Kommentar von kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük: Ein guter Tag für die Pressefreiheit

 

Der Kampf um die Pressefreiheit hat sich gelohnt. Die 395.000 Euro, die Axel Springer an den früheren ARD-Wetter-Moderator Jörg Kachelmann zahlen soll, sind zwar immer noch zu hoch. Für das Gericht steht fest, dass es keine Kampagne von "Bild" gegeben hat. Eine Einordnung von kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Wie schaffen es Promis, Berichterstattung am besten zu verhindern? Mit Anrufen. Mit Einschüchterungsversuchen. Mit Beschwerden beim Verleger. Mit Drohungen. Und am Ende mit Klagen. Und auch mit teils absurden Entschädigungssummen, bei denen sich Beobachter fragen müssen, wer diese Menschen, die im Scheinwerfer der Öffentlichkeit zu Ruhm gekommen sind, tatsächlich berät? Oder sie auf einen Pfad setzt, der ihnen den Rest Würde nimmt?

Jetzt sind es also immerhin noch 395.000 Euro, die Axel Springer Jörg Kachelmann laut dem im Berufungsverfahren am Oberlandesgericht Köln getroffenen Urteil zahlen soll. Das Landgericht Köln hatte noch erklärt, dass Axel Springer 635.000 Euro zahlen soll. Ganz am Anfang betrug die Forderung gegen Axel Springer sogar 2,25 Millionen Euro.

Während andere Großverlage sich gerne außergerichtlich mit klagefreudigen Stars einigen, ist Axel Springer den harten Weg marschiert. Denn viel einfacher wäre es gewesen, wenn sie sich auch hinter verschlossenen Türen geeinigt hätten. Doch die Entscheidung Springers, vor das Oberlandesgericht zu ziehen, ist ein wichtiges Zeichen für die gesamte Branche. Gerade in einer Zeit, in der Prominente und weniger Prominente am liebsten jedes Komma in einem Bericht bestimmen möchten.

Natürlich gab es unter den über 800 Berichten in den Jahren 2010 und 2011, die in "Bild" über den Prozess gegen Jörg Kachelmann erschienen, Artikel, die falsch, die fehlerhaft waren. Die müssen in der Redaktion auf jeden Fall aufgearbeitet werden.

Es ist ein guter Tag für die Pressefreiheit.

Ihre Kommentare
Kopf

Jens Larsson

12.07.2016
!

Sorry, was die BILD da fabriziert hat ist eben kein guter Journalismus. Schade das man heute anscheinend das Auge für guten Journalismus völlig verloren hat. Kein Wunder das die Leser in Scharen weglaufen. Meinungsmache und "Nanny-Jornalismus" braucht keiner.


Ziegler

13.07.2016
!

Promis, die nur deswegen Promis sind, weil Medien über sie berichten u. sie in Medien öffentlicht auftreten, müssen damit rechnen, dass sie von eben diesen in schlechten Zeiten auch begleitet werden. Dass Kachelmann schräge Sexualbedürfnisse hat u. es Menschen gibt,denen es ggf. zu weit geht u. sich wehren; auch das muss eine öffentliche Figur verdauen können. Was ich schräg finde, dass sie nichts zahlen, wenn man sie in den Medien feiert und wenn sie sich daneben benehmen, Schadenersatz fordern


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