Susanne Amann im "Wirtschaftsjournalist": "Der Spiegel krankt am Erfolg der letzten Jahrzehnte"

13.07.2016
 
 

Susanne Amann, seit März Sprecherin der Mitarbeiter AG, kämpft für radikale Veränderungen beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Sie setzt auf eine moderne Redaktionsstruktur und Leseransprache, hat sie "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteurin Susanne Lang verraten. Amanns oberste Priorität: Unabhängigkeit.

Der "Spiegel" soll ökonomisch sowie publizistisch unabhängig bleiben. So lautet das Ziel von Susanne Amann, seit März Sprecherin der Mitarbeiter KG. "Wir gehören keinem Großkonzern und wir schreiben, was wir für richtig halten", sagte sie dem "Wirtschaftsjournalist". "Das ist ein Kernelement des 'Spiegel' und für uns viel entscheidender als für andere Redaktionen." Damit stellt sie sich klar Spekulationen entgegen, der Mitgesellschafter Bertelsmann könnte angesichts der schwierigen ökonomischen Lage die Anteile der Mitarbeiter KG von 50,5 Prozent übernehmen.

Amann wechselte 2010 vom Spiegel-Online-Wirtschaftsressort zum Magazin. Seit 2013 ist sie stellvertretende Ressortleiterin Wirtschaft. Im März wurde sie zur Sprecherin der Mitarbeiter KG gewählt. Sie gilt im Haus als sehr gut vernetzt und steht für die Verzahnung von Print und Online. "Es ist allen klar, dass wir mit unserer Unternehmenskultur nicht so modern sind, wie wir es gerne wären", so lautet ihre Einschätzung. "Der Spiegel krankt ein bisschen am Erfolg der letzten Jahrzehnte, wir waren publizistisch und ökonomisch hoch erfolgreich. Das macht einen in gewisser Weise bequem, weil man denkt: Läuft ja." Nun sind Veränderungen auf den Weg gebracht. Die KG hat die so genannte "Agenda 2018", ein Restrukturierungsprogramm, abgesegnet. Es beinhaltet unter anderem Sparmaßnahmen in Verlag und Redaktion. Bis Ende 2017 sollen die Sach- und Personalkosten um rund 16 Millionen Euro gesenkt werden.

Bedenken, dass der Sparkurs auf Kosten der journalistischen Qualität gegen könnten, teilt Amann im Gespräch mit "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteurin Susanne Lang nicht. "Diese Maßnahmen haben ja ein Ziel: Wir wollen dadurch die Strukturen so modernisieren, damit wir weiterhin unsere Arbeit auf diesem Niveau leisten können."

Kritische Stimmen bezweifeln allerdings, dass eine Kursänderung mit der speziellen Eigentümerstruktur beim Spiegel möglich sein wird. Knapp 800 Mitarbeiter halten als stille Gesellschafter die Mehrheit des Verlags. Sie galten bisher als wenig reformfreudig. Amann setzt dennoch auf das KG-Modell. "Es führt zu einer unglaublich hohen Identifikation mit dem Haus, in einer Art und Weise, die ich sonst nirgendwo erlebt habe", sagte sie. "Die Schwierigkeit besteht darin, dass das KG-Modell und die Satzung in ihren Einzelheiten in einer Zeit geschrieben wurden, in der sich keiner nur im Traum hätte vorstellen können, vor welchem Veränderungsdruck die Branche einmal stehen würde." Das mache es in Teilen schwer, schnelle Veränderungen herbeizuführen. Aber "Sowohl Geschäftsführung als auch Chefredaktion und Mitarbeiter sperren sich nicht mehr dagegen."

Als Grund für die sinkende Auflage des "Spiegel" macht KG-Sprecherin Susanne Amann neben der Konkurrenz durch das Internet auch die Leseransprache verantwortlich. "Die Leser sind kritischer geworden, sie erwarten vor allem Einordnung und Hintergrundinformation angesichts der Informationsflut", sagte sie dem "Wirtschaftsjournalist". "Was aber nicht funktioniert, ist der oberlehrerhafte, besserwisserische Ton, den haben wir uns längst abgewöhnt. Wir arbeiten daran, unsere Leser richtig anzusprechen. Es ist ein ständiger Prozess, Darstellung und Themensetzung zeitgemäß zu gestalten."

kress.de-Tipp: Das ganze Interview ist im "Wirtschaftsjournalist" erschienen, der wie Kress.de im Medienfachverlag Oberauer erscheint. Der "Wirtschaftsjournalist" kann hier im Newsroom.de-Shop bestellt werden. Das Magazin gibt es auch digital im iKiosk.

 

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