Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt: "Brauchen einen digitalen RIAS"

 

Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt ist ein Freund der klaren Worten. Reichelt, der derzeit beim 4. Cyber Security Summit an der Universität von Stanford in Kalifornien weilt, fordert einen "digitalen RIAS". Der soll dem Westen im Cyber-Krieg gegen Russland und Wladimir Putin helfen. Wovor Reichelt warnt.

"Die drei größten Bedrohungen in der digitalen Welt heißen Russland, Russland und Russland", so Reichelt in einem lesenswerten Kommentar.

Was Reichelt Sorgen bereitet:

"1. Russland ist das einzige Land der Welt, das Cyberkriegsführung und konventionelle Kriegsführung und Spezialoperationen offensiv und höchst raffiniert kombiniert.

2. Russland hat dem Konzept Wahrheit den digitalen Krieg erklärt. Der Kreml hat verstanden, dass die Offenheit westlicher Gesellschaften gleichzeitig unsere größte Stärke und unsere größte Schwäche ist. Russland nutzt unverhandelbare Freiheitsrechte wie‎ die Pressefreiheit, um Propagandasender wie Russia Today in unsere Gesellschaften einzubetten und – vor allem über digitale Kanäle – die Deutungshoheit zu erobern. Es reicht Russland dabei, Zweifel zu säen und die Botschaft zu verbreiten, dass es so etwas wie die Wahrheit nicht gibt, sondern immer nur Versionen von der Wahrheit.

3. Russland instrumentalisiert das westliche Massengefühl digitaler Verwundbarkeit geschickt, um Misstrauen in unsere eigenen Institutionen zu befeuern."

Reichelt warnt vor einer Gefahr aus Moskau: "Es reicht nicht, digitale Abwehrsysteme zu stärken und sich in einer Welt der Air-Gaps abzuschotten. Wir müssen im Interesse digitaler Freiheit Offensivstrategien entwickeln, um die Deutungshoheit in der digitalen Welt zurück zu erobern und die Konzepte von Wahrheit, Fakten und vertrauenswürdigen Institutionen wieder zu stärken", ist Julian Reichelt überzeugt.

Für den Chefredakteur von Bild.de steht fest: "Als die Sowjetunion über Radiowellen ihre Propaganda nach West-Berlin und West-Deutschland sendete, setzten die USA diesem Anschlag auf die Wahrheit den RIAS entgegen - den Rundfunk im amerikanischen Sektor. Was wir brauchen, ist ein RIAS-Konzept für das digitale Zeitalter!"

Interessant wird sein, ob bei der Konferenz zur Cybersicherheit, die von der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) und der Deutschen Telekom in Kalifornien veranstaltet wird und die heute endet, die Mehrheit der Teilnehmer der Forderung von Reichelt folgt. In den Sozialen Netzwerken, vor allem auf Twitter, wird Reichelt für seine klare Haltung massiv dagegen angefeindet.

Mit einem verschärften Pressegesetz hat die russische Politik die ausländischen Verlage und Medienhäuser im Land zum großen Teil aus dem Land getrieben. Auch Axel Springer, Mutterkonzern von Bild.de, hat sich aus Russland zurückgezogen.

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