"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer zu kress.de: "Briten brauchen Europa, wir brauchen Großbritannien"

 

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wird am Samstag erstmals eine Titelgeschichte in Deutsch und Englisch bringen: "Die Briten brauchen Europa, und die übrigen Europäer brauchen Großbritannien. Auch wenn es nicht immer uneingeschränkte Liebe ist, müssen die Briten in der Europäischen Union bleiben", sagt „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer am kress.de-Telefon. Dafür wird auch der Vertrieb in Großbritannien massiv ausgebaut.

Dem möglichen Brexit widmet der "Spiegel" einen umfangreichen redaktionellen Schwerpunkt. Die Briten können am 23. Juni entscheiden, ob sie Teil der Europäischen Union bleiben wollen oder nicht. "Bitte geht nicht!", rufen die "Spiegel"-Macher direkt auf der Titelseite den Briten zu, auf der ein verfremdeter Union Jack zu sehen ist. In der Titelgeschichte zeigt das Nachrichtenmagazin seine ganze Stärke - fast alle Ressorts sind beteiligt, kein anderes Magazin hat das Thema Brexit und seine Folgen so intensiv beschrieben wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe (digitale Version erscheint bereits am Freitag um 18 Uhr).

"Europa ist in einer Identitätskrise"

Warum die ganze Mühe, Herr Brinkbäumer? "Die Briten brauchen Europa, und die übrigen Europäer brauchen Großbritannien. Auch wenn es nicht immer uneingeschränkte Liebe ist, müssen die Briten in der Europäischen Union bleiben", sagt der "Spiegel"-Chefredakteur im Gespräch mit kress.de. Und er betont: "Europa ist in einer Identitätskrise. Wir werden uns in dieser Krise nicht behaupten, wenn wir Europa aufgeben. Nur gemeinsam hat Europa eine Chance, gegenüber China, den USA oder Russland zu bestehen. Und zu Europa gehört zweifellos Großbritannien, meiner Meinung nach kann es in dieser Sache nur diese eine Haltung geben."

Alle Artikel des Themenkomplexes werden sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache erscheinen: "Unsere Ausgabe ist in filigraner Feinarbeit entstanden. Alle Stücke, die sich mit dem Brexit beschäftigen, werden auch ins Englische übersetzt. Links erscheint der deutsche, rechts der englische Beitrag", so "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer. Im Heft gibt es also erstmals zusätzlich 23 Seiten in englischer Sprache.

Die aktuelle Ausgabe erscheint sogar mit zwei verschiedenen Titelseiten - eine speziell für den britischen Markt. Dafür wurde sogar die Druckauflage erhöht und der Preis auf der Insel gesenkt. Kostet der "Spiegel" in London regulär 5,20 Pfund, wird die Ausgabe 24/2016 einmalig für 2 Pfund zu haben sein. 

"Bis zum Schluss an Texten gefeilt"

Brinkbäumer erklärt die Arbeit an dem aktuellen "Spiegel" so: "Das Zentrum für diese Ausgabe haben wir bei unserem London-Korrespondenten Christoph Scheuermann und im Auslandsressort aufgebaut. Bis zum Schluss haben wir an den Texten gefeilt. Der Aufwand war riesig, weil alle Texte doppelt durch Redigatur und Dokumentation gebracht werden mussten."

In der Titelgeschichte beschäftigt sich die Redaktion des Nachrichtenmagazins mit den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geostrategischen Folgen eines Ausscheidens für den gesamten Kontinent. So gibt es Gespräche mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der das Referendum als Weckruf versteht, sowie mit dem Fotografen und Künstler Wolfgang Tillmanns, der die Briten mit einer Plakatkampagne vom Verbleib in der EU überzeugen will. Zudem konnte der "Spiegel" den Historiker Christopher Clark verpflichten, der beschreibt, warum es Großbritannien in der Vergangenheit stets am besten ging, wenn es Europa nicht vergaß.

Der Leitartikel, den "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer und "Spiegel-Online"-Chefredakteur Florian Harms gemeinsam verfasst haben, wird es auch auf "Spiegel Online" und "Spiegel International" geben, wo die ungewöhnliche "Spiegel"-Aktion begleitet wird.

"Wir haben schon zweimal Artikel in einer anderen Sprache veröffentlicht. Bei diesen türkischen Ausgaben war die Arbeit vielleicht noch schwieriger, denn da mussten wir uns externe Unterstützung für die türkischen Berichte holen. Bei den englischen Artikeln war es einfacher, weil wir viele Kollegen haben, die perfekt Englisch sprechen", resümiert Klaus Brinkbäumer am kress.de-Telefon.

Hintergrund "Der Spiegel"

"Der Spiegel" ist das wichtigste Nachrichtenmagazin Deutschland. Die verkaufte Auflage beträgt 793.087 Exemplare (laut IVW, 1/2016). Chefredakteur ist Klaus Brinkbäumer, der auch Herausgeber von "Spiegel Online" (Chefredakteur: Florian Harms) ist. Stellvertretende "Spiegel"-Chefredakteure sind Susanne Beyer, Dirk Kurbjuweit und Alfred Weinziel. Geschäftsführer ist Thomas Hass, Verlagsleiter sind Jesper Doub und Michael Plasse, Prokurist Jan Siegel.

Ihre Kommentare
Kopf

Business Spotlight

11.06.2016
!

Liebe Kollegen vom Spiegel,
danke, dass Sie unser aktuelles Cover noch schöner gemacht haben. Übrigens ist unser Heft noch bis Ende Juni im Handel!
Das Business Spotlight team

And here is our video: https://vimeo.com/165025960


Maja Sirola

11.06.2016
!
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