"Bunte"-Society-Lady Marie Gräfin von Waldburg: "Klatsch ist etwas wunderbar Harmloses"

 

Wie kommt man eigentlich ganz nah an Leute dran, liebe Gräfin von Waldburg? "Sich trauen und einfach hingehen. In der Journalistenschule 1975 hieß es einmal: Wer kommt am weitesten in die Kabine des FC Bayern? Das war ich. Und ich weiß noch, dass Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer damals ziemlich gut gebaut waren", sagt Marie Gräfin von Waldburg (im Bild mit dem langjährigen "Super-Illu"-Chefredakteur Jochen Wolff), die sich im Juli bei "Bunte" verabschiedet. Was Klatsch Menschen gibt und warum die erfahrene Journalistin bei Recherchen auf Block und Stift verzichtet.

Für "Bunte" hat Marie Gräfin von Waldburg seit 1999 von allen großen Gesellschaftsereignissen berichtet. Davor war sie Chefin der Gesellschaftskolumne der "Abendzeitung".Im großen Abschieds-Interview mit Philipp Crone und Christian Mayer erklärt Marie Gräfin von Waldburg auch, dass sie für ihre Gespräche auf Block und Stift verzichtet: "Wenn Elyas M'Barek mir beim Filmball seine neue Freundin vorstellt und ein paar Sätze sagt, kann ich mir das merken bis zum Tisch. Vielleicht ist es ja besser, wenn die Leute ohne Argwohn denken, sie können mir alles erzählen. Je weniger Kalkül, desto besser", sagt sie.

Für die Journalistin, verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern, hat Klatsch auch eine "soziale Entlastungsfunktion. Weil man damit von sich selbst und seinen Problemen wunderbar ablenken kann. Es ist beruhigend, dass andere Leute ähnliche Sorgen haben wie man selbst. Manchmal beobachtet man mit einer gewissen Schadenfreude, wie anderen Dinge passieren, die einem selbst auch passieren könnten. Aber im Vergleich zu den wirklichen Problemen auf der Welt ist der Klatsch tatsächlich etwas wunderbar Sorg- und Harmloses", so Marie Gräfin von Waldburg.

Dabei sei sie von Promis auch mal angegriffen worden, erinnert sie sich: "Ernst August von Hannover hat sich einmal über einen Artikel von mir fürchterlich geärgert: "Fuck you, Waldburg!", warf er mir an den Kopf. Damals hatte sich sein Bruder erschossen, wir haben in der Abendzeitung darüber berichtet. Bei der Beerdigung sind Fotografen auf Bäume gestiegen und samt Ästen runtergekracht, das waren schreckliche Szenen. Ich kann seine Presse-Aversion verstehen. Auch Rudolph Moshammer war mal sauer, als ich schrieb, dass er eine Perücke trägt. Für ihn war ich nur noch die "schlimmste Journalistin".

Auf Festen habe sie übrigens immer sehen können, wer gerade mit wem ein Gspusi hatte: "Manchmal unterm Tisch. Oder durch Blicke. Man erkennt das daran, wie die Frau- en die Männer anschauen", so Marie Gräfin von Waldburg. Wie Frauen denn dann schauen, wollen die "SZ"-Reporter wissen: "Besitzergreifend".

So ganz aus dem Berufsleben wird sich die Society-Expertin übrigens nicht verabschieden. Für Oliver Berben (Constantin) und Pro7/Sat1 bereitet Marie Gräfin von Waldburg, Jahrgang 1948, eine Serie über das München der 1970er vor.

kress.de-Lesetipp: "Süddeutsche Zeitung", Philipp Crone, Christian Mayer: Marie Waldburg über Klatsch

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