Die Suchmaschinen der Profis: Wie man sich vor "Bildklau" schützt

15.06.2016
 

Wer Bilder online vermarktet und veröffentlicht – ob als Agentur oder Fotograf – kommt ohne den Einsatz spezieller Suchmaschinen mittlerweile nicht mehr aus, um die Nutzung eigener Bildbestände zu verfolgen. Mit dieser Technik können nicht nur Profis dem ärgerlichen "Bildklau" entgegenwirken.

Große Agenturen wie beispielsweise Getty arbeiten seit langem mit eigenen Suchmaschinen und haben individuelle Modelle wie Picscout entwickelt. Sie durchsuchen in regelmäßigen Abständen das Internet nach Bildern aus den vermarkteten Beständen und nach unlizenzierten Kopien im Netz. Die Suchservices, die zum Teil mit eigenen Anwälten zusammenarbeiten, sind dabei nicht nur für die Agenturen selbst tätig, sondern auch für andere professionelle Bildvermarkter zugängig.

Diese Spezialsuchmaschinen arbeiten mit individuellen Algorithmen; sie überprüfen eine Vielzahl von Faktoren, um die Anzahl der Treffer so zuverlässig wie möglich zu machen. Farb- und Helligkeitswerte, Bildstrukturen, Quellcodes von Seiten, bestimmte Stichworte, landesspezifische Relevanzen von Suchbegriffen und Ortskennzeichnungen gehören zum Standardschema der Webcrawler auf der Suche nach Bildern im Netz.

Auch Hersteller und große Marken setzen die Technik ein

Das automatisierte Tracking, das mittlerweile einige Unternehmen wie z.B. auch Pixray oder Plaghunter anbieten, nutzen nicht nur Fotografen, Bildagenturen wie Mauritius oder action press und Online-Shops zum Aufspüren von Urheberrechtsverletzungen. Auch Hersteller und große Marken überprüfen mit solchen Webcrawlern, wo und in welchem Umfang ihre Produkte im Netz angeboten werden. Die meisten dieser Dienste bieten gestaffelte kostenpflichtige Angebote, deren Preis sich nach der Anzahl der zu trackenden Bilder richtet.

Was auf den ersten Blick ein Angebot für die Profis der Bildbranche ist, nutzt allen, die im Internet Bilder veröffentlichen – auch Bloggern, Fotografieliebhabern und Nutzern von diversen Plattformen wie Instagram, Flickr, 500px.com oder Wordpress. Via intelligenter Schnittstellen lassen sich die auf diesen Fotoplattformen veröffentlichten Bilder in die Suchmaschine des Anbieters importieren und so regelmäßig verfolgen.

Die Auswertungen solcher Suchen sind via Webinterface abrufbar: Sie listen sämtliche Websites auf, die Treffer liefern und bieten weitere umfangreiche Möglichkeiten der Konfiguration. Markieren und sortieren nach unterschiedlichen Aspekten wie Bildklau, DMCA, Nachfragen oder Whitelist-Einträge sind Sache des Nutzers, der per Mausklick die regelmäßigen Reports auch als Liste exportieren und abspeichern kann.

Welche rechtlichen Schritte er einleitet, entscheidet der Nutzer

Sache des Nutzers sind dann allerdings auch meist die weiteren (rechtlichen) Schritte bei unberechtigen Nutzungen von Fotos. Hilfestellung zur Kalkulation von Honoraren bietet Plaghunter allerdings mit dem MFM-Rechner: Die von der Mittelstandsgemeinschaft Fotomarketing jährlich ermittelten Honorarübersichten gehören nicht nur auf den Schreibtisch von Bildnutzern und -anbietern, sondern  zählen auch für Gerichte zu den Bewertungskriterien von finanziellen Forderungen.

Volker Rieck, Entwickler und Inhaber von FDS File Defense Service, setzt mit seinem Suchmaschinenangebot auf zusätzliche Ausschlusskriterien: Per dynamischer, mehrstufiger Whitelist können bestimmte Treffer ausgefiltert werden, um Doppler und verfälschte Suchergebnisse zu minimieren. Fotografen und Agenturen können auf diese Weise z.B. ihre eigenen Websites, Kundenseiten oder Vermarktungsportale mit umfangreichen Bildbeständen komplett aus der Suche ausblenden.

Rechtssicherheit meist nur im EU-Raum

"Russische Wallpaper-Portale sortiert unsere Anwendung automatisch direkt aus", meint Rieck lakonisch – mangels rechtlicher Handhabe und wirksamer Durchsetzung von Zahlungsforderungen beschränkt sich seine Firma auf die Verfolgung von Rechten im europäischen Raum. Ansonsten setzt FDS File Defense Service auf einen geschmeidigen Umgang mit der Problematik "Bildklau": In enger Abstimmung mit den Rechteinhabern wird über ein weiteres Vorgehen entschieden. "Unsere Kunden machen das mit sehr viel Augenmaß", berichtet Volker Rieck. "Bei kleinen Blogs drücken wir in Absprache mit unseren Kunden schon mal ein Auge zu, weisen auf die ungenehmigte Nutzung hin und regen Verlinkung oder die Löschung von Inhalten an."

Bei kommerziellen Nutzungen, auf die sich File Defense Service spezialisiert hat, sieht das anders aus: Von der simplen Rechnungstellung über Abmahnungen bis Schadensersatz kümmern sich Fachanwälte um das weitere Vorgehen, der Suchservice ist prozentual an den Erlösen aus rechtlichen Auseinandersetzungen beteiligt.

Weiterführende Links zu verschiedenen Suchservices:

http://www.picscout.com

http://www.pixray.com

http://www.plaghunter.com

http://www.filedefense.de

http://tineye.com/products

Die jährlich aktualisierten Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Fotomarketing sind zu beziehen unter http://www.bvpa.org – entweder als gedruckte Broschüre oder als App fürs Smartphone.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.