AfD-Spitzenmann Leif-Erik Holm: Die Mär vom selbsternannten Opfer aus dem Nordosten

15.09.2016
 

Gerne behaupten AfD-Politiker immer wieder, dass sie und ihre Anhänger bewusst ausgegrenzt und benachteiligt werden. Auch der frühere Radiomoderator Leif-Erik Holm, Spitzenmann der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, stellt sich als Opfer dar, wenn er behauptet, er sei wegen seiner Arbeit für die AfD entlassen worden. Doch mit dieser Darstellung verfälscht er offenbar Tatsachen.

Auf Wikipedia steht es, in den Medien wird es so beschrieben und Holm selbst behauptet es öffentlich und in Interviews: Dass sein früherer Brötchengeber, der private Radiosender Antenne MV, ihn 2013 wegen seines politischen Engagements für die AfD entlassen habe.

kress.de hat nachgefragt beim Sender Antenne MV, der mehrheitlich zu Regiocast gehört. Haben Sie Herrn Holm entlassen, weil er sich für die AfD engagiert, Herr Weber?

Antenne-MV-Geschäftsführer Robert Weber widerspricht auf Nachfrage zu kress.de: "Das ist falsch. Holm selbst hat ganz freiwillig gekündigt, als er begann, für die Berliner AfD-Landesvorsitzende Beatrix von Storch zu arbeiten." Der Sender habe zum damaligen Zeitpunkt gar keine Veranlassung zu einem solchen Schritt gehabt - "denn wir haben überhaupt nicht gewusst, dass Holm sich parteipolitisch engagierte. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich wahrscheinlich Redebedarf gesehen", so Weber. Denn Antenne MV sei ein Sender, der sich als unpolitisch ansehe.

Holm war Freier Mitarbeiter

Ganz nebenbei war Holm auch nicht festangestellt bei dem Sender, sondern Freier Mitarbeiter. Ein Faktum, das ebenfalls in der Berichterstattung für gewöhnlich entfällt, das Weber aber im Gespräch mit kress.de betont und richtig stellt. So konnte Holm sich ganz schnell absetzen, als er den rechten Augenblick gekommen sah. Sein plötzliches politisches Engagement habe seine Kollegen ziemlich überrascht, berichtet jemand, der Holm sei langem kennt und beobachtet. "Er wird von den Medien als der 'nette Herr Holm' bezeichnet. In Wahrheit ist er eher verschlossen, kein Kumpeltyp". Er habe niemals von seinen politischen Ambitionen gesprochen. Das gleiche gelte auch für sein Privatleben. Die Kollegen hätten nicht einmal erfahren, als Holm heiratete und der heute dreijährige Sohn auf die Welt kam.

Politische Karriere zielgerichtet vorbereitet

Wohl aber hat er seine Tätigkeit als Politiker zielgerichtet vorbereitet. Der Hintergrund soll allerdings gar kein politischer gewesen sein, sondern ein privater. Denn Holms zunächst so vielversprechend begonnene Karriere als Radiomoderator stockte seit längerer Zeit, als er beschloss, in die Politik zu gehen. Der 1970 in Schwerin geborene Sohn eines Elektrolehrmeisters und einer Kinderkrankenschwester begann in der Nachwendezeit bei Radio Mecklenburg-Vorpommern. Er war kurzzeitig beim NDR und ging schließlich nach Frankfurt am Main, wo er Sendungen des Hit Radio FFH moderierte.

Zunächst lief seine Karriere gut. Er moderierte in Rostock die Morgenshow, bei jedem Sender die wichtigste und meistgehörte Sendung. Wer morgens mit seinen lustigen Sprüchen die Hörer wachrüttelt, hat es im Radiobusiness geschafft. Holm wollte, was ganz natürlich ist, nach einigen Jahren eine Veränderung und wechselte 1999 zu Hit Radio FFH. Doch hier schwächelte seine Karriere. In der Hoffnung, dass es in der Heimat besser laufen würde, kehrte er schließlich 2006 in den Nordosten zurück. Doch bei Antenne MV, wo er er als Freier Mitarbeiter tätig war, konnte Holm nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen.

Kein Erfolg mehr im Radio

Irgendwann müsse er sich klargemacht haben, dass er im Radio keinen wirklichen Erfolg mehr haben werde, heißt es in seinem früheren Umfeld. Da habe er begonnen, eine neue Tätigkeit zu suchen und habe sich schließlich, als die AfD mit der Kritik an der Europolitik der Bundesregierung aufkam, der Partei angeschlossen. Ein Thema, zu dem sich Antenne-MV-Geschäftsführer Weber nicht öffentlich äußern möchte. Er habe sich, so heißt es, ganz gezielt mit einem Studium der Volkswirtschaftslehre auf seine zukünftige Karriere als Politiker vorbereitet. Holm wurde Landessprecher der AfD und arbeitete mehrere Jahre im Büro der Berliner AfD-Vorsitzenden Beatrix von Storch, die vor einigen Monaten dazu aufrief, auf Flüchtlingskinder- und Frauen an den deutschen Grenzen zu schießen und dann, als es von allen Seiten und selbst aus ihrer eigenen Partei Kritik hagelte, behauptete, sie sei bei der Formulierung mit der Hand auf der Maus ihres Computers ausgerutscht.

AfD Ersatz für große Radio-Karriere

Politik und die AfD seien also für Holm ein Ersatz gewesen für die große Radio-Karriere, die ihm versagt geblieben sei. Er sei bis heute kein Überzeugungstäter. Die AfD war gerade im Entstehen begriffen und hatte erste Erfolge erzielt. Sie habe einfach die besten Aussichten für einen Politik-Einsteiger geboten, schnell Karriere zu machen. Politik sei für ihn auch eine Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Weitere Journalisten in AfD-Reihen

Die AfD passe gut zu ihm, weil er sich - wie viele ihrer Wähler in Ostdeutschland - persönlich zurückgesetzt fühle. "Er wollte Karriere im Westen machen und als das nicht geklappt hat, redete er sich wohl ein, das liege daran, dass er Ostdeutscher sei", heißt es in seinem früheren Umfeld. Ob Holms politische Karriere lange dauert, wird erst die Zukunft zeigen. Diäten bezieht er jedenfalls jetzt von dem System, das er abschaffen will, immerhin fast 6000 Euro im Monat, inklusive steuerfreier Pauschale. Dabei könnte er als ehemaliger Radiomann durchaus gefährlich für die Konkurrenz sein. Er weiß, wie man Leute anspricht, locker formuliert und auch überzeugt. Die politischen Journalisten in Mecklenburg-Vorpommern werden ihn ab Anfang Oktober genau beobachten können, wenn sich der Landtag in Schwerin konstituiert.

Holm ist aber längst nicht der einzige Spitzenmann in der AfD, der in seinem früheren Leben Journalist war: Auch der stellvertretende Parteichef Alexander Gauland war einst ein honoriger konservativer Journalist, und der Landesvorsitzende aus Niedersachsen, Armin Paul Hampel, arbeitete viele Jahre für die ARD im Hauptstadtstudio und in Indien.

Hinweis: Gerne hätte kress.de Leif-Erik Holm mit unseren Recherchen konfrontiert. Mehrfach haben wir um ein Gespräch gebeten. Leif-Erik Holm hat auf unsere Anfragen nicht reagiert.

Ihre Kommentare
Kopf

Gott ist nicht links

15.09.2016
!

Sehr geehrter Herr Fuhrer,
Ihren Artikel verstehe ich im Ergebnis als: "AfD Mann Holm ist ein verlogener Verlierer". Das ist doch eine griffige Überschrift und letztlich der Kern Ihrer Meinung, die bereits vor Ihren Recherchen fest stand. Die Qualität und Neutralität Ihrer Recherche lässt sich im Übrigen sehr gut in folgender Aussage erkennen: "Beatrix von Storch, die vor einigen Monaten dazu AUFRIEF, auf Flüchtlingskinder- und Frauen an den deutschen Grenzen zu schießen." Dafür gibt es ein Lob!


Uli

16.09.2016
!

Lieber Herr Fuhrer,
haben Sie mal überlegt, ob Herr Holm eventuell in weiser Voraussicht bei dem Sender gekündigt hat? Er wäre nicht der Erste, bei dem es aufgrund seines Engagements für die AfD "Redebedarf" gegeben hätte. Und ganz nebenbei: Wo wollen Sie erfahren haben, dass die AfD das System "abschaffen" will? Also ich kann irgendwie verstehen, dass Herr Holm auf Ihre Anfrage nicht reagiert hat.


kleitos

16.09.2016
!

@Uli
"In weiser Voraussicht" machte Herr Holm sich also präventiv zum Mehrtürer oder wie jetzt?

Und das der Radiosender sich grundsätzlich als unpolitisch ansehe steht - eigentlich für jedermann ersichtlich - explizit im Text. Daraus nun wieder eine Anti-AfD-Verschwörung zusammenzudengeln ist schon eine reife Leistung - erinnert daran:

https://youtu.be/Z06TDTtOCf4?t=2m51s


billi

17.03.2017
!

Ihre "recherche" ist einfach nur falsch, da Ihr Konstrukt in der Abfolge 1 ganzes Jahr auslässt. Denn Holm hat erst 1 Jahr nach der Entlassung aus dem Sender bei Storch gearbeitet. Außerdem sollten Sie nochmal die Einschaltquoten für die letzten Jahre seines Schaffens bei Antenne genauer unter die Lupe nehmen, bevor sie hier solche Behauptungen aufstellen. Sie sollten doch lieber besser noch einmal recherchieren, und diesmal mit mehr Sorgfalt.


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