BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf warnt Journalisten: "Gewerkschaften sägen an eigenem Ast"

 

Nachdem der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) befristete Warnstreiks bei Tageszeitungen angekündigt hat, warnt BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf auf kress.de-Nachfrage: "Die Gewerkschaften sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen. Sie wecken bei ihren Mitgliedern völlig überzogene Erwartungen, die nie und nimmer eingelöst werden können."

"Es ist den Mitgliedern des DJV natürlich völlig unbenommen, für die Durchsetzung ihrer Interessen zu streiken. Allerdings sägen die Gewerkschaften an dem Ast, auf dem sie sitzen, weil sie sich mit ihrer Haltung zunehmend von den Voraussetzungen für einen Tarifkompromiss verabschieden", so Georg Wallraf zu kress.de.

Anfang der Woche hatte die Große Tarifkommission des DJV Zeitungsjournalisten in mehreren Regionen Deutschlands zu zeitlich befristeten Warnstreiks aufgerufen. Regionale Schwerpunkte sollen Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sein.

Damit könnten Deutschlands größte Zeitungshäuser wie Ippen ("Münchner Merkur", "Westfälischer Anzeiger"), DuMont (Kölner Stadt-Anzeiger"), SWMH ("Süddeutsche Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten"), Funke ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Westfalenpost"), RP Mediengruppe ("Rheinische Post"), Madsack ("Hannoversche Allgemeine Zeitung"), NOZ Medien ("Neue Osnabrücker Zeitung") betroffen sein. Zeitpunkte und Orte der Warnstreiks sollen intern abgestimmt und festgelegt werden.

DJV-Verhandlungsführer Kajo Döring sieht die Zeit reif für Warnstreiks: "Wir haben in den drei Tarifrunden mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger keine Einsicht der Verleger in die Notwendigkeit angemessener Gehalts- und Honorarerhöhungen für die 13.000 Zeitungsjournalisten feststellen können. Wir setzen uns nicht als Bittsteller mit den Verlegern an den Verhandlungstisch. Und wir haben keine Zeit für Tarifrunden, mit denen die Verleger nur Zeit schinden wollen", betont Döring.

Gewerkschaften fordern 4,5 Prozent mehr

Die Journalistinnen und Journalisten in den Redaktionen seien aufgerufen, durch ihre Beteiligung an den Streikaktionen den Verlegern die Ernsthaftigkeit der Forderung des DJV nach 4,5 Prozent mehr Gehalt bzw. Honorar zu verdeutlichen, heißt es in einer Aussendung.

BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf hält dagegen: "DJV und ver.di argumentieren mit einer Generalbetrachtung der deutschen Wirtschaft, die aufs Ganze gesehen in der Tat erfreulich ist, unterschlagen aber wissentlich die sehr spezielle Situation der Zeitungsbranche, die sich in einem langanhaltenden und herausfordernden Transformationsprozess befindet. Damit wecken sie bei ihren Mitgliedern völlig überzogene Erwartungen, die nie und nimmer eingelöst werden können", so Wallraf zu kress.de.

"Redakteure beziehen absolut wettbewerbsfähige Gehälter"

Wallraf, Chef-Unterhändler der Zeitungsverleger, betont: "Es ist höchste Zeit, dass DJV und ver.di diese Realität zur Kenntnis nehmen und sich bewegen. Deutschland hat eine historisch niedrige Inflationsrate. Redakteurinnen und Redakteure an deutschen Tageszeitungen beziehen absolut wettbewerbsfähige Gehälter und erhalten eine gut dotierte Altersversorgung, um die sie Mitarbeiter anderer Branchen beneiden."

"Streiks bringen niemanden weiter"

Laut Georg Wallraf "wiederholen die Gewerkschaften gebetsmühlenartig ihre überhöhten Forderungen und rufen zu auf Schadensmaximierung angelegten Streiks auf, die niemand weiterbringen werden." Für Wallraf steht fest: "Verleger und Gewerkschaften stehen in einer gemeinsamen Verantwortung für die Erhaltung des Flächentarifvertrags. Dieser Aufgabe sollten wir uns in der kommenden Verhandlungsrunde stellen", so Wallraf zu kress.de.

Lesen Sie ein Interview mit Georg Wallraf im Newsroom.de-Archiv (von 2013)

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