Lutz van der Horst im kress.de-Interview: "Natürlich hätte ich gerne eine eigene Fernsehshow"

12.08.2016
 

Dank der "heute-show" im ZDF gehört Lutz van der Horst zu den prominentesten Satirikerin Deutschlands. Gerade in einem Sommer, der so gar nichts mit einem normalen Sommer gemein haben mag, vermissen wir seine frechen Kommentare. Die uns ablenken und auch zeigen, dass selbst die Politiker auf Bundesebene am Ende nur Menschen sind.

Die Karriere von Lutz van der Horst begann aber hinter der Kamera - als Gagschreiber für andere. Er hat unter anderem für Stefan Raab, für "Rent a Pocher" "Switch Reloaded" und Harald Schmidt gearbeitet. Satire und Humor seien gerade in Zeiten wie diesen wichtig, in denen sich viele Menschen unsicher fühlen, allerdings müsse man genau abschätzen, was zulässig ist und was nicht, sagt der 40-jährige Kölner zu kress.de. Gerade freut er sich auf seinen ersten Auftritt als Gefängniswärter Frosch in der "Fledermaus", aber seine beiden größten Wünsche wurden ihm bisher noch nicht erfüllt.

kress.de: Die Welt scheint gerade aus den Fugen zu geraten - und die heute-show macht Sommerpause. Ärgert sie das?

Lutz van der Horst: Ehrlich gesagt, ja. Normalerweise passiert in den Sommermonaten ja nicht so viel, aber dieses Jahr gibt es wirklich viele Themen, die sich für die Sendung anbieten. Das ist alles sehr spannend, aber vor allem auch sehr schlimm. Da gibt es gerade jetzt einen großen Bedarf an Satire. Leider starten wir erst am 9. September wieder.

Die Anschläge in Deutschland und in Frankreich, der Putsch in der Türkei und das rigorose Vorgehen Erdogans gegen seine Gegner könnten Themen für die "heute-show" sein?

Lutz van der Horst: Ich denke schon. Humor ist eine Möglichkeit, schlimme Ereignisse und Schmerz zu verarbeiten. Das unterscheidet uns von Terroristen wie den IS-Leuten. Humor heißt auch immer in Distanz zu sich selbst zu gehen und damit die Fähigkeit zur Selbstironie. Zu beidem sind diese Menschen einfach völlig unfähig. Wirklich böse Menschen haben keinen Humor.

Wo wäre die Grenze für Satire in der derzeitigen Situation?

Lutz van der Horst: Man kann nicht einfach voll draufhalten. Und zweifellos gibt es Situationen, in denen es besser ist zu schweigen, als mit Satire zu kommen. Man muss sich jeweils selbst nach dem Ansatz fragen, den man verfolgen will. Vor allem: Nie darf man sich über die Opfer lustig machen! Aber man könnte sich zum Beispiel die Berichterstattung der Medien zu den Anschlägen vorknöpfen - da würde man vieles finden, mit dem wir uns beschäftigen könnten. Oder Stichwort Erdogan: Über Machthaber wie ihn machen wir uns grundsätzlich gerne lustig. Auch er bietet gerade sehr viel Stoff.

Sie sind ja Außenreporter der "heute-show". Wie bereitet man sich da eigentlich vor? 

Lutz van der Horst: Ich lese mich sehr intensiv in ein Thema ein. Dann überlege ich mir meine Fragen und denke darüber nach, was der angesprochene Politiker wohl antworten könnte. Ich kann ja nicht nur einfach einen Gag raushauen, denn ich muss ja auch spontan auf die Frage reagieren. Es ist auch schon passiert, dass ich dachte, ich hätte eine tolle Idee, aber vor Ort funktionierte die dann einfach nicht. Dann muss man den Beitrag vor Ort spontan umstricken.

Vermissen Sie eigentlich die FDP? Die war doch lange Ihr Lieblingsobjekt, als sie noch im Bundestag war.

Lutz van der Horst: Oh, ja, die FDP vermisse ich natürlich sehr! Wobei ich meine Beiträge nie als bösartig empfand. Und ich glaube, die allermeisten bei der FDP sehen das genauso. Man muss auch mal eins sagen: Bei der FDP gibt es ein großes Maß an Selbstironie. Die haben echt einen guten Humor. Und alle reden mit mir - bis auf Klaus Kinkel.

Warum der nicht?

Lutz van der Horst: Ich habe ihn im April interviewt und es war ganz offensichtlich, dass er mich nicht kannte. Bald wunderte er sich über die absurden Fragen und verbot mir schließlich unter Drohungen, seine Antworten zu senden. Daran habe ich mich gehalten: Ich habe die Antworten in meinem Beitrag nicht gebracht, wohl aber die Drohungen. Die hatte er mir ja nicht verboten.

Gibt es denn Ersatz für die FDP?

Lutz van der Horst: Klar - die AfD. Von der können wir uns gerade gut ernähren. Ich liebe es, zu deren Veranstaltungen zu gehen und zu sehen, wie bei meinen Fragen die Gesichtszüge entgleisen. Das gute ist: Obwohl wir soviel über sie machen kennen viele AfD-Leute uns noch immer nicht. Das erleichtert sehr die Arbeit, weil es immer dieses Überraschungsmoment gibt. Das ist bei den anderen Parteien leider inzwischen nicht mehr so der Fall.

Erkennen bei den anderen Parteien viele sie inzwischen, wenn sie auf einer Veranstaltung auftauchen?

Lutz van der Horst: Ja, und das macht die Sache nicht leichter. Denn das Überraschungsmoment ist weg, die Leute ahnen halt, dass meine Fragen nicht immer so ganz ernst gemeint oder irgendwie komisch sind. Außerdem habe ich mit der Zeit auch den einen anderen Politiker etwas besser kennengelernt und mag ihn. Dann fällt es mir schwerer, fiese Fragen zu stellen.

Wobei Sie ja ohnehin nicht aggressiv auftreten.

Lutz van der Horst: Nein, das liegt mir gar nicht. Es ist eher mein Charakter, freundlich zu sein. Aber man kann auch auf freundliche Art gemeine Fragen stellen.

Gibt es irgendjemanden, den sie noch nicht vor dem Mikrofon hatten aber unbedingt gerne mal hätten?

Lutz van der Horst: Oh ja - die Bundeskanzlerin. Aber an Angela Merkel bin ich noch nicht ansatzweise herangekommen. Die läuft immer schnurstracks an mir vorbei und guckt absichtlich weg, wenn sie mich sieht. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und ich könnte mir vorstellen, dass sie einen guten, trockenen Humor hat. Angeblich soll sie sich ja auch jede Folge der "heute-show" ansehen. Das spricht schon mal für sie.

Sehen Sie sich eigentlich auch als Journalist?

Lutz van der Horst: Auf jeden Fall freue ich mich, wenn Andere mich als Journalist sehen. Letztes Jahr wurde ich ja sogar zu einem der "Journalisten des Jahres" gekürt. Aber ehrlich gesagt, ist das eine sehr schwierige Frage. Auf jeden Fall habe ich den Anspruch, dass ich bei meinen Beiträgen für die "heute-show" Haltung zeige und eine Botschaft vermittelt.

Und wie sieht es mit einer eigenen Fernsehshow aus?

Lutz van der Horst: Die hätte ich sehr gerne. Aber da kress.de ja von allen wichtigen Medien-Menschen gelesen wird, dürfte die Chance jetzt rapide ansteigen. Also los, Leute! Ruft mich an!

Aber vorher machen Sie erst einmal einen Ausflug in die Welt der Operette...

Lutz van der Horst: Stimmt. Ab dem 16. September spiele ich im Staatstheater Wiesbaden in der "Fledermaus" den Gefängniswärter Frosch. Das ist mal was ganz Anderes, ich freue mich sehr darauf und bin gespannt, wie es wird.

Apropos Frosch:  Ihre erste Rolle vor der Kamera war der Blasehase bei Stefan Raab. Wie kam es dazu? Sie waren jung und brauchten das Geld?

Lutz van der Horst: (Lacht) Wenn ich darauf angesprochen werde, wirkt das auf mich immer so, als wenn ich nach einem Pornodreh aus früheren Zeiten gefragt werde. Tatsächlich hätte ich damals alles getan, um endlich selbst vor der Kamera zu stehen und nicht nur Texte für andere zu schreiben. Bei einer Redaktionskonferenz hatten sich alle anderen rechtzeitig weggeduckt, als es um die Frage ging, wer sich ein pinkfarbenes Hasenkostüm anzieht, eine Karotte in den Mund steckt und auf die Straße geht. Da blieb am Ende ich übrig - aber ich habe die Chance genutzt! Seitdem ging es bergauf. Meine Mutter hat sich allerdings unendlich für mich geschämt.

Heute auch noch? 

Lutz van der Horst: Eigentlich nicht. Nur wenn das Gespräch auf den Blasehasen kommt. Deshalb werde ich ihr dieses Interview wohl nicht zum Lesen geben können.

Mit Lutz van der Horst sprach Armin Fuhrer.

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