Regisseur Adolf Winkelmann zeigt Interesse: Ein "Tatort" für das Sauerland?

 

Der "Tatort" weckt Fantasien bei Bürgermeistern. Jetzt hat der Mendener Bürgermeister Martin Wächter das Potenzial seiner Stadt und seiner Sauerland­-Region entdeckt. Sein Vorstoß hat inzwischen eine ungeahnte Eigendynamik entwickelt.

Star-­Regisseur Adolf Winkelmann (70; "Junges Licht", "Contergan") zeigt Interesse an einem "Tatort" im Sauerland. Der Mendener Bürgermeister Martin Wächter hatte seine Stadt als Schauplatz für einen "Tatort" ins Gespräch gebracht.

Winkelmann hätte "Spaß dran"

Grimme-­Preisträger Winkelmann erklärte: "Ein 'Tatort-'­Team im Sauerland finde ich großartig. Man sollte auch mal die Sauerländer ins Fernsehen lassen." Der auf Ruhrgebietsfilme spezialisierte Film-­ und Fernsehregisseur fügte hinzu, er hätte "Spaß dran".

Mendens Bürgermeister Wächter hatte vorgeschlagen, eine Episode des "Tatortes" Dortmund in seiner Stadt spielen zu lassen. Dazu sagte Winkelman: "Die Dortmunder sollen in Dortmund bleiben."

Zuvor hatten bereits Drehbuch-Autor Michael Gantenberg aus Soest und Krimi-Schriftstellerin Kathrin Heinrichs aus Menden Unterstützung für den Plan des Mendener Bürgermeisters signalisiert.

Gantenberg würde gern ein Buch schreiben

Gantenberg merkte an, er habe gerade Drehbücher für ein ARD-­Projekt am Bodensee in Arbeit. Zuvor habe er für die in München spielende ZDF-­Reihe "Unter Verdacht" oder den von der ARD verantworteten "Polizeiruf 110" in Magdeburg geschrieben. Für den Schauplatz Menden jedoch habe er noch nie etwas entwickelt. Gantenberg fügte hinzu: "Was auch immer in ,meiner' Region spielen würde, ich wäre dabei."

Die Schriftstellerin Kathrin Heinrichs sagte: "Sauerland als Krimiland kann ich nur gut finden." Sie wollte sich jedoch nicht unbedingt auf einen im Sauerland verankerten "Tatort" festlegen. Heinrichs verwies darauf, dass bei einem gewaltsamen Tod in Menden die Mordkommission Hagen zuständig sei. Die Autorin brachte anstelle eines "Tatortes" eine Fernsehserie nach dem Vorbild von "Mord mit Aussicht" ins Spiel; sie stellt die Eifel und deren Bewohner in den Vordergrund.

Grimme-­Chefin Frauke Gerlach rät von einem eigenen "Tatort"-­Team fürs Sauerland ab; sie befürchtet ein Überangebot bei Deutschlands erfolgreichster Krimi-­Reihe. Eine Episode, die Dortmunder Fahnder nach Menden führt, kann sich Gerlach jedoch sehr wohl vorstellen. Der ländliche Schauplatz sei keineswegs mit einer provinziellen Geschichte gleichzusetzen. Als gelungenes Beispiel für eine überragende Inszenierung einer bisher unentdeckten Region nannte Gerlach die mit dem Grimme­-Preis bedachte TNT-Mysteryserie "Weinberg". 

Standort­-Marketing wie bei Großstädten

Die Filmstiftung NRW in Düsseldorf sieht bei Film-­ und Fernsehproduktionen eine Chance für die Schauplätze. Wie es hieß, profitieren nicht nur die eigentlichen Drehorte, sondern auch die jeweiligen Regionen von der Präsenz in Kinos, im Fernsehen sowie auf Branchenfestivals. Großstädte wie Köln oder Wuppertal betreiben für sich bei Film- und Fernsehen offensives Standort-­Marketing.

Dem Mendener Bürgermeister kommt bei seinem Vorstoß zu gute, dass der WDR bei der Präsentation der jüngsten Dortmunder "Tatort"­ Folge "Zahltag" eine personelle Veränderung bekannt gegeben hat. Schauspieler Stefan Konarske will sich im kommenden Jahr aus dem vierköpfigen Dortmunder Fahnder-Team zurückziehen. Diese Entscheidung eröffnet dem WDR neue dramaturgische Möglichkeiten.

WDR hält sich Möglichkeiten offen

Der WDR vergibt die Episoden des Dortmunder "Tatortes" als Auftragsproduktion. Verantwortlich für die fiktionalen Produktionen ist Fernsehchef Gebhard Henke. In der Diskussion um einen "Tatort" in Menden hielt er sich alle Möglichkeiten offen. Zu einer einzelnen Episode äußerte er sich nicht. Zu einem neuen "Tatort"-Kommissariat des WDR sagte er: "Sollte der WDR dereinst neben den Tatorten aus Köln, Münster und Dortmund nach einem neuen Team suchen, so ist das Schöne an dieser Aufgabe, dass wir in NRW eine Fülle an geeigneten und inspirierenden Städten haben."

Den Dortmunder "Tatort" hat WDR­-Redakteur Frank Tönsmann entwickelt. Das Sauerland kennt er gut. Er wurde 1964 in Hagen geboren.

Hintergrund

Adolf Winkelmann (70) wurde im sauerländischen Hallenberg geboren. Der Dortmunder Regisseur und Produzent machte mit Filmen wie "Nordkurve", "Contergan" und jüngst der Roman­-Verfilmung "Junges Licht" Furore.

Winkelmann wurde mit dem Grimme-­Preis, dem Deutschen Fernsehpreis, der Goldenen Kamera und dem Bambi ausgezeichnet.

Ihre Kommentare
Kopf

Lavinia

25.08.2016
!

Unbedingt. Mit Stephan Kampwirth als Kommissar!


Heinz

25.08.2016
!

Oh ja, super Idee. Und was kommt als nächstes? Der Tatort für den Stadtteil? Die Straße? Die eigene Wohnung? Denn: Wir haben noch viel zu wenig Tatort in Deutschland. Wir sollten noch viel viiieeeeel mehr haben, das ist ein so geiles Format, so einfallsreich, so verdammt spannend und noch überhaupt nicht voll ausgereizt. Da kann, da MUSS man noch kräftig melken, die alte Tatort-Kuh, die hat noch Milch!


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