Theo Mönch-Tegeder: Wo stehen die katholischen Medien?

11.08.2016
 
 

"Welche publizistische Strategie sie (die Bischöfe) verfolgen, ob sie denn eine haben, das ist die Frage, die nach dem vollständigen Wechsel von 'Christ & Welt' zur 'Zeit' offenbleibt." So war am 9. August in der "FAZ" zu lesen. Leider hat der Redakteur, mit dem ich gesprochen habe, mir diese Frage nicht gestellt. Darum will ich an dieser Stelle eine Antwort versuchen – jedenfalls soweit es meine Verantwortung betrifft. Ich konzentriere mich dabei auf einige wichtige Punkte", schreibt Theo Mönch-Tegeder, Geschäftsführer vom Katholischen Medienhaus Bonn, in einer Einordnung.

Der Essener Bischof Overbeck hat einmal sehr zutreffend analysiert: "Wir werden damit leben und lernen müssen, dass ein Großteil der Gesellschaft religiösen Phänomenen zwar mit größerer Aufmerksamkeit gegenübertritt und sie auch begleitet, selbst aber weder eine Religion praktiziert noch aus einer tieferen religiösen Überzeugung heraus Werte bestimmt." Die alltägliche Nachrichtenlage zeigt es uns: Obwohl das Wissen über Religion dramatisch erodiert, spielt das Thema im gesellschaftlichen Leben eine erhebliche Rolle. Wir Christen "müssen versuchen, uns und den Menschen, mit denen wir leben, Rechenschaft zu geben über die Hoffnung, die in uns ist", haben daher die deutschen Bischöfe zum Abschluss des überdiözesanen Gesprächsprozesses formuliert.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat das Bild vom Volk Gottes auf dem Weg durch die Zeit geprägt. Ein solches pilgerndes Volk ist existenziell auf exzellente Kommunikation nach innen und außen angewiesen. Ansonsten stiftet es Verwirrung, Misstrauen und Ängste. Dies ist die Ausgangslage dessen, was wie hier im Katholischen Medienhaus tun. Wir wollen mit unserer Arbeit möglichst viele Menschen erreichen und ihnen ein realistisches Bild des religiösen Lebens liefern, und wir wollen mit unseren Mitteln zum Dialog zwischen Religion(en) und Gesellschaft beitragen. 

"KNA wurde noch nie so intensiv genutzt wie derzeit"

Die KNA als Nachrichten-Agentur versorgt die Medien mit Nachrichten und Hintergrundberichten. Wir richten uns dabei nach den journalistischen Standards. Dies ist ein Dienst, den außer den Kirchen (es gibt auch den Evangelischen Pressedienst epd) keine andere Großorganisation in dieser Form leistet. Sie tun das aus gutem Grund, man kann es durchaus als Bringschuld verstehen. Das ist Teil 1 unserer Strategie. Um den wachsenden Ansprüchen der Medienwelt gerecht zu werden, wurde die Agentur in den zurückliegenden Jahren aufgewertet. Und die Medienwelt nimmt dieses Angebot an. KNA wurde noch nie so intensiv genutzt wie derzeit.

Eine Nachrichten-Agentur ist Dienstleisterin der Medien. Es gibt aber auch ein Interesse an direkter Kommunikation mit der Öffentlichkeit, zumal in diesem digitalen Zeitalter, wo die Menschen jede gewünschte Information an jedem Ort erwarten. Darum wurde katholisch.de aufgebaut, das nach den uns vorliegenden Zahlen das am meisten genutzte religiöse Internet-Portal des deutschsprachigen Raums ist. Der Mediennutzer erwartet von einem religiösen Medium, dass es genau so professionell daher kommt wie jedes andere weltliche Angebot (und möglichst sogar noch besser). Dies ist der zweite Teil unserer Strategie: Unmittelbare Öffentlichkeit sicherzustellen.

"Man muss mit den Entwicklungen Schritt halten"

Wenn man sich einmal auf diesen Pfad begeben hat, muss man mit den Entwicklungen Schritt halten. Die medialen Formen und Kanäle werden immer vielfältiger. Da es unmöglich ist, überall gleichermaßen präsent zu sein, muss entschieden werden, wo man welches Publikum mit welchem Einsatz erreicht. Wir haben unser Engagement in den sozialen Medien deutlich ausgebaut und sind hocherfreut darüber, wie viele überwiegend junge Menschen mit uns in Kontakt treten. Es ist nicht so, dass die jüngeren Generationen nicht mehr an Glaube und Religion interessiert sind! Sie wollen aber mit den Mitteln erreicht werden, die ihnen vertraut sind. Das sicherzustellen ist Teil 3 unserer Strategie.

Teil 4 setzt diesen Gedanken fort. Zunehmend verlagert sich die Kommunikation weg vom gesprochenen und geschriebenen Wort hin zur Sprache der Bilder, insbesondere der bewegten Bilder. Also müssen wir diese anbieten. Darum haben wir im Medienhaus eine eigene Video-Abteilung aufgebaut und das Angebot von KNA-Bild angepasst.

Und die gedruckten Medien? Hier tut sich Kirche genauso schwer wie die meisten weltlichen Verlage. Ich persönlich glaube an die gedruckte Zeitung, sie muss sich aber ein neues Alleinstellungsmerkmal erobern. Bis auf weiteres hat sie einen besonderen Platz in der öffentlichen Meinungsbildung. Und darum sollte Kirche hier weiterhin engagiert sein. Dies ist Teil 5 unserer Strategie – zugegebenermaßen ein besonders schwieriger Teil, da man hier wie so oft nur über Versuch und Irrtum weiterkommt.

"'Christ & Welt' hat laufen gelernt"

Unsere Zusammenarbeit mit der "Zeit" bei "Christ & Welt" ist so ein Versuch. Es ist gelungen, aus den Trümmern des "Rheinischen Merkur" ein kleines, aber feines publizistisches Produkt zu entwickeln, das sich in der öffentlichen Wahrnehmung sehr wohl mit dem Rheinischen Merkur zu seinen besten Zeiten messen kann. "Christ & Welt" hat laufen gelernt, und nun geben wir das Produkt in die besten Hände. Dort wird es hoffentlich noch selbstbewusster den "Dialog mit der Welt" befördern, den sich die deutschen Bischöfe wünschen.

Der Einwand, dass die Kirche doch ihren Einfluss abgebe, erscheint mir ähnlich weit hergeholt wie der Gedanke, dass ich Einfluss auf meine Kinder abgebe, wenn ich sie von der Hand lasse. Vorbild ist für mich hier die Methodik der "Startups". Ich habe großes Vertrauen in die "Zeit" und die "Christ & Welt"-Redaktion, dass sie den Nerv der erhöhten Aufmerksamkeit für religiöse Phänomene treffen, den Bischof Overbeck bei den Menschen festgestellt hat. Aus meiner Sicht spricht sogar einiges dafür, dass die Sensibilität für solche Phänomene in einem säkularen Verlag und an einem Standort Berlin ausgeprägter sein dürfte als in einem kirchlichen Medienhaus.

"Gewinnen Ressourcen und Kräfte, um Neues zu wagen"

Für uns bedeutet das nicht das Ende unserer Print-Anstrengungen. Ganz im Gegenteil, wir gewinnen hoffentlich Ressourcen und Kräfte, um Neues zu wagen. Es gibt bereits konkrete Ideen. Wir sind dankbar für die Zusammenarbeit mit der "Zeit" und den Knowhow-Transfer, der in beide Richtungen ging. Das Tischtuch ist ja nicht zerschnitten! Inzwischen haben wir in verschiedenen Projekten gelernt, wie wertvoll Kooperationen sind. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Der katholische Medienkongress 2017 soll unter dem Leitwort stehen: "Dies ist erst der Anfang! Richtig.

Von Theo Mönch-Tegeder, Geschäftsführer Katholisches Medienhaus Bonn

kress.de-Tipp: Hier geht es zu dem Bericht von Michael Hanfeld in der "FAZ": "Fest im Glauben an den Erfolg"

 

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