beteiligen Sie sich auch an der Londoner Noah?

Jens Müffelmann: Nein, unser Engagement betrifft nur Berlin. Wir wollen die Veranstaltung in unserer Heimatstadt auf noch breitere Beine stellen und neben den disruptiven Herausforderern auch die etablierten Marktführer einbinden. Um nur einige Beispiele zu nennen: Dieter Zetsche von Daimler, Metro-Boss Olaf Koch, Deutsche Bank Digitalvorstand Markus Pertlwieser und auch "Mr. Adidas" Herbert Hainer werden präsentieren und diskutieren. Insgesamt werden wir über 100 CEOs, Gründer und Investoren auf der Bühne haben.

"Wir wollen eine Plattform schaffen"

Was verspricht sich Ihr Haus davon?

Jens Müffelmann: Mit der digitalen Transformation haben wir bei Axel Springer ja schon vor zehn Jahren begonnen und sind dabei ein Vorreiter. Uns erreichen dauernd Anfragen anderer Unternehmen, wie sie die Transformation in das digitale Zeitalter angehen sollen. Da haben wir uns gesagt: Wenn ein solcher Bedarf vorhanden ist, dann lasst uns eine entsprechende Plattform schaffen.

Was hat Sie von der Noah überzeugt?

Jens Müffelmann: Ich bin von Anfang in London dabei gewesen. Marco Rodzynek und Jan Brandes haben mit der Noah Großartiges geschaffen. Es hat mich besonders beeindruckt, dass die Noah eine reine "Business meets Business"-Veranstaltung ist. Natürlich machen wir auch ein großes Abend-Event, aber die Noah war nie so oberflächlich lifestylig wie andere Veranstaltungen, und das wird auch so bleiben. Hier geht es vor allem ums Geschäft und um Inhalte.

"Der Anteil der Etablierten soll steigen"


Die Noah Conference soll junge Internet-Macher und traditionelle Unternehmen zusammenbringen. Bisher waren die Start-ups immer deutlich in der Mehrzahl. Wollen Sie das Verhältnis mehr ins Gleichgewicht bringen?

Jens Müffelmann: Auf jeden Fall. Vergangenes Jahr waren wir mit dem Event sehr zufrieden - aber nicht hundertprozentig mit dem Anteil der etablierten Unternehmen. Auch dieses Jahr sind die Vertreter von Internet-Unternehmen in der Mehrzahl. Aber der Anteil der Etablierten steigt, und er wird weiter steigen. Und wir setzen auch auf eine dritte Gruppe: Die Top-Liga der Finanzinvestoren, die nahezu vollständig anwesend sein wird.

Gerade bei den Jungen und Kreativen haben Sie eine große Auswahl an Gesprächspartnern. Schätzen Sie das besonders?

Jens Müffelmann: Absolut! Wir sind besonders im Frühphasenbereich sehr aktiv. Mehr als 90 Investitionen hat Axel Springer in diesem Segment bereits getätigt. Diesmal kommt unter anderem der Gründer und CEO von Number26, Valentin Stalf, der im digitalen Banking neue Maßstäbe gesetzt hat. Stalf haben wir einst mit unserem Accelerator Axel Springer Plug & Play gefördert und sind seitdem auch investiert. Aber um das zu betonen: Für uns steht die Veranstaltung selbst im Mittelpunkt. Dass wir als Investor aus der Medienbranche bereitstehen, ist bekannt.

"Gut mit der Gründerszene verdrahten"

Auch Google mit Eric Schmidt und Facebook sind bisher sehr prominent bei der Noah vertreten gewesen. Sind das eher Ihre Gesprächspartner?

Jens Müffelmann: Uns sind die Großen genauso wichtig, wie gut mit der Gründerszene verdrahtet zu sein. Dass Eric Schmidt im vergangenen Jahr dabei war, ist über Mathias Döpfner gelaufen. Und diesmal hat sich Kai Diekmann sehr engagiert, Travis Kalanick, Gründer und CEO von Uber, ins Tempodrom zu bekommen. Er wird auch das Gespräch zwischen ihm und Dieter Zetsche moderieren.

Wie bereiten Sie sich auf die Treffen mit potenziellen Partnern vor?

Jens Müffelmann: In Berlin haben wir alle Entscheidungsträger vor Ort. Hier können sie in zwei Tagen Termine machen, für die sie sonst um die halbe Welt reisen müssten. Für unsere Meetings bringen wir einen alten amerikanischen Schulbus zum Tempodrom. Zudem laden wir die Top-100 der Speaker am Vorabend zu einem großen Dinner in den Axel Springer Journalistenclub ein.

"Einige Investments gehen bereits auf die Noah zurück"

Wie sah es denn in den vergangenen Jahren aus: Hat Ihr Haus Geschäfte abschließen können?

Jens Müffelmann: Dass wir den israelischen Rubriken-Marktführer Yad2 übernommen haben, geht auf die Noah zurück. Das war ein großes Investment. Und auch die Übernahme von @leisure, mit der wir ins Ferien-Immobiliengeschäft eingestiegen sind, begann mit Gesprächen auf der Konferenz. Es gibt viele Beispiele für solche Deals, nicht nur bei Axel Springer. Genau das ist ja auch unser Anspruch an diese Business-Veranstaltung.

Ihr Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner hat gesagt, Axel Springer sei eine Patchworkfamilie. Welche Rolle spielen dabei Print und Digital und welche Events wie die Axel Springer Noah?

Jens Müffelmann: Wir denken nicht in Silos. Wir verstehen uns als Patchwork-Familie mit sehr unterschiedlichen Familienmitgliedern bei der im Hinblick auf Digitalisierung alle an einem Strang ziehen. Mit der Axel Springer Noah eröffnen wir kein neues Geschäftsfeld "Events". Es ist vielmehr einer von sehr vielen Bausteinen in unserer Vernetzungsoffensive. Unsere Geschäftsfelder sind und bleiben Content-, Marketing- und Rubrikenmodelle.

Bleibt die Noah Ihr einziges Engagement auf dem Gebiet oder wollen Sie weitere Plattformen nutzen?

Jens Müffelmann: In vergleichbarer Größenordnung haben wir nichts geplant. Erst einmal hat es absoluten Vorrang, die Axel Springer Noah als die führende europäische Konferenz zum Thema Digitalisierung zu etablieren. Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sonst hätten wir uns auch nicht für mehrere Jahre gebunden.

Hintergrund: Mehr als 3000 Unternehmer, Investoren und Multiplikatoren der digitalen Wirtschaft werden die "Axel Springer NOAH Conference" am 8. und 9. Juni im Berliner Tempodrom fürs Netzwerken und als Informationsbühne nutzen. Rund 100 Vorträge und Diskussionen widmen sich der Digitalisierung. Dabei treffen junge Start-ups auf etablierte Marktführer. 

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