Kurt Stukenberg, neuer Co-Chefredakteur des "Greenpeace Magazins": "Man muss die Missstände benennen, aber auch die Lichtblicke zeigen"

01.06.2016
 

Am heutigen ersten Juni steigt Kurt Stukenberg zum Co-Chefredakteur des "Greenpeace Magazins" auf. Gemeinsam mit Kerstin Leesch, die nach vielen Jahren als stellvertretende Chefredakteurin das Heft im vergangenen Jahr alleine leitete, will er das "Greenpeace Magazin" vor allem auf dem digitalen Markt wettbewerbsfähiger machen.

Die Effektivität von Doppel- und Dreifachspitzen ist in Redaktionen unumstritten. Auch das "Greenpeace Magazin" kehrt zurück zu diesem bewährten Modell, um das Spannungsfeld zwischen Print und Digitaler Präsentation lückenlos abzudecken: Ab dem ersten Juni leitet Kurt Stukenberg gemeinsam mit Kerstin Leesch die Chefredaktion. Stukenberg, der 2007 als Praktikant bei dem Magazin begann, absolvierte dort parallel zum Studium der Germanistik und Sozialwissenschaften sein Volontariat und wurde 2013 zunächst als Textredakteur übernommen. 2015 stieg er zum "Leiter Digital-Strategie" auf.

Auf dem Weg in den digitalen Wettbewerb

"Es kristallisierte sich heraus, dass es dem Digitalbereich unseres Verlages an einem klaren Plan und einer übergeordneten Digitalstrategie fehlte. Social Media, der Onlinebereich, von Apps gar nicht zu reden ... Also habe ich mich da eingearbeitet. Und als der nächste Relaunch anstand, war klar, dass ich den unter meine Fittiche nehme." Mit Erfolg. Die Website des Magazins bekam 2015 den Leads Award in der Kategorie "Independent des Jahres" und Stukenberg wurde Mitglied der Chefredaktion. Von da aus war es nur ein kleiner Schritt zur gleichberechtigten Doppelspitze, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das seit 23 Jahren erfolgreiche Magazin auch digital wettbewerbsfähig zu machen.

Ein Wettbewerb, bei dem es vor allem um Aufmerksamkeit geht - zumindest aus wirtschaftlicher Sicht hat das Magazin, das seit seiner Gründung auf Werbeanzeigen verzichtet und komplett leserfinanziert ist, hohe Klickzahlen nicht nötig. Eine Besonderheit, die unabhängige Berichterstattung möglich machen soll. "Meines Wissens nach sind wir das einzige Magazin in Deutschland, das sich komplett über Aboeinnahmen finanziert. Und das seit 23 Jahren! Dadurch, dass die Website unmittelbar keine Einnahmen generiert, da es keine Werbung oder Paywall gibt, müssen wir keine klickfixierten Grusel-Headlines machen, sondern können einfach publizieren, was wir für gut und wichtig halten."

Inhalte statt klickfixierter Gruselheadlines

Diese Unabhängigkeit ist für Stukenberg deutlich bedeutsamer als finanzielle Gewinne. Er möchte das Greenpeace Magazin als Marke etablieren und die Menschen für seine Inhalte begeistern. "Es ist mir wichtig, dass die Leute erst einmal unsere Inhalte für relevant erachten, deshalb vielleicht mal die Seite besuchen, mal ein Heft kaufen und, das ist natürlich die Hoffnung, irgendwann vielleicht auch ein Abo abzuschließen. Aber primär geht's mir zu Beginn darum, dass unsere Inhalte und unsere Marke eine breite Öffentlichkeit erreichen."

Nur wenige Menschen wissen, dass das Magazin zwar eine hundertprozentige Tochter von Greenpeace, inhaltlich, journalistisch und finanziell aber absolut unabhängig von dem Verein ist. "Natürlich tragen wir Greenpeace in unserem Namen und sind somit ein Stück weit mit dem Auf und Ab der Organisation verbunden", räumt Stukenberg ein. "Aber die Inhalte unseres Magazins sind nicht deckungsgleich sind mit dem, was Greenpeace macht. Wir haben vielfach ähnliche Themen - also Klimawandel, Energiewende, nachhaltige Landwirtschaft, nachhaltigen Konsum -, aber wir beschäftigen uns zum Beispiel auch mit Menschenrechten und Außenpolitik."

Unabhängig sein und bleiben

Dank der Unabhängigkeit von Werbekunden gibt es wenig Erhebungen zu der Leserschaft. "Wir betreiben zwar keine aufwändige Marktforschung, haben aber doch halbwegs klares Bild von unseren Abonnenten: Sie sind im Schnitt um die 40 Jahre alt, leben überwiegend im süddeutschen Raum und sind überdurchschnittlich gebildet und überdurchschnittlich gut situiert." Und auch das Geschlechterverhältnis der Lesenden ist - genau wie in der Redaktion selbst - beinahe paritätisch. Nächstes Ziel: Jüngere Menschen für das Magazin zu begeistern. Und dafür müsse sich vor
allem digital einiges tun, findet Stukenberg.

"Zur Zeit haben wir beim Greenpeace Magazin vier Kanäle: Das gedruckte Heft, die Webseite, die sozialen Netzwerke und das Digitalmagazin. Dabei bilden das Digitalmagazin und das gedruckte Magazin inhaltlich eine Einheit, aber im digitalen Magazin findet man noch viel mehr.Das sind zum Beispiel pro Digitalausgabe zwei jeweils sechsminütige Videodokumentationen, in denen
Geschichten aus dem Printheft weitererzählt werden.

Die Geschichten hinter den Geschichten dokumentieren

"Wir wollen die Geschichten nicht bloß noch mal als Bewegtbild erzählen, sondern echten Mehrwert schaffen - die Dinge weiterdenken, weitervernetzen. Insgesamt ist das allerdings noch im Aufbau, aber Autoren und Fotografen beginnen langsam, die neuen Möglichkeiten in ihrer Planung in mitzudenken." Dabei setzt die Redaktion auf konstruktive Berichterstattung - in dem Glauben, dass allzu dramatische Weltuntergangsszenarien die Menschen nicht mehr erreichen. "Wir wollen mit unseren Artikeln zeigen, dass Veränderungen möglich sind. Natürlich muss man dazu die Missstände benennen, aber wir zeigen auch die Lichtblicke."

Während die Artikel eines Zweimonatsmagazins zwangsläufig eine hohe Halbwertszeit haben müssen, bemüht sich die Chefredaktion, auf der Website aktuelle Entwicklungen nachzuzeichnen. Drei- bis viermal täglich wird aktualisiert. Seine Vision für das "Greenpeace Magazin" fasst Stukenberg so zusammen: "Tagesaktuell auf der einen Seite und eher hintergründiger auf der anderen Seite - mit gewissen Querverbindungen, wo es Sinn macht."

Infos

Das "Greenpeace Magazin" hat seinen Sitz in Hamburg und erscheint seit 1993 alle zwei Monate. Herausgeber ist die Greenpeace Media GmbH. Mit einer Auflage von 85.000 Exemplaren, von denen 80.000 an Abonnentinnen und Abonnenten gehen, ist das Magazin ausschließlich leserfinanziert. ChefredakteurInnen sind Kerstin Leesch und Kurt Stukenberg.

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