Teresa Bücker und Horst von Buttlar im "Wirtschaftsjournalist": "Frau-Sein alleine ist keine Geschichte"

20.05.2016
 
 

Das Magazin "Capital" kassierte auf Twitter den Vorwurf, Frauen in der Berichterstattung zu vernachlässigen. Was ist dran an der Kritik? Und wie gewinnt man generell mehr Leserinnen für Wirtschaftsmedien? Das diskutieren im neuen "Wirtschaftsjournalist" Horst von Buttlar, Chefredakteur von "Capital", und Teresa Bücker, Redaktionsleiterin der Online-Portals Edition F.

Quotenfrauen in der Wirtschaftsberichterstattung bringen keine neuen Leserinnen. Dieser Ansicht sind sowohl Horst von Buttlar, Chefredakteur von "Capital" (Gruner + Jahr), als auch Teresa Bücker, Redaktionsleiterin von Edition F. "Formate im Heft für Frauen haben die gleiche Funktion einer Rampe für Rollstühle in Behörden, so nach dem Motto: Die müssen auch reinkommen," sagte von Buttlar dem "Wirtschaftsjournalist".

In dem Punkt stimmt Bücker ihm zu. "Es muss mehr dahinter stecken als die Tatsache, dass eine Frau ein Unternehmen leitet." Aber oft hieße es, diese spannenden Frauen, hinter denen eine Idee steckt, gäbe es nicht. Als Redaktion sollte man besser die eigene Definition von Wirtschaft hinterfragen. Dann bekomme man auch mehr Vielfalt in die Berichterstattung. "Wir können uns vor lauter spannenden Frauen nicht retten," so Bücker, über die sie ständig berichteten. Das Onlineportal spricht gezielt jüngere Frauen zwischen 25 und 35 an, die laut Studien generell ein großes Interesse an Wirtschafts- und Karrierethemen haben.

Statt eine Frauenquote einzuführen, setzt Buttlar seit dem Neustart von "Capital" vor drei Jahren lieber auf gute Geschichten, mit guten Protagonisten. "Unser Anspruch ist es, mehr in den Maschinenraum zu gucken und nicht immer nur in die Vorstandsebene. Die ist eh abgeschirmt von der PR-Abteilung, da wird jede Äußerung dreimal geglättet." Buttlar und seine Redaktion versprechen sich eine Öffnung von "Capital" für Frauen auch durch eine andere Bildsprache. "Wir wollen den Blick dahin richten, wo etwas passiert." Dort bekomme man auch andere Bilder, auch von Protagonistinnen.

Generell gelingt es Wirtschaftsmedien kaum, Frauen anzusprechen. Nach der jüngsten AWA-Erhebung von 2015 kommt das Magazin "Test" mit 1,4 Millionen Leserinnen auf den größten prozentualen Anteil von vier Prozent. "Capital" kommt nach der "FAZ" (0,38 Mio) auf 0,2 Millionen Leserinnen und liegt damit aber vor dem "Handelsblatt", "Manager Magazin" und der"Wirtschaftswoche".

Anlass für die aktuelle Debatte war ein Tweet der anonymen Userin "JournalistinHH". Sie beklagte auf Twitter, dass in der März-Ausgabe des Magazins "Capital" auf 170 Seiten nur fünf Frauen abgebildet wären. Daraus schloss sie: "Was für ein Drecksblatt". Horst von Buttlar ließ sich zu einer impulsiven Antwort hinreißen und schreibt, dass es in anderen Ausgaben auch anders ausgesehen hätte. Er aber keine Lust habe, das "dummen Gänsen" zu erklären. Daraufhin entfachte ein kleiner Shitsturm zwischen polternden Feministinnen und einstimmenden Männern. Einen Tag später entschuldigte sich Horst von Buttlar für den Ausdruck "dumme Gänse". "JournalistinHH" nahm"Drecksblatt" dennoch nicht zurück.

Auch Teresa Bücker hält von dieser Form der Kritik wenig. "Aus der Anzahl an Frauen den Vorwurf "Drecksblatt" zu konstruieren, finde ich auch schwierig. Sie frage sich, was das bei Horst von Buttlar auslösen solle.

kress.de-Tipp: Das gesamte Gespräch ist im "Wirtschaftsjournalist" erschienen, der wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer erscheint. Der "Wirtschaftsjournalist" kann hier im Newsroom.de-Shop bestellt werden. Das Magazin gibt es auch digital im iKiosk.

 

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