Breitband: Ideen für ein schnelles Internet

21.09.2016
 

Deutschland ist beim Ausbau des Glasfaser-Breitbands für schnelles Internet ein absolutes Entwicklungsland. Das ist schlecht für die Wirtschaft und die Kunden. Die Netzaktivisten Anke Domscheit-Berg und ihr Mann Daniel wollen das jetzt ändern. Mit schwedischer Hilfe.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Deutschland beim Ausbau der digitalen Technik gegenüber anderen Ländern nicht selten zurückliegt. Ganz dramatisch ist die Lage aber mit Blick auf den Ausbau eines Glasfasernetzes für ein schnelles Internet. Nach einer OECD-Untersuchung sind in Japan 73,3 Prozent aller Haushalte mit Glasfaser ausgestattet, in Lettland 60,7, in Schweden 48,9 Prozent - in Deutschland sind es ganze 1,2 Prozent. Damit belegen wir einen beschämenden vorletzten Platz, nur Griechenland schneidet noch schlechter ab.

Das hat negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik, mal ganz abgesehen vom Kunden, der hierzulande vergleichsweise viel Geld für langsames Internet bezahlt. Unternehmen brauchen schnelles Internet, aber auch die Politik sei darauf angewiesen, wie Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund betont. "Daten sind nicht nur wichtige Ressourcen für die Wirtschaft, sondern auch für die Politik", betont Habbel. Denn das Erheben vieler Daten erleichtere der Politik ihre Arbeit. Insgesamt scheint der Hunger nach Daten ohnehin unstillbar. Derzeit verdoppelt sich der weltweite Datenbestand alle zwei Jahre. 2020 wird die Menschheit 40 Zettabyte verarbeiten - eine Zahl mit 21 Nullen.

Spotify, Netflix & Co. brauchen schnelles Internet

Auch für die Medien ist dieser Zustand nicht erfreulich, setzen doch beispielsweise immer mehr Online-Medien auf kurze Videofilme. Um diese problemlos sehen zu können, braucht der User aber ein einigermaßen schnelles Internet. Und neue Angebote wie Musikstreamingdienste oder das Anschauen von Filmen per Internet benötigen ebenfalls Geschwindigkeit. Also auch Spotify, Netflix und Co. sind auf schnelle Internetverbindungen angewiesen.

Abhilfe soll nun aus der kleinen Stadt Fürstenberg an der Havel in Brandenburg kommen. Hier haben Anke Domscheit-Berg, die früher für Microsoft die Beziehungen zur Politik gepflegt hat, und ihr Mann Daniel, ein Netzwerkingenieur und bekannter Internetaktivist, das Tech-Start-Up ViaEuropa Deutschland GmbH gegründet. Das Ziel ist, den Impuls für den Ausbau eines "Opengiga", eines freien, offenes und vor allem schnelles Internet in Deutschland zu geben. "Der derzeitige Stand beim Ausbau mit Glasfaser ist für ein Land wie Deutschland unwürdig", sagt Anke Domscheit-Berg. Das Unternehmen will mit einer hierzulande neuen Methode "Glasfaser für die Massen" schaffen.

In Schweden befindet sich das Breitband-Netz in öffentlicher Hand

Die Grundvoraussetzung: Das komplette Breitband-Netz muss in die öffentliche Hand gelangen. Die Idee kommt aus Schweden, wo ViaEuropa bereits seit 17 Jahren arbeitet. Das skandinavische Land geht ganz anders vor als Deutschland. Kommunen sind dort für das Verlegen der Glasfaserkabel zuständig. Diese bleiben immer in öffentlicher Hand und bieten Providern freien Zugang - es entsteht eine Art "Marktplatz", wie Jonas Birgersson, Chairman ViaEuropa Sverige AB, sagt. Alle interessierten Provider haben Zugang und können den Kunden ihre individuellen Angebote machen, je nachdem was dieser wünscht und wieviel er letztendlich zahlen möchte. Den "Marktplatz" zu organisieren ist das Geschäft von ViaEuropa.

Für Anke Domscheit-Berg gibt es bei diesem Modell nur Sieger: Der Ausbau des Glasfasernetzes geht erheblich schneller voran als in Deutschland, das Internet wird für immer mehr Privatleute und Unternehmen immer schneller und billiger. In Schweden verfügen inzwischen rund zwei Drittel der Kommunen über ein eigenes Glasfasernetz. Das Land ist mit 100 Prozent mit Breitband ausgestattet, davon sind wie gesehen knapp die Hälfte Glasfaser.

Das schwedische Modell spült Geld in die Kassen der Kommunen

Dieses Modell soll sich nun in Deutschland auch durchsetzen. ViaEuropa Deutschland ist nach eigenen Angaben bereits mit einigen Kommunen im Gespräch. Die Unternehmer weisen darauf hin, dass der Ausbau des Glasfaser-Breitbandnetzes durch die Kommunen für diese einen großen Vorteil hat: die Kosten. "Nach acht bis zwölf Jahren ist das in den Ausbau investierte Geld wieder drin. Ab dann verdienen sie gut an dem Netz", so Daniel Domscheit-Berg. Zumindest dann, wenn man sich an dem schwedischen Modell orientiert, denn in Schweden kassieren die Kommunen mit 50 Prozent der Einnahmen, die durch die Nutzung des Glasfaser-Breitbandnetzes entstehen, den Löwenanteil. "Unser Ziel ist es nicht, Marktführer in Deutschland zu werden. Wir wollen in erster Linie einen Impuls geben".

Beim Deutschen Städte- und Gemeindebund stößt die Idee durchaus auf Gegenliebe. "Das Breitband-Netz ist die Lebensader der Kommunen im 21. Jahrhundert, sagt Fritz-Reinhard Habbel. Sein Ausbau ist eine Aufgabe für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft." Der Bedarf werde weiter zunehmen und damit auch der Druck der Bevölkerung auf einen Ausbau weiter steigen. Das gelte vor allem für die ländlichen Regionen, die bislang mit schnellem Internet nur schlecht ausgestattet sind. "Die Bedeutung wird klar, wenn man sich vor Augen führt, dass 50 Prozent aller deutschen Unternehmen in ländlichen Regionen ansässig sind und 60 Prozent aller Deutschen dort leben".

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