Zusammenlegung von Ippens Münchner Lokalredaktionen: "Wir wollen die Unabhängigkeit der Zeitungen wahren"

 

Mit Unverständnis reagiert die Mediengruppe Merkur/tz auf Vorwürfe der Gewerkschaften, das im Unternehmen "der Rotstift über die Kreativität" siege: "Mit der Zusammenlegungen wollen wir die langfristige Arbeit unserer Journalisten ermöglichen", heißt es aus dem Verlag zu kress.de.

Für viel Wirbel hat die Entscheidung von Verleger Dirk Ippen gesorgt, die Lokalredaktionen vom "Münchner Merkur" und der Boulevardzeitung "tz" zusammenzulegen. Schon heute werden Artikel ausgetauscht, manchmal neu aufgebaut, manchmal mit einem neuen Titel versehen. Bereits nach dem Sommer, im Herbst 2016, sollen die bislang getrennt voneinander arbeitenden Redaktionen gemeinsam agieren. Bislang arbeiten die Redaktionen auf unterschiedlichen Etagen, dann soll das neue Gemeinschafts-Team auch räumlich auf einer Ebene im Verlagshaus in der Nähe vom Münchner Hauptbahnhof zusammenrücken.

Die Lokalchefs der "tz" haben künftig das Sagen

In der künftigen Großredaktion wird es rund 30 festangestellte Mitarbeiter geben. Den Hut aufhaben werden die Lokalchefs der "tz", aber auch der bisherige "Merkur"-Lokalchef soll weiterhin Verantwortung übernehmen. Rechtlich wird die Lokalredaktion ebenfalls bei der "tz" angesiedelt sein, dass heißt, dass es zu einem Teilübergang der Beschäftigten kommt. Entlassungen sind nicht geplant.

Warum die "tz" die Lokalredaktion führen soll und nicht der "Merkur", wird in München so erklärt - das Boulevardblatt hat die höhere Auflage in München. Der "Merkur" hat zwar eine Auflage von rund 248.000, die "tz" von 116.000, in München ist die "tz" aber deutlich größer. Der "Merkur" findet seine Leser vor allem im Speckgürtel von München, im Umland. Das neue Konzept für den Münchner Markt sei eine reine unternehmerische Entscheidung: "Wie andere Tageszeitungen sind wir seit einigen Jahren von einem massiven Beilagen- und Anzeigenrückgang betroffen. Mit unserer Neuaufstellung im Lokalen sind wir deutlich stärker aufgestellt für die Zukunft." So sei es möglich, alle Festangestellten auch an Bord zu halten.

Was nicht gesagt, damit aber deutlich gemacht wird: Die Entscheidung zur Zusammenlegung sei notwendig. Würde es nicht zur Zusammenlegung kommen, müssten Kündigungen ausgesprochen werden: "Nur so können wir auch in Zukunft unabhängigen Journalismus ermöglichen."

Umbau ohne externe Berater durchgezogen

Wie bei Ippen üblich, hat die Unternehmensführung den Umbau persönlich erarbeitet - ohne Hilfe von außen. Auch gebe es für die neue Lokalredaktion kein Vorbild, an dem man sich orientiere, heißt es im Haus. Die Entscheidung sei auch jetzt öffentlich gemacht worden, weil es in der "tz"-Lokalredaktion einige Vakanzen geben würde, die nachbesetzt werden müssten. Durch die neue Großredaktion müssen für diese freien Stellen keine neuen Redakteuren verpflichtet werden. Überlegungen, auch die Mantelredaktionen von "Merkur" und "tz" zusammenzulegen, habe es nicht gegeben.

Der Münchner Zeitungsmarkt gehört zu den umkämpftesten Märkten Deutschlands. Fünf Zeitungen - "Süddeutsche Zeitung", "Abendzeitung München", "Bild", "Münchner Merkur" und "tz" - buhlen dort mit eigenen Lokalausgaben um Leser.

Ihre Kommentare
Kopf

Benno

08.06.2016
!

Das ist nichts anderes als Flickschusterei bzw. die Abwicklung zweier eigenständiger und einst guter Zeitungen. Dieses Sparprogramm auch noch unter dem Label "unabhängiger Journalismus" zu verkaufen, ist blanker Hohn.


Düsselbarsch

08.06.2016
!

Herr Ippen wie man ihn seit Jahrzehnten kennt!


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