Beim Magazin "Grazia": Kann eine Kaufzeitschrift in Teilzeit geführt werden?

 

Einst galten "Grazia" und "Gala" als Titel, mit denen sich ihre Verleger gerne schmückten. Doch die Auflagenzahlen beider Titel weisen deutlich nach unten. Bei "Grazia" muss Gruner+Jahr jetzt beweisen, wie modern das "Haus der Inhalte" tatsächlich sein kann. Chefredakteurin Claudia ten Hoevel möchte gerne ihr Amt behalten, aber mehr Zeit mit ihrem Baby verbringen. Kann eine Kaufzeitschrift in Teilzeit geführt werden? Oder braucht eine Redaktion doch eine Führungskraft, die mit ganzer Kraft an Bord ist?

Die Gerüchte zu den Veränderungen an der Spitze von "Grazia" waren vergangene Woche auf der Berlin Fashion Week aufgekommen. "Grazia" erscheint im G+J / Klambt Style-Verlag GmbH & Co. KG, das Magazin hatte im Dezember 2015 eine frische Optik verpasst bekommen. Gruner + Jahr hält seit Sommer 2011 die Mehrheit an dem Gemeinschafts-Unternehmen.

Von dort kommt auch die Antwort, wie es mit Claudia ten Hoevel an der "Grazia"-Spitze weitergeht: "Claudia ten Hövel ist seit einigen Wochen aus der Elternzeit zurück. Spekulationen über ihren Abschied von "Grazia" entbehren jeder Grundlage", erklärt die Pressestelle in einer offiziellen Stellungnahme. Und zur Auflage: "Der Markt ist unter Druck, das weiß jeder. Aber das Konzept von "Grazia" bleibt stark, wir lassen nicht nach."

Wer in der Vorwoche die Berlin Fashion Week besuchte und Chefredakteurin ten Hoevel erlebte, kommt dagegen zu einem anderen Ergebnis als das, was die Pressestelle schreibt. Die Führungsetage von Gruner + Jahr stellt sich derzeit vor allem die Frage, wie sie wieder mehr Schwung in die "Grazia" bekommt.

Als "Grazia" im Februar 2010 das erste Mal auf dem deutschen Markt erschien, gab Gründer und Verleger Lars Joachim Rose als Auflagenzahl 200.000 verkaufte Exemplare aus. Im ersten Quartal 2016 waren es noch 140.200 verkaufte Exemplare der Zeitschrift, die sich um Mode und Promis kümmert. 200.000 Exemplare hat das wöchentliche Magazin, das in Lizenz erscheint, seit Gründung nicht ansatzweise verkauft.

Claudia ten Hoevel war zum zum 1. März 2015 zur "Grazia" zurückgekehrt, und war kürzlich in Elternzeit von Klaus Dahm, Gründungs-Chefredakteur von "Grazia", vertreten worden, der vor allem von Verleger Rose für seine Blattmacher-Qualitäten geschätzt wird.

Ihre Kommentare
Kopf

Bettina Lüke

07.07.2016
!

Lieber Bülend Ürük, liebe "Quellen",
kann man das? So eine Frage stellen, so eine Geschichte erzählen? Kann man, aber wer diesen Artikel gelesen hat, kommt zu einem anderen Ergebnis. Nun bin ich eine Frau, eine, die ein Kind hat und eine Führungsposition, und außerdem ehemalige Grazia-Mitarbeiterin – aber ich weiß, dass dieser Artikel auch viele andere mindestens irritiert, ja geärgert hat. Mich sogar ziemlich lange. Zu lange. Vollzeit, Teilzeit – dazu ist mir meine Zeit zu schade.
Beste Grüße!


Bettina Lüke

07.07.2016
!

Lieber Bülend Ürük, liebe "Quellen",
kann man das? So eine Frage stellen, so eine Geschichte erzählen? Kann man, aber wer diesen Artikel gelesen hat, kommt zu einem anderen Ergebnis. Nun bin ich eine Frau, eine, die ein Kind hat und eine Führungsposition, und außerdem ehemalige Grazia-Mitarbeiterin – aber ich weiß, dass dieser Artikel auch viele andere mindestens irritiert, ja geärgert hat. Mich sogar ziemlich lange. Zu lange. Vollzeit, Teilzeit – dazu ist mir meine Zeit zu schade.
Beste Grüße!


MICHAEL LOHMEYER

08.07.2016
!

Eine Fragestellung hat meine Aufmerksamkeit geweckt: Kann eine Kaufzeitschrift in Teilzeit geführt werden? Ja, aber sicher! Mir sind Chefredakteure bekannt, die inzwischen fünf Blätter und mehr leiten. Mit immer weniger Redakteuren. Mit immer schmaleren Budgets. Teilzeit-Chefs halt, die im Sauseschritt von einem Konferenzraum zum nächsten eilen. Da wird bei Frau ten Hoevel ja wohl zwischendurch nen Fläschchen drin sein...


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