Bauer-Konzerngeschäftsleiter Jörg Hausendorf zum Aus von "People": "Die Entwicklungsperspektive fehlt"

 

Die Bauer Media Group stellt die deutsche Ausgabe von "People" ein. Die letzte Ausgabe erscheint am 23. Juni. Chefredakteur Tom Junkersdorf verlässt den Verlag auf eigenen Wunsch. Am kress.de-Telefon hat Konzerngeschäftsleiter Jörg Hausendorf das Aus erklärt.

Mit großen Hoffnungen hatte die Bauer Media Group im März 2015 "People" in Lizenz gestartet. Das Thema Hollywood und US-Stars sollte von Hamburg aus die Leserinnen begeistern. Doch der Erfolg im Leser- und Werbemarkt blieb am Ende aus. Von der Einstellung der deutschen Ausgabe sind nach kress.de-Infos etwa 30 Mitarbeiter betroffen, davon die Hälfte mit Zeitverträgen. Einigen sollen neue Stellen im Haus angeboten werden.

"Als wir vor etwa drei Jahren entschieden haben, "People" nach Deutschland zu bringen, haben wir natürlich an den Erfolg geglaubt. "People" ist eine großartige Marke, steht aber vor allem für persönliche, positive Geschichten. Das kommt am Markt aber leider nicht an Leser wollen heute investigative, hintergründige Storys wie bei "Intouch" oder "Closer", sagt Konzerngeschäftsleiter Jörg Hausendorf am kress.de-Telefon.

Aber dafür würde es auf dem Markt schon Magazine geben: "Wir haben uns für "People" entschieden, weil wir am Markt mit internationalen, exklusiven Stücken punkten wollten. Aber wenn wir jetzt das Konzept massiv ändern, wie andere auch vor allem Stücke mit deutschen Stars machen oder auch verstärkt auf das Thema Adel setzen, um Hefte zu verkaufen, werden wir austauschbar", so Hausendorf. Er erklärt im Gespräch mit kress.de: "Wir haben festgestellt, dass deutsche Stars für die Leser bei uns wichtiger sind als internationale Stars. Deutsche Stars sind verkaufsrelevanter. Schauen Sie, wir hatten eine großartige Ausgabe zur Oscar-Verleihung. Mehr Exemplare haben wir aber dadurch nicht verkauft."

Hausendorf spricht offen: "In "People" haben wir einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Die Auflage entwickelt sich gut, wir verkaufen 120.000 Exemplare, sind jetzt IVW-geprüft, etwa die Hälfte im Einzelverkauf und im Abo. Wir haben aber geschaut, wie sieht es in drei, vier, fünf Jahren aus. Und da sehen wir leider kein Wachstum. Wir hätten die Wirtschaftlichkeit nicht erreicht", bedauert Jörg Hausendorf.

Der Markt habe sich massiv geändert: "Natürlich hat das auch mit der Digitalisierung zu tun, wenn sie wissen wollen, was in Hollywood passiert, schauen sie direkt auf die sozialen Netzwerke. Celebrities wollen sich heute selbst inszenieren."

Konzerngeschäftsleiter Hausendorf macht am kress.de-Telefon deutlich, dass das Aus für "People" im Verlag einen "Freiraum für neue Ideen" schaffen soll: "Natürlich werden wir auch weiter in neue Magazine investieren. Wir arbeiten beständig an neuen Konzepten, fünf, sechs realistische Projekte aus verschiedenen Bereichen, an denen wir aktiv arbeiten. Einige sind schon in der Marktforschung. Da sind wir wie Markenartikeler, wir wollen innovativ bleiben und uns ständig entwickeln." Hausendorf glaubt, dass die Bauer Media Group in Deutschland im Vermarktungsbereich noch wachsen kann - "im Vertrieb eher nicht".

Mit dem Aus für "People" verlässt auch der viele Jahre von Erfolg verwöhnte Top-Journalist Tom Junkersdorf den Hamburger Verlag. Hausendorf ist überzeugt: "Tom Junkersdorf wird bestimmt nicht das letzte Mal für Bauer gearbeitet haben." Junkersdorf kam im August 2005 zu Bauer, verantwortete erst äußerst erfolgreich "Bravo" in München, war dann Chefredakteur mit besonderen Aufgaben und Gründungs-Chefredakteur von "Closer", bevor er "People" in Deutschland auf die Startbahn brachte. 

In einem seiner seltenen Interviews hatte Top-Journalist Junkersdorf noch im April mit kress.de über die Veränderungen beim redaktionellen Konzept bei "People" gesprochen: "Internationale Stars funktionieren auf deutschen Covern nur bedingt, das ist richtig. Aber das Ziel von People Germany war es immer, eigene Storys zu machen. Jetzt haben wir unseren Weg gefunden. Wir haben im ersten Jahr schon viele exklusive News gebreakt, ob es nun die heimliche Liebe von Kino-Superstar Elyas M'Barek ist oder die Zwangspause, die Til Schweiger seiner 13-Jährigen Tochter Emma nach den vielen erfolgreichen Blockbustern verordnet hat. Wenn es im Leben der Stars Live-Changing-Moments gibt, sind wir dabei. Die Stars lieben "People", sie wissen, dass sie uns vertrauen können. Aber ob nun Hollywood oder Hamburg: Am Ende entscheidet die Leserin, was sie interessiert."

Erst am Donnerstag hatte der Hamburger Großverlag Gruner + Jahr verschämt mitgeteilt, dass es sein wöchentliches Magazin "frei" einstellt. Aus Unternehmenskreisen war bei "frei" vor allem der nicht richtig funktionierende Vertrieb massiv kritisiert worden. Gruner + Jahr wollte sich auf Anfrage von kress.de nicht zum Ende von "frei" äußern.

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