BJV über Zusammenlegung von Münchner Ippen-Lokalredaktionen: "Phantasielose, rückwärtsorientierte, arbeitnehmerfeindliche, erbärmliche Krämerseelen!"

 

Damit wird Zeitungsverleger Dirk Ippen nicht gerechnet haben. Seine Entscheidung, die Lokalredaktionen seiner Münchner Titel "tz" und "Merkur" zusammenzulegen, sorgt für einen lange nicht mehr gekannten Wutausbruch bayrischer Gewerkschafter. "Phantasielos, rückwärtsorientiert und arbeitnehmerfeindlich" findet BJV-Vorsitzender Michael Busch Ippens Entscheidung, für den stellvertretenden DJV-Bundesvorsitzenden Wolfgang Grebenhof ist die Zusammenlegung schlicht "erbärmlich".

In einer Presseerklärung hatte Dirk Ippen am Dienstag nach Gesprächen mit Mitarbeitern und Betriebsräten offiziell mitgeteilt, dass die Lokalredaktion München vom "Merkur" zusammengelegt wird mit der Lokalredaktion des Boulevardblatts "tz": "Dadurch soll das lokale Angebot beider Titel nachhaltig weiter verbessert werden", schreibt Ippen in der unter anderem von ihm unterzeichneten Aussendung.

Für den Verleger steht fest: "Die personell und fachlich sehr breit aufgestellte neue Lokalredaktion wird künftig beide Zeitungstitel noch besser als bisher mit gut recherchierten und kompetenten Inhalten versorgen. Alle Beteiligten versprechen sich von der Maßnahme eine Stärkung der lokalen Kompetenz für beide Zeitungen. Synergieeffekte bei Themenfindung, Planung, Recherche und Verfassen von Texten soll den Lesern beider Titel zugute kommen, unbeschadet der markenspezifischen Eigenheiten die voll erhalten bleiben. Dazu sollen auch die Internetportale merkur.de und tz.de gestärkt werden."

Gewerkschafter werfen Ippen "Einfallslosigkeit" vor

Ippens Entscheidung sorgt bei den Gewerkschaftern in Bayern für heftige Kritik: "Ich hoffe inständig, dass wir von Ihnen die Worte eines "Qualitätsjournalismus" nicht mehr hören, das ist dann nämlich gelogen. Seien sie wenigstens so ehrlich und geben Sie zu, dass das Einzige was Sie interessiert, die Rendite ist. Verstecken Sie sich aber nicht hinter dem Auftrag der Presse, die grundgesetzlich gesichert ist", warnt BJV-Vorsitzender Michael Busch Zeitungsverleger Dirk Ippen. Und fügt hinzu: "Sie fordern, wie viele andere Verleger, immer wieder Kreativität von uns Journalisten, unterliegen aber selber einer Einfallslosigkeit, die ihresgleichen sucht. "Synergieeffekte" - welch großes Wort, das Sie von Unternehmensberatern übernommen haben. Welch einfallsloses Wort!"

"Wenn einem Verleger in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine neuen, zukunftsträchtigen Geschäftsmodelle einfallen, sondern der Rotstift über die Kreativität siegt, dann ist das erbärmlich. Mit der Zusammenlegung der Münchner Lokalredaktionen von Münchner Merkur und tz reiht sich Dirk Ippen in die unrühmliche Phalanx jener Verleger, die Rendite-Steigerung und Profitmaximierung über publizistische Pluralität und journalistische Vielfalt stellen", kritisiert Wolfgang Grebenhof. Grebenhof ist Vorsitzender der BJV-Fachgruppe Tageszeitungen und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands.

"Gespür für Journalisten fehlt"

Grebenhof betrachtet es als schlechten Stil, dass Ippen Belegschaft und Betriebsrat vor vollendete Tatsachen gestellt habe: "In der Mediengruppe Münchner Merkur/tz regieren offensichtlich Krämerseelen, die jegliches Gespür für Journalismus und Journalisten missen lassen." Früher oder später werde die Redaktions-Fusion Arbeitsplätze kosten, so Grebenhof: "Dies als 'Synergieeffekt bei Themenfindung, Planung, Recherche und Verfassen von Texten' zu verkaufen, ist eine Nebelkerze, die darüber hinwegtäuschen soll, dass hier künftig redaktioneller Einheitsbrei angerührt werden soll."

Mit der Ankündigung, die Lokalredaktionen zusammenzulegen, gibt es noch weitere Veränderungen. So wird die "tz"-Redaktion "Fernsehen" in die Feuilleton-Redaktion des Münchner Merkur eingegliedert. Außerdem werden die Lokalredaktionen des Merkur für Würmtal und Unterhaching an die Zeitungsverlag Oberbayern GmbH & Co. KG (ZVO) abgegeben, die Herausgeberin aller Merkur Heimatzeitungen ist.

Bereits im Frühjahr hatte es massive Veränderungen beim "Merkur" gegeben. Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger hatte das Haus überraschend verlassen, Mit-Geschäftsführer Andreas Heinkel musste das Haus verlassen. In seiner Abschieds-Email an die Mitarbeiter schrieb Heinkel unter anderem: "Die Befindlichkeiten in den Redaktionen MM/tz im Rahmen des Projektes Publishing 2020 hat Herr Dr. Ippen in den vergangenen Wochen massiv auch an meiner Person festgemacht. Herr Dr. Ippen kam deshalb zu dem Entschluss, auf meine Unterstützung in der Geschäftsführung zukünftig zu verzichten. Das bedauere ich persönlich zutiefst."

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