"Geschwindigkeit der Redaktionen heute noch überraschend": Wie Tageszeitungen über den Terror am 11. September 2001 berichteten

 

Das Internet war noch langsam und schnell überlastet am 11. September 2001. Zeitungen wie die NRW-Titel der WAZ-Mediengruppe (heute Funke Mediengruppe) gehörten wie die "Nordwest-Zeitung" in Oldenburg zu den ersten Blättern im Land, die sogar noch am Nachmittag bzw. am Abend des 11. September 2001 Extrablätter verteilten. Eine Zusammenstellung des Zeitungsdesigners Norbert Küpper dokumentiert die Berichterstattung am Terror-Tag und danach.

"Es gibt kein zurück in die Welt, die mit 9/11 starb", hat Innenminister Thomas de Maizière am Samstag in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung gesagt. Und der umstrittene CDU-Minister hat zumindest in diesem Fall recht - die Welt hat sich verändert.

Zeitungsdesigner Norbert Küpper hat schon zahlreichen Zeitungen ein neues Design verpasst, Küpper ist auch Erfinder vom European Newspaper Award, der gemeinsam mit dem Medienfachverlag Oberauer (Verlag von kress.de) verliehen wird: "Das Internet gab damals keine weiteren Informationen. Das Fernsehen war schneller. Zum Teil gab es keine Internet-Verbindung mehr wegen Überlastung", erinnert sich Norbert Küpper im kress.de-Gespräch.

Küpper hat für das Buch "11. September 2001" Zeitungsseiten zusammengestellt, die vom 11. bis 15. September 2001 erschienen sind, darunter Zeitungsseiten aus den USA, Japan, China, Titel in arabischer Sprache, aus Deutschland, Finnland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Polen, Estland, Tschechien, Ungarn, Griechenland, Türkei, Schweiz, Österreich, Italien, Spanien, Frankreich, Irland, Großbritannien, Niederlande, Belgien oder Luxemburg.

Am Anfang ist ein dpa-Text, der den Anschlag in Textform zeigt. Es war 14.56 am 11. September 2001, als die Deutsche Presse-Agentur folgende Nachricht als Eil-Meldung über den Ticker jagte: "Luftverkehr/Unfälle/(Eil)

Flugzeug ins World Trade Center abgestürzt

New York (dpa) - Ein Flugzeug ist am Dienstag in einen der Türme des World Trade Centers in New York gestürzt. Das berichtete der Nachrichtensender CNN."

Schon um 15.02 folgte eine erste Zusammenfassung:

"Luftverkehr/Unfälle/ (Überblick 1500)

Flugzeug ins World Trade Center gestürzt

New York (dpa) - Ein Flugzeug ist am Dienstag in einen der Türme des World Trade Centers in New York gestürzt. Das berichtete der Nachrichtensender CNN. Es sei eine zweimotorige Maschine gewesen, hieß es. Zeugen berichteten, es habe einen lauten Knall gegeben. Mehrere Stockwerke stehen in Flammen, dichte Rauchwolken liegen über der Stadt. Ob es sich möglicherweise um einen Anschlag handelt, ist noch nicht klar. Angaben zu Verletzten gab es noch nicht."

Die amerikanischen Medien im Fernsehen sprachen relativ schnell von einem Terroranschlag auf das World Trade Center.

"Die Titelseiten wurden damals sofort in einem anderen Layout angelegt, weil es eine derart ungewöhnliche Situation war. Meist wurde ein großes Bild benutzt und eine Schlagzeile", erinnert sich Küpper. Und ergänzt: "Nach europäischer Zeit war der Anschlag ja kurz vor 15 Uhr. Das wurde schon knapp für die Macher bei den Zeitungen. Sie haben es aber alle herausragend hinbekommen. Die Geschwindigkeit der Redaktionen ist auch heute noch überraschend."

Ein paar Beispiele vom 12. September 2001

"De Morgen", Belgien: Die überregionale Tageszeitung hat die Titelseite komplett mit einem einzigen Foto eines einstürzenden Hochhauses gefüllt. Selbst der Zeitungskopf wurde in das Foto integriert. Wenn man vor dieser Seite steht, fühlt man sich unmittelbar in das Geschehen mit hineingezogen. Man ist dabei.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" veröffentlicht erst seit dem 5. Oktober 2007 ein tägliches Bild auf der Titelseite. Davor gab es auf der Titelseite praktisch keine Fotos. Am 12. September erschienen gleich zwei Bilder auf der Titelseite.

"Ta Nea", Griechenland: Die Titelseite ist eine schwarze Fläche, in die ein kleines Foto eingefügt wurde. Durch die schwarze Fläche wird Trauer signalisiert.

"Tageblatt", Luxemburg: Die Zeitung hat die Titelseite mit Informationsgrafiken gefüllt, um die Leser auf diesem Weg möglichst exakt über das Geschehen zu informieren.

"The Guardian", Großbritannien: Die Titelseite hat ein einziges großes Bild und darunter die nüchterne Überschrift: Manhattan, 2001. Eine Innenseite zeigt ebenfalls ganzseitig Trümmer des World Trade Centers.

Norbert Küpper hat die Titelseiten auch in einer Ausstellung an verschiedenen Orten gezeigt. In Hagen, bei der Ausstellungseröffnung gemeinsam mit der "Westfalenpost" (Chefredakteur damals: Bodo Zapp), fand NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement deutliche Worte, die noch heute gelten: "Jetzt wirken die Titelseiten der Zeitungen vor allem als Mahnung, als Auftrag, als Verpflichtung - als Verpflichtung an uns, alles zu tun, damit sich solche furchtbaren Terrorakte in Zukunft nicht wiederholen."

Aktuelles zum Terroranschlag vom 11. November 2001

Die "Berliner Morgenpost" will am Sonntag in einem historischen Live-Ticker auf den 11. September 2001 zurückblicken. Alle Infos zu "9/11" soll es ab 14.14 Uhr in einem Minutenprotokoll geben - die Uhrzeit, als 2001 der erste Unglücksflug abhob.

"Bild" steigt später ein. Um 14.46 Uhr startet "Bild" live auf Bild.de, Facebook und YouTube eine vierstündige Sonder-Sendung. Die Sendung wird aus Berlin und New York ausgestrahlt, zu Wort kommen auch Experten wie Terror-Experte Peter Neumann.

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