Zwischen Lizenzen und verschwundenen Metadaten: Der Basis-Werkzeugkasten für Bildersucher

25.05.2016
 

Für alle Bildurheber, die ihre Arbeiten im Netz veröffentlichen, empfiehlt es sich, von Zeit zu Zeit die Suchmaschinen zu bemühen. Unabhängig von Zufallsfunden eigener Bilder auf fremden Websites, die einen Verdacht auf Bildklau nahelegen: Mithilfe unterschiedlicher Helfer von Bing bis Yahoo lässt sich die Suche mittlerweile ziemlich engmaschig gestalten. Und das gezielte Aufspüren von Veröffentlichungen aller Art hilft nebenbei auch bei der jährlichen Meldung an die VG Bild-Kunst.

Für die Suche nach unautorisierten Verwendungen gibt es nützliche Helfer wie beispielsweise TinEye. Die Suchmaschine, die nach eigenen Angaben rund 14,4 Billionen Bilder indexiert hat, funktioniert auf unterschiedlichen Wegen: Sowohl der Upload von Bildern ist möglich - als auch die gezielte Suche via Bild-URL. Zusätzlich bietet der Betreiber von TinEye für alle gängigen Browser von Safari über Firefox bis Opera Plugins an. Via Webinterface und Plugin ist die Suche nach Einzelbildern via TinEye kostenlos. Für professionelle Fotografen und Unternehmen wie beispielsweise Agenturen bietet die Suchmaschine auch kostenpflichtige Modelle für automatisiertes Tracking größerer Bildbestände und unrechtmäßiger Kopien an.

Wie man Fälschungen erkennen kann

Google's Reverse Image Search gehört ebenfalls zu den wichtigen und mächtigen Werkzeugen, die man kennen und nutzen sollte. Nicht allein zum Aufspürung eigener Fotos auf fremden Websites, sondern auch zur Überprüfung von Bildern - im Sinne von Verifizierung und Erkennung von Bildfälschung oder - manipulation. Denn immer wieder kursieren in den Sozialen Netzwerken Fotos, die reflexartig geteilt und verbreitet werden, ohne dass ihre Echtheit in Frage gestellt wird. Ob Naturkatastrophe, Anschlag oder Krieg, die Bandbreite der kritischen Aspekte von Bildern ist groß: Sie reicht von unklaren, bisweilen nicht zu ermittelnden Quellen über "Propagandamaterial" extremer Gruppierungen bis hin zu Fälschungen. Nicht immer sind solche Fälschungen so einfach auf den ersten Blick zu erkennen wie das Foto von Bonsai-Kätzchen in eckigen Flaschen, das seit geraumer Zeit im Netz kursiert. Während des Hurrikans Sandy fanden Fotos der Freiheitsstatue weite Verbreitung: Vor einer bedrohlichen Wolkenfront oder nahezu überspült von Wellen, wurden die beeindruckenden Motive von "Lady Liberty" zigfach auf Twitter und Facebook geteilt. Eine Überprüfung mit TinEye, Google oder auch der Yahoo-Bildersuche (die vergleichbar funktioniert) hätte geholfen: Die Fotos stammen aus Hollywood-Katastrophenfilmen, sind zum Teil nachträglich stark bearbeitet oder montiert worden - und waren anhand der Trefferliste unschwer zu identifizieren. 

Wie man einen tieferen Einblick in Bilddaten bekommt

Ergänzend zur Verwendung solcher Bildersuchen empfiehlt sich der Blick auf die eingebetteten Metadaten eines Bildes. Was auf den Plattformen des Sozialen Netzes oft automatisiert entfernt oder nur teilweise angezeigt wird, lässt sich auf dem Weg durch die Suchmaschinen vielfach aufspüren. Mitunter in mühsamer, detektivischer Kleinarbeit und durch Stöbern in einer Vielzahl von Suchergebnissen. Der Klick mit der rechten Maustaste auf das Bild hilft dabei nicht wirklich weiter: Er führt nur auf die HTML-Tags der Website, auf der das Foto veröffentlicht wurde. Nachträglich vom Webmaster eingefügt, können solche HTML-Tags gelegentlich ähnlich zweifelhaft sein wie die Fundstelle des Bildes und mit falschen Angaben über das Foto oder dessen Entstehung seinen Kontext verzerren. Auch das kann gezielte Manipulation sein, wenn solche "Informationen" mit der originären Bildquelle nicht mehr das Geringste zu tun haben. Wer Bilder online überprüfen möchte, dem helfen Websites wie http://www.exif-viewer.com, http://www.findexif.com  oder http://www.regex.info/exif.cgi weiter: via Bild-URL oder Upload eines Bildes liefern diese Tools tieferen Einblick in die Bilddaten.

Solche Exif Viewer gehören zu dabei zu den Werkzeugen des Faktenchecks, die Standard für jeden sein sollten, der sich mit der Integrität von Bildern beschäftigt. Jeffrey Friedls Exif Viewer beispielsweise funktioniert nicht nur via Webinterface, sondern auch als einfach zu installierendes Browser-Plugin. Zur Prüfung eines Fotos reicht dann ein kurzer Klick auf das Sniplet im Browserfenster. Neben den gängigen Bildformaten wie JPG, PNG, DNG oder RAW erkennt dieser Exif Viewer eine Vielzahl selbst eher exotischer Dateiformate - und ermöglicht so einen tieferen Einblick in die Metadaten eines Bildes und damit in dessen Hintergrund und Integrität. Denn aus den eingebetteten Informationen lassen sich zahlreiche Informationen ermitteln: Das Aufnahmedatum gehört ebenso dazu wie Kameratyp und -einstellungen, verwendete Objektive, Angaben über Bildautor (oder -lieferant bzw. -agentur), Aufnahmeort und abgebildetes Geschehen. Wer Bilder veröffentlicht, findet über das Plugin hinaus auf der Website von Jeffrey Friedl eine Vielzahl nützlicher, digitaler Helfer rund um Bildbearbeitung und Meta-Daten.

Die aufgezählten Werkzeuge helfen meist auch dann weiter, wenn die Bildquelle mittels Kennzeichnung oder Bildunterschrift nicht angegeben ist. Was hier vor allem als Weg zur Verifizierung und korrekten Einordnung eines Bildes beschrieben ist, gilt genauso für eine beabsichtigte Nutzung von Fotos, die einem im Netz "über den Weg laufen". Wurden die eingebetteten Metadaten entfernt - ob automatisiert auf dem Weg durchs Social Web oder vorsätzlich - und ist die Bildquelle nicht zweifelsfrei zu ermitteln, sollte man die Finger von solchen "gefundenen" Bilder lassen. Ihre Verwendung ist mit nicht zu unterschätzenden Risiken verbunden, die von Abmahnungen bis zu immens hohen Schadensersatzforderungen eine Reihe böser Überraschungen nach sich ziehen können (siehe auch Folge 1).

Weiterführende Links

Die Fake-Fotos der Freiheitsstatue

TinEye Reverse Image Search

Google Reverse Image Search

Nützliche Plugins rund um die Bildbearbeitung auf der Website von Jeffrey Friedl

Ein Praxisbeispiel der Recherche: Wie ein Reuters-Bild von rassistischen Plattformen gekapert wurde - nachzulesen bei kress.de

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Chris Ecklebe

Chris Ecklebe

COSMOTY.de
Geschäftsführer

02.06.2016
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Netter Artikel zum Einstieg in die "Verfolgung" von Bilddieben. Die Landschaft der Tools ist noch weitaus vielfältiger und für wirklich professionelle Bildarchivare oder Fotografen lohnt es sich tatsächlich bei Mitstreitern anzuklopfen und Erfahrungen einzuholen. Gute Resultate lassen sich schon mit der Google Bildersuche erzielen, wer das automatisieren möchte muss dann allerdings tief in die Tasche greifen. Bei der Verteidigung des eigenen Eigentums ist das Geld jedoch gut angelegt.


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