ARD: Netzers geheime Super-Honorare

 

Günter Netzer kassierte als Fußballexperte zwischen 2007 und 2010 von der ARD Honorare von insgesamt 3,85 Millionen Euro. Das stehe in einem vertraulichen Bericht des Landesrechnungshofes in Rheinland-Pfalz, den ARD-Quellen eingesehen haben, berichtet "kress pro" in seiner aktuellen Ausgabe. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky wollte zu den Zahlen auf Nachfrage "keine Stellung nehmen". Günter Netzer antwortete auf Anfrage nicht.

Der Rechnungshof in Rheinland-Pfalz hatte die Wirtschaftsführung des SWR geprüft und das Ergebnis im vergangenen Jahr veröffentlicht. Zwei brisante Teile zu den Kosten der Sportsendungen und der Fußball WM 2010 wurden aber als vertraulich eingestuft und werden seitdem unter Verschluss gehalten. In dem Bericht werden ARD-Quellen zufolge auch die ARD-Honorare für Journalist Gerhard Delling offengelegt: insgesamt 2,36 Millionen Euro zwischen 2007 und 2010. Delling antwortete auf "kress pro"-Anfrage nicht.

Die Honorare des über Jahre erfolgreichen Duos Netzer/Delling addieren sich damit zwischen 2007 und 2010 auf insgesamt 6,22 Millionen Euro, schreiben "kress-pro"-Chefredakteur Markus Wiegand und der Journalist Wolfgang Messner in der neuen Ausgabe. Abgerechnet wurden die Zahlungen laut Rechnungshofbericht über die ARD-Werbetochter Sales & Services (AS&S). Dieses Vorgehen wurde schon in der Vergangenheit von ARD-Verantwortlichen gewählt, wodurch die Verträge der Kontrolle durch die Gremien entzogen waren.

Die genauen Zahlen, die der Bericht des Landesrechnungshofes laut internen ARD-Quellen nennt:

Günter Netzer (Fußball-Experte)

2007: 999.000 Euro

2008: 995.000 Euro

2009: 1.060.000 Euro

2010: 800.000 Euro

gesamt: 3,85 Millionen Euro

Gerhard Delling (Journalist)

2007: 582.000 Euro

2008: 588.000 Euro

2009: 570.000 Euro

2010: 621.000 Euro

gesamt: 2,36 Millionen Euro

Bereits Ende Juni hatte die "kress"-Berichterstattung eine Debatte über die Honorare der öffentlich-rechtlichen Fußballexperten ausgelöst. In der Folge hatte "Bild" berichtet, dass ARD-Experte Mehmet Scholl bis zu 800.000 Euro pro Jahr verdienen soll. Die ARD dementierte diese Zahl nicht. "kress pro" hatte über ein doppelt so hohes Honorar berichtet. Womöglich, weil die Quellen über die Vertragslaufzeit im Unklaren waren, korrigierte "kress pro" in seiner aktuellen Ausgabe.

ARD-intern geraten die Geheimverträge mit den Sportexperten derweil immer mehr unter Druck. Der SWR wolle die Geheimniskrämerei nun doch lockern oder beenden, melden die "Stuttgarter Nachrichten". "Im SWR wird die Position geteilt, Möglichkeiten größerer Transparenz auszuloten", sagte SWR-Justiziar Hermann Eicher dem Schwesterblatt "Stuttgarter Zeitung".

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