Kritik an Zeitungsverlegern: Wäre das Aus der ABZV zu verhindern gewesen?

 

Die deutschen Zeitungsverleger schließen eine Institution. Rund 20.000 Redakteure und Volontäre haben die "Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage e.V." (ABZV) besucht. Nun ist nach 27 Jahren Schluss. Das Berufsbildungswerk muss seinen Geschäftsbetrieb zum 30. September einstellen. Das haben der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und die elf Landesverbände auf einer Mitgliederversammlung beschlossen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes hat zu der Entscheidung geführt.

Der BGH hatte vor etwas mehr als zwei Monaten entschieden, dass die Reprograhie-Abgaben der VG Wort und der VG Bild-Kunst nicht mehr an Verlage ausgezahlt werden dürfen. Damit endete eine seit 1958 gängige Praxis, die für die Verlagsbranche allgemein zu einem nicht unwesentlichen Teil der Finanzierung beitrug und nun viele Häuser in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen wird. Der BDZV fürchtet nun auch Rückzahlungsforderungen für die Jahre 2012 und 2013, wie Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff kress.de sagte.

EU-Richtlinie als Sargnagel für die ABZV

Die Verleger hatten die Gelder für Zwecke der journalistischen Ausbildung" zu verwenden. Für den BGH widerspricht diese Unterstützung europäischem Recht. Denn in einer EU-Richtlinie von 2001 zu dieser Thematik fehlte das Wort "Verleger". Beobachter glaubten, es sei schlicht vergessen worden, aber bei juristischen Entscheidungen zählt jeder Buchstabe des Gesetzes. Letztlich bedeutet diese Brüsseler Direktive das Ende der journalistischen Aus- und Weiterbildung über die Zeitungsverlage in Deutschland.

Die Summen, die die VG Wort - das sind die Bärenanteile dabei, während die Gelder der VG Bild-Kunst eher vernachlässigbar sind - an die Verleger ausschüttete, schwankten seit 2009 zwischen 1,5 und 2,6 Millionen Euro. Das geht aus deren Geschäftsberichten hervor. "Wegen der Rechtsunsicherheit hat der BDZV die Mittel in 2014 und 2015 schon gar nicht mehr angenommen", erklärt Wolff. Seitdem habe die Akademie nur über die gebildeten Rücklagen finanziert werden können. "Die sind nun aufgebraucht." Der Verband sei an einem Punkt angelangt, "wo wir blank sind und zusätzlich vor Rückforderungen stehen". Die VG Wort werde sich bei ihren Ansprüchen an den BDZV halten.

ABZV stand und fiel mit Repro-Abgaben

Dieser hatte sich die Repro-Abgaben mit den Landesverbänden und dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) teilen müssen. Der Jahresetat der ABZV war schwankend, habe aber durchschnittlich bei rund einer halben Million Euro gelegen, so Wolff. Er betonte, dass die Akademie einst überhaupt nur wegen der VG-Wort- Mittel "errichtet worden" sei. Soll heißen: Ein Ende nach dem Auslaufen dieser Gelder sei genauso logisch.

Drei festangestellte Mitarbeiterinnen - neben Geschäftsführerin Beate Füth noch zwei Assistentinnen - stehen nun vor dem Gang in die Arbeitslosigkeit. Dem Vernehmen nach greift die ABZV auf einen Stamm von 40 bis 50 Referenten für ihre Kurse zurück. Eine große Zahl der Dozenten hat nun mit erheblichen Umsatzeinbußen zu kämpfen, weil die ABZV ihre Hauptkundin gewesen ist.

Gewerkschafter bezweifeln Ausbildungswillen des BDZV

Kritiker fragen, wie die Zeitungsverleger die an die Ausbildung gebundenen siebenstelligen Beträge der Verwertungsgesellschaften verwendet haben. Wolff zu kress.de: "Das war ein reiner Durchgangsposten, den wir an die ABZV und die Landesverbände weitergeleitet haben." Der Anteil des Berufsbildungswerkes habe dabei unter 50 Prozent gelegen. Ein Weiterführen ohne diese Gelder sei nicht möglich: "Es gibt keine journalistische Ausbildung in Deutschland, die ohne Zuschüsse möglich wäre."

Gewerkschafter meinen dagegen, das Todesurteil für die Akademie sei ein Symbol dafür, wie wenig wichtig den Verlegern die journalistische Aus- und Weiterbildung sei.

Ihre Kommentare
Kopf

gast

30.06.2016
!

Komischer Artikel. Ich dachte, die Verlage haetten einen Teil der VG Wort Ausschuettungen erhalten, nicht der BDZV. Wiesosich der BDZV Rueckforderungen ausgesetzt sieht, verstehe ich nicht.
Natuerlich ist den Verlegern zu raten, ihre Angestellten weiterzubilden, so wie es alle vernuenftigen Arbeitgeber tun, denn Wissen veraltet oder geht verschuett. Ob sie das ueber diese Institution machen oder anders, bleibt ihnen ueberlassen


2. gast

30.06.2016
!

Ja, das ist in etwa so, wie wenn Elternvereine die Studiengebühren ihrer Kinder aus Geldern finanziert hätten, von denen gerichtlich festgestellt wurde, dass sie ihnen gar nicht zustanden, zum Beispiel weil sie zu viel Miete bezogen haben. Dann dürfen die Kinder eben nicht mehr studieren.
Es geht auch nicht um ein vergessenes Wort, sondern um Urheberschaft oder nicht. Alle sahen das Urteil seit Jahren kommen und die Verlage haben längst durch ausgleichende Maßnahmen darauf reagiert.


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