Nach nicht einmal zwölf Monaten: "Donaukurier"-Verleger Georg Schäff trennt sich von Chefredakteur Claus Liesegang

 

Unruhe beim "Donaukurier": Verleger Georg Schäff will sich nach kress.de-Infos von seinem Chefredakteur Claus Liesegang trennen. Liesegang hatte die Chefredaktion der Ingolstädter Zeitung erst im August 2015 offiziell übernommen.

"Claus Liesegang, Leiter Anzeigenblätter und Zielgruppenmedien bei der Verlagsgruppe Rhein Main, Mainz, wechselt als neuer Chefredakteur zum Donaukurier (DK), Ingolstadt. Dies teilten übereinstimmend DK-Verleger Georg Schäff und Hans Georg Schnücker, Sprecher der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Rhein Main (VRM), mit", hieß es am 20. April 2015 offiziell in einer Presseaussendung.

Wie kress.de jetzt erfuhr, plant der Verlag in Oberbayern zukünftig ohne den erfahrenen Blattmacher, der in der Redaktion einen exzellenten Leumund genießt. Weder Verleger Schäff noch Chefredakteur Liesegang waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Nach unseren Infos war es eine schnöde Mitteilung im Intranet der Traditionszeitung vergangene Woche, in der Verleger Schäff und seine Geschäftsführerin Lydia Nißl über die Trennung informierten. "Nach reiflicher Überlegung" ist dort zu lesen, und zudem wird betont, dass die "journalistische Qualität" vom "Donaukurier" bewahrt werden solle. Liesegang werde das Haus zum 31. Dezember 2016 verlassen, heißt es in der internen Mitteilung.

Einen echten Grund kann keiner unserer Gesprächspartner nennen, warum sich der Verleger von seinem Chefredakteur trennen will.

Schäff soll, so wird gemutmaßt, direkten Zugriff auf die Redaktion wollen, dies sei einfacher, wenn ihm als Verleger kein Chefredakteur im Weg stehe. Der Herausgeber gilt als streitlustiger Erbe, der sich nicht gerne in Schubladen stecken lässt. In den vergangenen Jahren hat sich der Kunstliebhaber von mehreren Chefredakteuren getrennt, oft in einer für die Öffentlichkeit überhasteten und wenig rationalen Entscheidung. So führt Gerd Schneider, direkter Vorgänger von Claus Liesegang als Chefredakteur vom "Donaukurier", heute erfolgreich die "Esslinger Zeitung".

Und nur so viel noch zur Familientradition: Georg Schäff ist Enkel des legendären Verlegers Wilhelm Reissmüller, vor dem sogar der heutige bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer nur in gebückter Haltung vortreten konnte, wenn Seehofer den Verleger in dessen Residenz aufsuchte. Was die "Rheinpfalz" für Helmut Kohl, ist der "Donaukurier" für Horst Seehofer - das Heimatblatt.

Hintergrund "Donaukurier"

Der "Donaukurier" erscheint in einer verkauften Auflage von 86.673 Exemplaren (laut IVW 1/2016). Herausgeber ist Georg Schäff, Chefredakteur Claus Liesegang, der stellvertretende Chefredakteur ist Stefan König. Geschäftsführer sind Georg Schäff und Lydia Nißl, Verlagsleiter Hermann Fetsch, die Anzeigenleitung verantwortet Thomas Bauer. Leitender Redakteur Digital ist Tom Webel.

Ihre Kommentare
Kopf

Ulrich Schulze

20.06.2016
!

pardon: zweimal hat mich das System herausgeschmissen.
Es sieht so aus, als würden die Verleger der Regionalzeitungen ihre Blätter selbst zermalmen, in dem sie offenbar den Einflüsterungen der Provinzfürsten wie Seehofer erliegen.


Hans-Peter Bouda

20.06.2016
!

Bitte bei H.Seehofer noch hinzufügen: mit beiden Händen an der Hosennaht, Kopf gesenkt und in devoter Haltung, steht er vor seinem Herrn und Meister.


Günther Rehm

20.06.2016
!

"... gilt als streitlustiger Erbe ..." Schön formuliert. Und ich würd sogar lachen, wenn's nicht zum Heulen wäre, wie der Schäff-Chef versucht, seinen Großvater zu übertrumpfen. Ein Trauerspiel.


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