"Münchner Merkur" und "tz": Betriebsräte werfen Geschäftsführung "klaren Rechtsbruch" vor

 

"Mit Bestürzung" haben die Betriebsräte von "Münchner Merkur" und "tz" auf die geplante Zusammenlegung der Lokalredaktionen reagiert. Der Geschäftsführung werfen sie einen "klaren Rechtsbruch" vor.

In einer Presseerklärung hatte Dirk Ippen am Dienstag nach Gesprächen mit Mitarbeitern und Betriebsräten offiziell mitgeteilt, dass die Lokalredaktion München vom "Merkur" zusammengelegt wird mit der Lokalredaktion des Boulevardblatts "tz": "Dadurch soll das lokale Angebot beider Titel nachhaltig weiter verbessert werden", schreibt Ippen in der unter anderem von ihm unterzeichneten Aussendung.

Die Entscheidung sorgt in ganz Medien-Bayern für enorme Unruhe. Als "phantasielos, rückwärtsorientiert und arbeitnehmerfeindlich" hat BJV-Vorsitzender Michael Busch Ippens Entscheidung bezeichnet, für den stellvertretenden DJV-Bundesvorsitzenden Wolfgang Grebenhof ist die Zusammenlegung schlicht "erbärmlich".

Jetzt reagieren erstmals die Betriebsräte von "Münchner Merkur" und "tz". In ihrer Wortwahl sind sie zwar weniger kriegerisch, kritisieren die Entscheidung aber genauso heftig. Die Vorgehensweise der Verlagsleitung hätte die gesetzlichen Beteiligungsrechte der Betriebsräte verletzt, heißt es in einer Presseaussendung: "Die Öffentlichkeit wurde am 07.06.2016 praktisch zeitgleich mit den Betriebsräten informiert, denen damit keine Möglichkeit zur Reaktion gelassen werden sollte. Das stellt sowohl einen klaren Rechtsbruch als auch einen Tabu- und Stilbruch im Umgang zwischen Verlagsleitung und Interessensvertretungen dar. Damit einhergehend werden auch die Rechte der Belegschaften massiv beschnitten", heißt es in der Presseerklärung, die unserer Redaktion vorliegt.

Die beteiligten Betriebsräte wollen sich nun rechtlich beraten lassen und erforderliche Schritte beraten, auch unter Einbindung der Gewerkschaften BJV und dju.

"Wie andere Tageszeitungen sind wir seit einigen Jahren von einem massiven Beilagen- und Anzeigenrückgang betroffen. Mit unserer Neuaufstellung im Lokalen sind wir deutlich stärker aufgestellt für die Zukunft", hieß es am Vormittag aus dem Verlag auf kress.de-Anfrage. Nach neuen kress.de-Infos soll dieser massive Beilagen- und Anzeigenrückgang 40 Prozent bei der gedruckten Zeitung betragen; die Hälfte dieses Rückgangs könne aber bereits wieder durch digitales Neugeschäft aufgefangen werden, heißt es aus Unternehmenskreisen.

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