ZDF-Nachrichtenfrau Gundula Gause im kress.de-Interview: "Wir erleben eine Revolution"

 

Gundula Gause ist das Gesicht vom "heute-journal". Seit über 23 Jahren ist die Vollblut-Journalistin aus der deutschen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. In ihrer Geburtsstadt Berlin sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük mit Gundula Gause über den Umgang mit der täglichen Bilderflut, die Frauenquote und Arbeit 4.0.

kress.de: Frau Gause, Sie sind eine der prägenden Köpfe des ZDF-Programms, wenn ich das mal so sagen darf. 

Gundula Gause: Vielen Dank! Die jahrelange Konstanz auf dem gleichen Posten tragen vermutlich dazu bei, dass man mich als manifesten Teil der Fernsehlandschaft wahrnimmt. Ich sehe mich allerdings eher als Teil des wunderbaren Team des "heute-journal" und mache meine Arbeit tatsächlich immer noch sehr gerne. Auch wenn unser Nachrichtengeschäft ja eher schwierige Konstellationen beschreibt – Unglücke, Anschläge, Terrorgefahr, Krisen, Nöte – so dass es einem schon auch nahe geht. 

Wie verarbeitet man all diese Katastrophen und diese rohen Bilder, die die Zuschauerinnen und Zuschauer ja häufig gar nicht erst zu Gesicht bekommen?

Gundula Gause: Wir versuchen, da mit journalistischer Professionalität heranzugehen. Aber natürlich gibt es immer wieder Bilder und auch Geschehnisse, die einem menschlich in den Knochen stecken. Dann finde ich es gut, sich zu informieren und sich alle Aspekte von allen Seiten zu vergegenwärtigen. Darüber hinaus kann man im Rahmen seiner Möglichkeiten mit ein bisschen ehrenamtlichem Engagement versuchen, zum Guten in der Welt beizutragen. 

Was war für Sie in den bisherigen 23 Jahren "heute-journal" besonders spannend?

Gundula Gause: Ich bin seit 1989 beim ZDF und das war die Zeit der Wiedervereinigung. Damals war ich 24 Jahre alt und das war für mich natürlich Wahnsinn. Ein schwerer Einschnitt war 2001, der 11. September. Und seit 2008 die Krise in ihren verschiedenen Ausformungen. 

Wie lebt es sich als Frau in der Welt, in der sich die großen Journalistinnen in der Republik ja eigentlich an einer Hand abzählen lassen?

Gundula Gause: Da muss ich Einspruch erheben. Ich beobachte eigentlich allenthalben Frauenförderung – das ZDF setzt Frauen bewusst auch in Führungspositionen. Und, ganz ehrlich: Marietta Slomka, Petra Gerster, Barbara Hahlweg, Maybrit Illner und Ilka Brecht, die seit zwei Jahren "Frontal 21" moderiert, das ist doch eine stolze Riege! Also ich finde nicht, dass es da ein Ungleichgewicht gibt. 

Und außerhalb des ZDF-Kosmos? 

Gundula Gause: Natürlich sehe ich das Problem – gerade in der Wirtschaft sind Frauen in Führungspositionen nicht zur Genüge repräsentiert. Für mich geht Gleichstellung über mehrere Ebenen: In der privaten Partnerschaft müssen Ehemann und Familie es mittragen, im beruflichen Miteinander um das Einverständnis mit den Vorgesetzten und darum, dass männliche Kollegen sich eine Auszeit nehmen, um für die Kinder da zu sein. Und auf politischer Ebene muss insgesamt für eine größere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesorgt werden, durch hochqualitative Betreuungseinrichtungen zum Beispiel. Es gibt da natürlich ein Problem zwischen Anspruch und Wirklichkeit, aber ich denke, wenn wir alle weiter uns bemühen, sollte das klappen.

Würden Sie jüngeren Leuten heute noch empfehlen, in die Medien zu gehen? 

Gundula Gause: Auf jeden Fall! Die Digitalisierung greift ja in alle Lebens- und Arbeitsbereiche hinein, unser Leben wird im Moment völlig umgekrempelt – vom Einkaufen über die Kommunikation bis hin zum Arbeiten, Arbeit 4.0. Gerade der Journalismus verändert durch die Digitalisierung extrem. Das ist ein Riesenprozess, von dem wir Teil sein dürfen. Wir erleben eine Revolution, ist doch super spannend! 

Was entgegnen Sie Menschen, die auf die Straße gehen und "Lügenpresse!" rufen? 

Gundula Gause: Erstmal nehmen wir das zur Kenntnis. Aber ich empfinde es ehrlich gesagt als nicht gerechtfertigt. Bei uns ist es so, dass wir uns sehr mit dem auseinandersetzen, worüber wir berichten. In der Redaktion haben wir den Anspruch, immer die zwei Seiten der Medaille zu zeigen. Und wir versuchen wirklich, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Das hat ja zum Beispiel unsere Potsdamer Korrespondentin Britta Hilpert gemacht, die in Cottbus angegriffen wurde. Unsere Dunja Hayali hat das bekanntermaßen auch versucht. Unsere Hand ist ausgestreckt und wir bemühen uns, keinen Anlass zu geben, uns "Lügenpresse" zu schelten. 

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