Meistzitierte Medien im ersten Halbjahr 2016: "Rheinische Post" großer Gewinner, "Spiegel" knapp vor "Bild"

 

Mit der "Rheinischen Post" (Chefredakteur: Michael Bröcker, Foto) ist eine Regionalzeitung der große Gewinner im Media-Tenor-Zitate-Ranking im ersten Halbjahr 2016. Die Düsseldorfer haben im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr nicht nur die meisten Zitate hinzugewonnen, sie haben auch im Gesamtranking viele Plätze gut gemacht und sind von Platz 24 auf Platz 9 vorgerückt. "Der Spiegel" bleibt in einem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen vor der "Bild"-Zeitung meistzitiertes Medium.

"Mit der Rheinische Post zeigt endlich eine Regionalzeitung, dass Sparmaßnahmen nicht an der Qualität der Inhalte rütteln dürfen", meint Roland Schatz, Gründer und CEO von Media Tenor International. "Die RP ist inzwischen für die überregionalen Titel zum ernst zunehmenden Wettbewerber geworden, weil sie in erster Linie mit überregionalen, bundespolitischen Themen zitiert wird. Zu wenig nutzt die Düsseldorfer Redaktion allerdings noch ihr Potenzial am Standort der NRW-Landeshauptstadt", kritisiert Schatz.

Auch Regionalzeitungen wie die "RP" würden den Markt am Sonntag inzwischen mitbesitzen. Gestärkt gehen im ersten Halbjahr neben der "Rheinischen Post" vor allem die Sonntagszeitungen mit ihrer Berichterstattung aus dem Zitate-Ranking hervor, allen voran die "Bild am Sonntag". Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" macht gegenüber dem Vorjahreszeitraum immerhin fünf Plätze gut. "Der Erfolg der Sonntagszeitungen ist ein deutliches Signal, dass die Sorgfalt und Tiefe der Berichterstattung inzwischen das entscheidende Qualitätsmerkmal eines Printmediums sind und nicht die Aktualität und das Wetteifern um Nachrichten wie die, ob Bundespräsident Gauck nun noch eine Amtszeit dranhängt oder nicht", sagt Schatz: "Hier ist das Netz ohnehin schneller."

Ein identifizierbares Qualitätsmerkmal sei etwa die Themenführerschaft. So hat sich die "Süddeutsche Zeitung" mit der Berichterstattung zu den Panama Papers an die Spitze der meistzitierten Medien beim Thema Innere Sicherheit/Kriminalität katapultiert, das jahrelang vom Spiegel besetzt war. Die "Bild"-Gruppe bleibt in der Flüchtlings- und Asyldebatte der Agenda Setter Nr. Eins und die Financial Times behauptet die Spitzenposition bei Informationen zur Bankenbranche, während das Wall Street Journal hier deutlich an Einfluss verliert. "Es kommt mehr und mehr darauf an, sich von den Wettbewerbern zu unterscheiden und ein klares eigenes Profil für bestimmte Themen und Branchen zu entwickeln", verweist Schatz auf die Langfristtrends der Analysen.

Die Top 20 der meistzitierten Medien in den ersten sechs Monaten 2016:

1. "Der Spiegel" ((Chefredakteur: Klaus Brinkbäumer; Stellvertretende Chefredakteure: Susanne Beyer, Dirk Kurbjuweit, Alfred Weinzierl). 647 Zitate.

2. "Bild"-Zeitung (Herausgeber: Kai Diekmann; Chefredakteurin Print: Tanit Koch; Chefredakteur Digital: Julian Reichelt). 633 Zitate.

3. "Süddeutsche Zeitung" (Herausgeber: Johannes Friedmann, Albert Esslinger-Kiefer, Thomas Schaub, Christoph Schwingenstein; Chefredakteure: Kurt Kister, Wolfgang Krach; Mitglied der Chefredaktion, Innenpolitik: Heribert Prantl; Mitglied der Chefredaktion, Digitale Projekte: Stefan Plöchinger). 469 Zitate.

4. "Bild am Sonntag" (Herausgeber: Kai Diekmann; Chefredakteurin: Marion Horn; Stellvertretender Chefredakteur: Tom Drechsler). 448 Zitate.

5. "Welt am Sonntag" (Herausgeber und Chefredakteur: Stefan Aust; Stellvertreter des Chefredakteurs: Ulf Poschardt, Arne Teetz; Stellvertretende Chefredakteure: Beat Balzli, Oliver Michalsky). 278 Zitate.

6. "Die Welt" (Herausgeber und Chefredakteur: Stefan Aust; Stellvertreter des Chefredakteurs: Ulf Poschardt, Arne Teetz; Stellvertretende Chefredakteure: Beat Balzli, Oliver Michalsky). 274 Zitate.

7. "Handelsblatt" (Verleger: Dieter von Holtzbrinck; Herausgeber: Gabor Steingart; Chefredakteur: Sven Afhüppe; Stellvertretende Chefredakteure: Peter Brors, Thomas Tuma). 268 Zitate.

8. "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Holger Steltzner). 251 Zitate.

9. "Rheinische Post" (Herausgeber: Karl Hans Arnold, Man­fred Droste, Flo­rian Merz-Betz, Irene Wen­de­roth-Alt;  Ehren-Herausgeberin: Esther Betz; Chefredakteur: Michael Bröcker; Stellvertretende Chefredakteure: Horst Thoren, Stefan Weigel). 210 Zitate.

10. "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Holger Steltzner). 208 Zitate.

11. "New York Times" (Chefredakteur: Dean Baquet). 206 Zitate.

12. "Der Tagesspiegel" (Verleger: Dieter von Holtzbrinck; Herausgeber: Giovanni di Lorenzo, Sebastian Turner; Chefredakteure: Stephan-Andreas Casdorff, Lorenz Maroldt; Stellvertretender Chefredakteur: Arno Makowsky). 194 Zitate.

13. WDR (Chefredakteurin: Sonia Mikich). 164 Zitate.

14. "Spiegel Online" (Herausgeber: Klaus Brinckbäumer; Chefredakteur: Florian Harms; Stellvertretende Chefredakteurin: Barbara Hans; Mitglieder der Chefredaktion: Roland Melles, Matthias Streitz, Jörn Sucher. 163 Zitate.

15. "Financial Times" (Chefredakteur: Lionel Barber). 160 Zitate.

16. ARD (Chefredakteur: Rainald Becker). 159 Zitate.

17. NDR (Chefredakteur: Andreas Cichowicz). 158 Zitate.

18. "Die Zeit" (Chefredakteur: Giovanni di Lorenzo; Stellvertretende Chefredakteure: Moritz Müller-Wirth, Sabine Rückert, Bernd Ulrich). 144 Zitate.

18. "Wall Street Journal" (Chefredakteur: Gerard Baker). 144 Zitate.

20. Redaktionsnetzwerk Deutschland (Chefredakteur: Matthias Koch; Mitglieder der Chefredaktion: Rüdiger Ditz, Marco Fenske). 142 Zitate.

kress.de-Übersicht: Meistzitierten Medien zu unterschiedlichen Branchen

E-Technik/IT

1. "Wall Street Journal"

Einordnung Roland Schatz: Das "Wall Street Journal" war zur IT-Branche lange uneingeschränkt das Medium Nr. 1 für exklusive Geschichten und Interviews. Vor allem die "Financial Times" hat sich aufgemacht, den amerikanischen Medienmarken das Feld nicht alleine zu überlassen.

Automobil

1. "Der Spiegel"

Einordnung Roland Schatz: "Der Spiegel" hat bei vielen Themen und Branchen an Bedeutung verloren - zum Automobilsektor bleibt die Redaktion aber die Nummer 1 im Zitate-Ranking. Das "Handelsblatt" verliert hier etwas an Einfluss.

Banken

1. "Financial Times"

Einordnung Roland Schatz: Während die "Financial Times" die Spitzenposition behauptet, hat sich das "Wall Street Journal" 2016 bislang deutlich seltener mit Informationen zur Bankenbranche hervorgetan als noch im Vorjahr. Neben dem "Handelsblatt" macht auch die "Süddeutsche Zeitung" intensiv von sich reden.

Parteien/Parteipolitik

1. "Der Spiegel"

Einordnung Roland Schatz: "Erstaunlich kampflos überlassen die anderen deutschen Medien das Feld der Parteipolitik den Redaktionen von "Spiegel" und "Bild". Das Redaktionsnetzwerk der Madsack-Gruppe bringt sich inzwischen häufiger ins Gespräch zum Parteienstreit."

Internationale Konflikte

1. Bild

Einordnung Roland Schatz: "Zu Konfliktherden dieser Welt haben sich die deutschen Medien bislang gerne auf die Recherchen der "New York Times" verlassen. Im 1. Halbjahr ist das deutlich seltener der Fall gewesen."

Flüchtlinge/Asylpolitik

1. "Bild am Sonntag"

Einordnung Roland Schatz: "Die Flüchtlingsdebatte hat sich 2016 zwar abgeschwächt, ist aber immer noch eins der Top-Zitate-Themen. Die "Bild"-Gruppe bleibt klar meinungsführend. Daneben positioniert sich die "Rheinische Post" immer besser zum Thema."

Innere Sicherheit / Spionage / Kriminalität

1. "Süddeutsche Zeitung"

Einordnung Roland Schatz: "Das Thema Innere Sicherheit hat "Der Spiegel" jahrelang dominiert. Mit der Berichterstattung zu den Panama Papers hat sich die "Süddeutsche Zeitung" nun an die Spitze katapultiert. Erst dann folgen die Springer-Titel."

EU-Politik

1. "Der Spiegel"

Einordnung Roland Schatz: "Der Brexit war nicht nur das Top-Thema des zweiten Quartals, er hat auch die EU-Berichterstattung dominiert. Und die deutschen Meinungsführer-Medien haben sich intensiv auf die Berichterstattung der britischen Medien berufen.

Hintergrund: Die Auswertung

Insgesamt wurden von den Analysten um Roland Schatz zwischen Januar und Juni 2016 in den Politik- und Wirtschaftsteilen der 40 deutschen Meinungsführermedien 12.897 Zitate ausgewertet. Jeder Artikel wird von den Analysten gelesen und jedes Zitat auf seine Relevanz geprüft, zudem überprüfen sie, ob eine inhaltliche Recherche-Leistung mit dem Zitat verknüpft ist und Nachrichten transportiert werden oder nicht. Untersucht wurden "Berliner Zeitung", "Bild", "Die Welt", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Leipziger Volkszeitung", "Süddeutsche Zeitung", "taz", "Tagesspiegel", ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF Heute und Heute Journal, Bericht aus Berlin, Berlin direkt, Fakt, Frontal 21, Kontraste, Monitor, Panorama, Plusminus, Report (BR), Report (SWR), Börse im Ersten, "Die Zeit", "Focus", "Spiegel", "Stern", "Super Illu", "Brand Eins", "Bild am Sonntag", "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", "Welt am Sonntag", "Handelsblatt", "Wirtschaftswoche", "Capital", "Manager Magazin" sowie die 7-Uhr-Nachrichten vom Deutschlandfunk.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.