HR-Intendant Manfred Krupp warnt: "Wettlauf mit sozialen Netzen können wir nicht gewinnen"

 

Erstmals äußert mit Manfred Krupp ein Intendant massive Kritik an der Krisenberichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der vergangenen Wochen. "Einen Wettlauf mit sozialen Netzen können wir nicht gewinnen", sagte Krupp, Intendant des Hessischen Rundfunks, dem "Wiesbadener Kurier".

Im Gespräch mit Chefredakteur Stefan Schröder und Christian Stang, dem Landeskorrespondenten der Zeitung, geht HR-Intendant Manfred Krupp auf die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen ein - Gewaltexzesse, rassistisch motivierte Amokläufe, Terroranschläge, Putschversuch in der Türkei.

Für Krupp, seit mehr als 30 Jahren beim Hessischen Rundfunk und seit März dieses Jahres Intendant des Senders, steht fest, wie die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks arbeiten sollten: "Unsere Aufgabe muss es sein, die richtigen Fragen zu stellen, und nicht, die schnellen Antworten zu geben. Es wäre fatal, wenn wir uns in einen Wettlauf mit den sozialen Medien begeben würden. Den können wir nicht gewinnen. Die sozialen Netze reagieren extrem schnell und pointiert und liegen häufig völlig daneben. In München gab es das Gerücht von drei Männern mit Langwaffen. Nichts davon hat gestimmt. Unsere Verantwortung ist es, Quellen zu überprüfen und Zusammenhänge herzustellen. Im Zweifel muss man auch bekennen: "Ich weiß es nicht."

Krupp lehnt es ab, aus Sorge vor Nachahmungstätern bestimmte Meldungen nicht zu bringen: "Allerdings müssen wir manchmal auf bestimmte Bilder verzichten, wenn sie auf mögliche Nachahmungstäter eine gewisse Faszination ausüben könnten." Vielmehr müsse eine Wartediskussion geführt werden: "Wir müssen zeigen, dass man schwierige Situationen oder Krisen bewältigen kann. Die Botschaft heißt: es gibt nicht nur Versagen, sondern es gibt auch Lösungen."

Die Glaubwürdigkeit dürfe unter keinen Umständen aufs Spiel gesetzt werden: "Wir haben noch stärker als früher den Auftrag, Orientierung zu geben. Auch indem wir Menschen das Gefühl geben, sie bekommen zuverlässig und sicher, immer an der gleichen Stelle die Informationen, die sie suchen", sagte Krupp in dem Interview, das am vergangenen Samstag im "Wiesbadener Kurier" erschien.

Kai Gniffke, Chefredakteur ARD aktuell, sieht dagegen in den von ihm verantworteten Medien keine Probleme, machte er beim SWR2-Forum "Die Botschaft der Gewalt" (kress.de-Hörtipp!) deutlich. Unter der Gesprächsleitung von Ursula Nasser diskutierten außerdem die Kriminologin Britta Bannenberg und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, der die aktuellen Medienberichterstattung scharf kritisierte.

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