Antrittsbesuch im Vatikan: Warum sich Papst Franziskus beim "Tagespost"-Chefredakteur bedankt

 

Wenn Chefredakteure bei Regionalzeitungen ihre Posten neu übernehmen, ist ein Antrittsbesuch bei den örtlichen Honoratioren selbstverständlich. Aber bei wem sollte sich Oliver Maksan, seit Anfang Juli Chefredakteur der katholischen "Tagespost" aus Würzburg, offiziell vorstellen? Genau, bei Papst Franziskus persönlich. Und Papst Benedikt traf er auch.

"Unsere Zeitung orientiert sich am Lehramt des Papstes und der Bischöfe. Das ist unser Kompass. Die Verbindung nach Rom ist deshalb sehr wichtig. Und in Rom weiß und schätzt man das in den deutschsprachigen Kurienkreisen. Wir hielten beispielsweise in den neunziger Jahren zu Papst Johannes Paul II. in der Debatte um die Rolle der Kirche in der Schwangerenkonfliktberatung, als dies kaum jemand tat", sagt Oliver Maksan zu kress.de.

Immer wieder kam es daher als Ausdruck der Treue zum Papst zu Begegnungen von Vertretern der katholischen "Tagespost" mit den Päpsten: "Auch mein Vorgänger Markus Reder hat sich bei Papst Benedikt vorgestellt. Mir war es ebenfalls sehr wichtig, zu meinem Amtsantritt den Segen aus Rom zu erbitten. Der langjährige Sekretär Papst Benedikts, Erzbischof Gänswein, hat die Audienzen vermittelt. Er dient Franziskus als Organisator der Audienzen und Benedikt als Privatsekretär", verrät Oliver Maksan.

Erst Papst Franziskus, dann Papst Benedikt

"Papst Franziskus traf ich bei sengender Hitze auf dem Petersplatz im Rahmen der Generalaudienz. Im Anschluss an seine Ansprache begegnet er ausgewählten Personen, die in prima fila, in der ersten Reihe, zum baciamano, dem Ringkuss, anstehen. Papst Franziskus konnte ich dabei ein Exemplar der Zeitung überreichen. Er hat sich sehr interessiert gezeigt und sich freundlich bedankt. Mir persönlich wünschte er alles Gute zum Amtsantritt - leise, aber auf deutsch", sagt Oliver Maksan.

Tags darauf traf Maksan gemeinsam mit dem Vatikan-Korrespondenten Guido Horst der "Tagespost" Papst Benedikt. Die Begegnung fand in den Gärten des Vatikan statt, wo der emeritierte Papst in einem Kloster wohnt. Er war - immerhin schon 89 - "geistig hellwach, stand aufrecht ohne sich aufstützen zu müssen und zeigte sich an der Zeitung und meinem früheren Tätigkeitsfeld in Nahost sehr interessiert", so Maksan.

Die letzte Auslandsreise von Papst Benedikt führte ihn 2012 in den Libanon, bei der ihn Maksan begleitet hatte: "An die Reise hat er sich gern erinnert. Er wünschte mir und der Zeitung ebenfalls alles Gute und Gottes Segen und betonte, dass die Zeitung eine wichtige Funktion erfüllt", so Maksan. Tatsächlich weiß Papst Benedikt, wovon er spricht. Er kennt und schätzt die "Tagespost" schließlich seit Jahren: "Sicher hat er seit seiner Abdankung mehr Zeit, uns zu lesen. Schon davor aber wurde die Zeitung in den Vatikan geliefert und ihm vorgelegt. Daran hat sich nichts geändert", ist Oliver Maksan überzeugt.

Bei seinem Besuch im Vatikan traf Maksan neben den beiden Päpsten auch mit hohen Kurienvertretern wie dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, zusammen. Auch mit Kardinal Kasper, dem ehemaligen Ökumenechef des Vatikans, oder Kardinal Brandmüller, dem früheren Chefhistoriker: "Sie alle, Deutsche in Rom, sehen uns als Verbindung in die Heimat und gleichzeitig als verlässliche Botschafter der Worte des Papstes über die Alpen hinweg", verdeutlich Maksan die Nähe der einzigen katholischen Tageszeitung in Deutschland zu den Entscheidern der katholischen Kirche.

Den Kontakt zum Vatikan will Maksan eng halten und regelmäßig nach Rom fliegen, um sich über die Lage zu informieren: "Als Chefredakteur einer katholischen Zeitung ist das unerlässlich - schon, um zu erfahren, wie Rom die Lage in Deutschland sieht. Unser Korrespondentenbüro liegt dem Petersdom schräg gegenüber. Und unser langjähriger Rom-Korrespondent Horst öffnet viele Türen."

Papst Franziskus reist übrigens heute nach Polen und wird in Krakau auch am 31. Weltjugendtag teilnehmen. Die "Tagespost" wird mit Sicherheit auch von dieser Reise von Papst Franziskus, dem Stellvertreter Christi auf Erden, hautnah berichten.

Hintergrund: "Die Tagespost"

Die "Tagespost" ist die einzige katholische Tageszeitung im deutschen Sprachraum. Sie erscheint als katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur seit August 1948 und hat aktuell eine Druckauflage von 10.227 Exemplaren. Von dem katholischen Publizisten Johann Wilhelm Naumann gegründet, will das Blatt zur innerkirchlichen Meinungsbildung beitragen und mit der säkularen Gesellschaft über katholische Positionen ins Gespräch kommen. Die Zeitung erscheint in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Verlagsort ist Würzburg.

Zur Person: Oliver Maksan

Oliver Maksan, 1979 in Nördlingen in Bayern geboren, studierte katholische Theologie und Philosophie in Eichstätt, Paris, Rom und München. Nach seinem Studienabschluss arbeitete Maksan zunächst in der Presseabteilung des Katholischen Militärbischofsamtes in Berlin. Im Oktober 2007 begann er ein zweijähriges Volontariat bei der "Tagespost". 2009 wurde er Redakteur der Zeitung und begleitete in der Folge vor allem deutsche Innenpolitik. Weil sich schnell abzeichnete, dass der "Arabische Frühling" massive Auswirkungen auf die Christen des Orients haben würde, wurde Maksan zum 1. Februar 2012 als Nahost-Korrespondent der Zeitung nach Jerusalem entsandt. Von dort berichtete er über Religion und Politik aus dem Heiligen Land und der Region. Zahlreiche Reisen führten ihn in die Länder der arabischen Welt zwischen Marokko und Irak. Am 1. Juli 2016 hat er die Chefredaktion und Geschäftsführung bei der "Tagespost" übernommen.

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