ZDF-Sportmoderatorin Anna Kraft vor ihrer ersten EM: "Man kann es nicht allen Leuten Recht machen"

 

Anna Kraft ist der Shooting-Star im deutschen Sportjournalismus. Am Samstag ist sie das erste Mal bei einer Fußball-Europameisterschaft im Einsatz. Bei dem Spiel Albanien - Schweiz fängt Anna Kraft, Jahrgang 1985, "Stimmen und Stimmung" im Stadion ein. Ein kress.de-Gespräch über Hardcore-Fans, ihre Liebe zum Sport und das Arbeiten bei einer öffentlich-rechtlichen Institution wie dem ZDF.

Die ehemalige Leichtathletin, 1985 in Leverkusen geboren, schnupperte schon während ihres Sportstudiums in Köln in die Medien rein - beim damaligen Sportsender DSF (heute: Sport1). Spätere Stationen waren Antenne Bayern und WDR2. 2010 fing sie in der Sat.1-Redaktion "ran" an und wechselte ein Jahr später zu Sky. Im Sommer 2015 veränderte sie sich wieder - zum ZDF, wo sie unter anderem die "Sportreportage" moderiert.

kress.de: Frau Kraft, Ihr erstes Jahr beim ZDF – wie würden Sie das zusammenfassen? 

Anna Kraft: Top! Ich habe viele tolle Erlebnisse gehabt. Wir haben eine Reportage in Rio gedreht, ein Jahr nach dem WM-Sieg und ein Jahr vor Olympia. Oder auch mein Champions League-Ausflug zu ZSKA Moskau – das waren tolle Erfahrungen. 

kress.deWie unterscheidet sich die Arbeit für Privatsender zu der für den Öffentlich-Rechtlichen? 

Anna Kraft: Für mein persönliches Arbeiten gar nicht so sehr. Wobei ich mehr im Flieger stecke, weil wir ja unsere Sendung in Mainz haben und ich für die Live-Berichterstattung in die schönen Fußballstadien in Deutschland oder Europa reise. Ein Unterschied fällt mir doch ein: Wenn wir sportpolitische Themen behandeln, schaut ein Jurist nochmal über die Moderation und die Beiträge. Ansonsten macht es für mich keinen Unterschied, ob ich für einige Zehntausend oder ein Millionenpublikum sende. Mein Anspruch bleibt der gleiche.

Ascheplatz statt Sandkasten

kress.deWie bereiten Sie sich auf einen, sagen wir mal: Spieltag vor? 

Anna Kraft: Es ist ja ein roling business, man kann gar nicht genau sagen, wann das anfängt und wann es aufhört. Eine Bundesligasaison begleitet man bereits im Vorfeld, was Transfers angeht und dann natürlich vom Startpfiff an. Und wenn man obendrein wie ich als Kind nicht im Sandkasten, sondern auf dem Ascheplatz groß wird, hat man den Fußball einfach in der DNA und damit im täglichen Leben.

kress.deWas tun Sie, um im Thema zu bleiben?

Anna Kraft: Ich lese alles, was mir in die Hände fällt. Aktuelle Tages- und Fachpresse national wie international. Ich konsumiere das alles, weil ich das Gefühl haben muss, bestmöglich auf alles vorbereitet zu sein.

kress.deAls Sportmoderatorin stehen Sie ja wahnsinnig im Scheinwerferlicht. In dem Bereich ist ja jeder unserer 80 Millionen Bundestrainer Experte ... Da kommt bestimmt einiges an Hass über die sozialen Netzwerke bei Ihnen an. 

Anna Kraft: Gerade in den sozialen Netzwerken kann man natürlich anonym ganz böse Kommentare da lassen, die den Bereich der Gürtellinie deutlich unterschreiten. Für konstruktive Kritik bin ich immer empfänglich, den Rest ignoriere ich. Man muss in diesem Beruf lernen, dass man es nicht allen Leuten Recht machen kann. Das macht ja auch den Reiz dieses Sports aus.

kress.deEin Wort über die zunehmende Radikalisierung der Hardcorefans, wie in Dresden zum Beispiel. Was passiert da, Frau Kraft? 

Anna Kraft: Was da passiert? Schreckliche Dinge passieren da! Trotzdem muss man sich vor Augen halten, dass wir hier über eine absolute Minderheit sprechen. Die überwältigende Mehrheit ist emotional, aber nicht radikal. Das ist ein feiner aber wesentlicher Unterschied. Nichtsdestotrotz muss man sich mit dieser Minderheit auseinandersetzen, vor allem strafrechtlich und auf die selbstreinigenden Kräfte der Kurven setzen und diese fördern.

kress.deDie EM ist ihr erstes großes Turnier – die Vorbereitung ist vermutlich eine Herausforderung, oder? 

Anna Kraft: Erstmal ist es ein Privileg, dabei sein zu können aber Sie haben Recht, die intensive Vorbereitung hat bereits zum Ende der Bundesligasaison begonnen.

kress.deGibt es nach der EM schon weitere Ziele? Schnuppern Sie in andere Bereiche?

Anna Kraft: Ich habe die Dinge bisher immer auf mich zukommen lassen und so werde ich es auch weiterhin handhaben. Generell fühle ich mich im Sport zu Hause. Wenn sich in einem anderen Bereich was Schönes oder Interessantes ergibt, warum nicht. Bislang haben mich die Konzepte aus anderen Bereichen, die ich vorgelegt bekommen habe, aber noch nicht überzeugt.

Mit der ZDF-Sportmoderatorin Anna Kraft sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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