Nachgefragt bei "Zeit Magazin Mann"-Chefredakteur Christoph Amend: Warum ausgerechnet ein Männermagazin?

19.09.2016
 

"Playboy", "GQ" oder "Mens Health", Männer-Modemagazine, dazu all die anderen Special-Interest-Produkte, die sich mit typischen Männerthemen beschäftigen - eigentlich schien es so, als sei der Markt für Männermagazine in Deutschland abgedeckt. Damit wollte man sich bei der "Zeit" aber nicht zufriedengeben. Ein Gespräch mit "Zeit Magazin Mann"-Chefredakteur Christoph Amend.

Schon ein Blick im gut sortierten Zeitungsladen am Bahnhof zeigt: Der Trend bei den Printmedien geht derzeit zum Zweitmagazin. Ob "Spiegel-Geschichte" mit "Spiegel-Biographie" oder der "stern" mit "Crime" oder die gute alte Tante "FAZ", die nicht nur Sonntags mit ihrer jugendlichen Schwester "FAS" aufwartet, sondern seit einigen Monaten auch Freitags mit einem kleinen Magazin für die eiligen jungen Leser. Da wollten die Macher der "Zeit" nicht zurückstehen und taten das, womit gerade von dieser Seite wohl niemand gerechnet hat: Sie schufen ein Magazin für den Mann: "Zeit Magazin Mann".

"Playboy", "GQ" oder "Mens Health", Männer-Modemagazine, dazu all die anderen Special-Interest-Produkte, die sich mit typischen Männerthemen beschäftigen - eigentlich schien es so, als sei der Markt für Männermagazine in Deutschland abgedeckt. Damit wollte man sich bei der "Zeit" aber nicht zufriedengeben. "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen, die man umsetzen kann und die strategisch sinnvoll sind", sagt Christoph Amend, Chefredakteur des "Zeit-Magazins" und seit neuestem auch der erste Mann beim hauseigenen Männermagazin.

Ein hoher Anspruch der Heft-Macher

Aber ausgerechnet ein Männermagazin? "So wie wir unser Heft konzipieren, gab es das bisher in Deutschland nicht", so Amend. Das Ziel ist ein Heft für den "erwachsenen Mann". Andere Themen als Frauen, Autos und Fußball sollen aufgegriffen werden, so Amend. Der Mann schlechthin hat ja auch noch andere Interessen, sollte man zumindest hoffen. Zumal der intelligente, bereits mit Lebenserfahrung ausgestattete Mann. "Wir haben in dem Sinne keine bestimmte Zielgruppe 'von bis', aber eine bestimmte Lebenserfahrung muss man natürlich gemacht haben, um unsere Geschichten spannend zu finden". Denn es geht um die männliche Selbstfindung, das Hinterfragen des eigenen Ichs, das Sortieren und Einordnen eigener Erfahrungen. Ein Angebot also eigentlich nicht nur an den "erwachsenen Mann", sondern an den selbstreflektierenden. Und das alles auf unterhaltsame Weise. Ein hoher Anspruch.

Und einer, der in der Tat weit über das hinausgeht, was andere Männer-Magazine in Deutschland so bieten. Auch ein Anspruch, der nicht gerade unbescheiden daherkommt. Kann die Redaktion ihn erfüllen? Oberflächlich betrachtet muss man festhalten, dass im Magazin genau die Themen aufgegriffen werden, die Amend doch eigentlich vermeiden will: Frauen, Autos, Fußball. Aber die Autoren und die Autorin gehen sie von einer anderen Warte an.

Der Porsche wird von einer Frau gefahren

So wird der Porsche von einer Frau gefahren, Frauen tauchen nicht als Objekt männlicher Begierde auf, sondern als Zielobjekte verunsicherter männlicher Signale (Wie bewegt sich ein mittelalterlicher Mann auf der Tanzfläche, welche Fotos stellt ein jüngerer Single auf Tinder) und beim Thema Fußball wird es fast ganz unmännlich gefühlig: mit einem sehr gelungenem Text von Sascha Chaimowicz über den ehemaligen Nationalspieler Marcel Janssen, der vor einem Jahr als 29-Jähriger seine Karriere beendete, weil er ganz einfach keine Lust mehr darauf hatte.

Am Ende, wenn man das Heft durchgelesen beiseite gelegt hat, ergibt sich ein stimmiges Bild: Es gibt verschiedene Artikel wie die Titelgeschichte über den Schauspieler Christoph Waltz und seine spät begonnene Karriere, die Janssen-Geschichte oder auch der Text über Baron Bodo von Bruemmer, der im Alter von 96 Jahren eine Karriere als Winzer begann und mittlerweile im 105. Lebensjahr steht. In diesen Texten geht es stilistisch auf hohem Niveau um Männer, die zu einem bestimmten Zeitpunkt Entscheidungen getroffen haben, die ihr weiteres Leben signifikant beeinflussten.

Gemacht wird "Zeit Magazin Mann" neben Amend in erster Linie von dessen Stellvertreter Matthias Kalle sowie von Sascha Chaimowicz, der als einziger Redakteur (von "Neon") neu eingekauft wurde (kress.de berichtete). Die Texte kommen von Mitarbeitern von "Zeit" und "Zeit Magazin" sowie von einigen Gastautoren. Auf 178 Seiten gibt es viele Fotos (da gibt es Luft nach oben, was die Auswahl betrifft) und auch viel Werbung. Die gedruckte Auflage liegt bei 60 000. "Das halten wir für ehrlich und realistisch", so Amend.

Ein Ziel ist es auch, neue Leser für die "Zeit" zu gewinnen

Keiner der abgedruckten Texte müsste zwangsläufig in einem reinen Männer-Magazin stehen. Daher also noch einmal die Frage: Warum ein Magazin nur für Männer? "Klar, wir wollen auch neue Leserschichten für die Marken 'Zeit` und 'Zeit-Magazin' gewinnen", gibt Christoph Amend zu. Man hoffe, dass das Hochglanz-Produkt nicht nur am Kiosk, sondern auch in Concept Stores ausliegen wird. Andererseits erscheint das Magazin nur zwei Mal im Jahr - im Frühsommer und im Herbst/Winter ein Heft. "Sonst würden wir uns ja auch selbst Konkurrenz machen".

Schade eigentlich. Es hat Spaß gemacht, das Heft zu lesen und die eigentlich recht happigen 8,50 Euro sind gut angelegtes Geld. Glaubt Chefredakteur Christoph Amend, dass andere Verlage nachziehen werden? Ein "Spiegel-Mann", ein "Stern-Mann" oder ein "Focus-Mann"? Keine Ahnung, so Amend. "Aber ich hätte nichts dagegen. Konkurrenz belebt das Geschäft und zwingt einen, den eigenen Qualitätsanspruch hochzuhalten". Das wird schwierig genug. Die Planungen für das zweite Heft haben bereits begonnen.

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