"Bravo"-Geschäftsführer Marc de Laporte: Warum Dr. Sommer jetzt auch Eltern berät

 

Es gibt Zeiten, da nerven die eigenen Eltern fürchterlich. Und es gibt Dr. Sommer von der "Bravo", der jetzt im neuen Magazin "Bravo Eltern Dr. Sommer" dabei helfen soll, dass Mütter und Väter ihre Töchter und Söhne besser verstehen. Im Interview mit kress.de erklärt "Bravo"-Geschäftsführer Marc de Laporte, warum das Magazin jetzt auch Eltern beraten will, wie sich Bauers Jugendmarken ständig weiterentwickeln, warum Dr. Sommer immer mehr Platz eingeräumt bekommt und ob sich das Musikgeschäft mit "Bravo Hits" wirklich noch lohnt (ja, es lohnt sich).

kress.de: Ausgerechnet "Bravo", das Sturmgeschütz der Jugendlichen, richtet sich mit einem neuen Magazin an die Eltern. Warum geht das heute?

Marc de Laporte: "Bravo" bzw. Dr. Sommer hat Generationen von Lesern aufgeklärt. Beide Marken sind fest im Bewusstsein der Gesellschaft - also auch der heutigen Eltern-Generation - verankert und vor allem positiv belegt. Die Beratungskompetenz von Dr. Sommer steht generationenübergreifend außer Frage.

Können denn Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder überhaupt verstehen, ohne als Moralapostel aufzutreten?

Marc de Laporte: Mit Dr. Sommer schon - die Marke wird von den Jugendlichen als vertrauensvoll und glaubwürdig wahrgenommen. Zudem haben wir in den vergangenen Jahren immer mehr festgestellt, dass bei Eltern die Offenheit im Hinblick auf Fragen zur sexuellen Entwicklung ihrer Kinder zugenommen hat. Gleichzeitig ist aber auch der Bedarf an Informationen zum Umgang mit den vielen körperlichen und emotionalen Veränderungen rasant gestiegen. Ein Beleg hierfür ist beispielsweise der durchschlagende Erfolg des Aufklärungs-Bestsellers "Make love", an dem übrigens auch die Dr. Sommer-Autorin Tina Bremer-Olszewski mitgewirkt hat.

Apropos Dr. Sommer-Autorin: Gibt es Dr. Sommer noch immer? Ich dachte, mit dem Ausscheiden von Jutta Stiehler habe Frau Dr. Sommer die "Bravo" verlassen?

Marc de Laporte: Das Dr. Sommer Team gibt es natürlich noch immer. In der Berichterstattung werden Tatsachen leider verdreht. Wichtig ist uns zu sagen: Die Dr. Sommer-Rubrik wurde schon immer von einem Team betreut. Schon Dr. Martin Goldstein, dessen Pseudonym der Dr. Sommer-Rubrik ihren Namen gab, beantwortete gemeinsam mit Kollegen Leserfragen. 1988 wurde das Team zum ersten Mal mit Foto gezeigt, vorher blieben die Berater anonym. Durch die "Bravo-TV"-Auftritte wurde Margit Tetz stellvertretend für das Dr. Sommer-Team zu einem prominenten Gesicht, an das sich heute noch viele erinnern. Jutta Stiehler war neben vielen anderen 16 Jahre lang Mitglied des Teams und hat es drei Jahre geleitet.

Wer steht heute für Dr. Sommer?

Marc de Laporte: Die für das Dr. Sommer Special verantwortliche Beraterin Sabine Kadolph ist seit 25 Jahren dabei. Zum Team Dr. Sommer gehören neben Frau Kadolph die Diplom-Pädagogin Marthe Kniep, der Diplom-Sozialpädagoge Klaus Mauder sowie die Autorin Tina Bremer-Olszewski.

Mir kommt es so vor, als ob Dr. Sommer immer mehr Platz einnimmt in der "Bravo".

Marc de Laporte: Aus Copytests wissen wir, dass Dr. Sommer die beliebteste Heft-Rubrik in "Bravo" ist. Deshalb haben wir die Rubrik in den vergangenen Jahren ausgebaut und das Branding auch auf das Schwesterblatt "Bravo Girl!" übertragen. Insofern besteht nicht die Gefahr negativer Abstrahleffekte auf "Bravo", wenn das Dr. Sommer-Special von den Eltern für gut befunden und an den Nachwuchs weitergegeben wird. Tatsächlich wird bereits heute jede zweite "Bravo" von einem Elternteil gekauft.

Warum benötigen Eltern Nachhilfe in Sachen Pubertät?

Marc de Laporte: Die Pubertät birgt damals wie heute ein hohes Konfliktpotential für die Familie. Viele Eltern erkennen ihre Kinder während dieser Zeit nicht wieder, wollen ihren Nachwuchs aber verstehen und - auch aus Eigennutz heraus - unterstützen. Hier setzen wir an: "Bravo" war und ist ein Orientierungsmedium. Das Dr. Sommer-Special ist als klassischer Ratgeber für Eltern und Jugendliche konzipiert, der auch für ein besseres Verständnis zwischen beiden Seiten sorgen soll. Konsequenterweise nimmt das Kapitel "Im Rausch der Gefühle" den größten Platz im Heft ein.

"Bravo" feiert 2016 sein 60-jähriges Bestehen. Wo steht die "Bravo" heute?

Marc de Laporte: Die "Bravo" von früher hat mit der "Bravo" von heute fast nichts mehr zu tun. Mit jeder Lesergeneration erfinden wir unser Magazin neu. Dies war gerade mit Blick auf den digitalen Medienwandel in den vergangenen Jahren eine große Herausforderung, die wir aber gemeistert haben. Ein Erfolgsfaktor war das neue Produktkonzept - seit Anfang 2015 erscheint "Bravo" als Premium-Printprodukt mit erhöhtem Basis-Heftumfang und einem festen Umschlag sowie mit 14-täglicher Frequenz. Noch wesentlicher war jedoch der Umbau des Heftes nach dem Markenverständnis des "Social Magazine".

Was bedeutet "Social Magazine" im Fall der "Bravo" genau?

Marc de Laporte: Wir haben verschiedene interaktive Social Media-Mechaniken ins Heft integriert, um die Marke konsequent mit der Zielgruppe zu vernetzen und die Leser so enger ans Heft zu binden. Zudem haben wir die klassische Star-Berichterstattung zugunsten lebensnaher, orientierungsstiftender Beitragsformen und Rubriken zurückgefahren, um einen USP gegenüber dem Internet zu bieten. Konsequenterweise ist "Bravo" heute viel mehr als Print, und die Sichtbarkeit der Marke geht auch weit über die Zeitschrift und den Onlineauftritt hinaus. "Bravo" ist auf allen relevanten Social Media-Plattformen und Apps präsent und besitzt hier die mit Abstand breiteste Followership aller deutschen Printmedien-Marken.

Und für die Arbeit in der Redaktion?

Marc de Laporte: Die Redaktion braucht eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Kollegen. Unsere Mitarbeiter sind zwischen 19 bis 50 Jahren alt. Das kommt ganz auf die Position an - wir haben keine 19-jährige Chefin vom Dienst. Das ist auch nicht erforderlich, denn ein wesentlicher Vorteil des Social Magazine ist es, dass die Redakteure durch die verschiedenen Social Media-Kanäle direkte Feedbacks erhalten. Sie wissen praktisch in Echtzeit, was in der Zielgruppe abgeht. Ich bin mir sogar sicher: So dicht wie heute war "Bravo" noch nie an der Zielgruppe dran. Vielfach teilen unsere Redakteure auch die Interessen der Jugendlichen und halten über die "Bravo"-Accounts den Kontakt zur Zielgruppe - via WhatsApp, Instagram, Snapchat, Musical.ly und Co. Die Redakteure arbeiten nicht nur für "Bravo", sie leben "Bravo". Sie sind gern an den Orten, von denen sie für die Leser, Fans und Follower berichten, snappen, tweeten, posten etc. Das ist keine Arbeit, sondern Vergnügen. Sie sind Teil der Community. "Bravo" ist Lebensphilosophie - man muss schon Lust haben, nachts um halb drei freiwillig die Snaps und Posts von Youtubern zu teilen.

Sie haben in den vergangen Jahren die "Bravo"-Familie massiv erweitert. Was steckt hinter dem Konzept?

Marc de Laporte: Aktuell erscheinen in der "Bravo"-Family mit den Hauptobjekten "Bravo", "Bravo Girl!" und "Bravo" Sport inklusive der Sonderhefte pro Jahr 75 Ausgaben mit einer Verkaufsauflage von über 7 Mio. Exemplaren. Special Interest-Sonderpublikationen, in denen massentaugliche Trends aufgegriffen werden, haben eine lange Tradition bei "Bravo". Einige Hefte zeichnen sich sogar durch erstaunlich lange Lebenszyklen aus, wie beispielsweise "Bravo" Screenfun oder "Bravo" HipHop Special. Aktuell haben wir mit "Bravo" TubeStars erfolgreich ein vierteljährlich erscheinendes Special im Markt platziert, das sich auf deutsche YouTuber als integralen Bestandteil des jugendlichen Star-Kosmos fokussiert und mit ausschließlich exklusiv produziertem Material neue Leser an die Marke und das Heft heranführt.

Vor kurzem habe ich im Supermarkt eine aktuelle "Bravo" Hits in den Händen gehalten. Lohnt sich das Musikgeschäft tatsächlich noch?

Marc de Laporte: "Bravo" Hits ist die erfolgreichste Hit-Compilation im deutschsprachigen Raum. Die Serie gibt es seit 1992 - der Haupt-Sampler erscheinen 4-mal pro Jahr. Am Jahresende gibt es zudem die "Bravo" The Hits mit aktuellen Chartbreakern und den besten Tracks des jeweiligen Jahres. "Bravo" Hits Vol. 94 erscheint übrigens am 22. Juli. Die fünf Haupt-Releases der "Bravo" Hits belegen regelmäßig die ersten fünf Plätze der Jahres Compilation-Charts. Die erfolgreichste "Bravo" Hits verkaufte Mitte der 90er Jahre knapp zwei Millionen Einheiten. Verkäufe dieser astronomischen Größenordnung werden heute natürlich nicht mehr erzielt - einen Grund, Trübsal zu blasen, gibt es aber nicht: Alle unsere Releases erreichen nach wie vor verlässlich Platin-Status, was nicht nur uns, sondern auch die Musikindustrie freut.

Die Fragen an Marc de Laporte, seit Mai 2013 Verlagsgeschäftsführer Bauer München Redaktions KG, stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Ihre Kommentare
Kopf

ja

03.08.2016
!

Ich finde es traurig, wie sich die Bravo zurückentwickelt hat. Auf dem Flohmarkt habe ich gesehen, dass die früher nackte 16- bis 20-Jährige gezeigt haben, mit denen man sich vergleichen konnte, um zu sehen, dass mit einem alles normal ist. Ich fand die Idee sehr gut. Jetzt zeigen die nur noch Erwachsene. Weil Dr. Sommer nicht mehr auf meine Mails reagiert, habe ich eine Unterschriftenaktion unter Change.org gestartet, Suchwort "Sexualaufklärung", damit die Bravo die Grenze wieder auf 16 setzt.


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