"Terra X"-Macher Jens Monath vom ZDF: "Es scheint außer Frage, dass 4K kommt"

 

Das ZDF nutzt wieder einmal die Erfolgsdokureihe "Terra X", um dem geneigten Publikum eine neue Technologie schmackhaft zu machen. Nach 3D ist es diesmal 4K. "Terra X"-Macher Jens Monath ist davon überzeugt, dass sich 4K durchsetzt. 

kress.de: Fernsehhersteller setzen bei der Suche auf neue Kaufimpulse auf 4K. Was bringt's dem Zuschauer?

Jens Monath: Dem Zuschauer bringt es m.E. nach wesentlich schönere Bilder. Das hängt einmal mit dem größeren Farbumfang zusammen, aber vor allem mit dem höheren Kontrastumfang. Sieht man auf einem HD-Fernseher ca. 6 Blenden, können es bei einem 4K TV bis zu 14 Blenden sein, also sehr viel mehr Kontrast im Bild. Das macht jeden Sonnaufgang/Untergang, jede Landschaft mit viel Kontrasten - See im Vordergrund, Wald an der Seite, Berge mit Schnee im Hintergrund, blauer Himmel - zu einem Augenschmaus. Gleichzeitig sorgen manche 4K Landschaftsaufnahmen für eine Art 3D Effekt, so dass es manchmal scheint, als ob der Baum im Vordergrund oder auch ziehende Wolken leicht außerhalb des Bildschirms oder zumindest gestaffelt im Bild erscheinen.

Was kann 4K, was HD nicht kann?

Jens Monath: Das, was in der ersten Antwort genannt ist, kann HD nicht. Auch bieten 4K-Aufnahmen im RAW Format sehr viel mehr Möglichkeiten für die Farbkorrektur als HD-Aufnahmen.

Was haben Zuschauer von der neuen Technologie, die keinen 4K-Fernseher besitzen?

Jens Monath: Ich nennen hier gerne das Beispiel von HD-Aufnahmen, die ich mir auf einem SD Fernseher ansehe: Natürlich sind die Aufnahmen jetzt nicht HD zu sehen, aber das SD erscheint dennoch brillanter, schärfer, farbenfroher als wenn es tatsächliche SD-Aufnahmen wären. Und genauso ist es bei 4K und HD: Auf HD heruntergerechnete 4K-Aufnahmen sind immer noch sichtbar besser als ursprünglich in HD aufgenommenes Material. Dies ist sichtbar in Schärfe, satten Farben, Brillanz.

Muss sich das gemeine Publikum darauf einstellen, dass 4K der kommende Bild-Standard wird?

Jens Monath: Wenn man den Verlautbarungen der Experten vertraut: ja! Nur wann ist die Frage. Netflix u.a. OTTs gehen ja schon mit 4K Filmen voran. Wann die TV Sender nachziehen werden, kann ich nicht sagen. Aber es scheint außer Frage, dass 4K kommt, allein schon, weil Sie in absehbarer Zeit gar keinen Fernseher mehr in HD kaufen können. Eine Schätzung sagt, dass 4K in 5 Jahren kommen könnte.

Warum setzt das ZDF bei einem Showcase auf "Terra X"?

Jens Monath: Die Dokumentationsreihe "Terra X" ist seit jeher technisch innovativ: Hier wurde der erste 16:9 Film gezeigt, ebenso die erste Produktion in HD (Michelangelo). Später kam aus derselben Redaktion der 3D-Film: "Die Huberbuam". "Terra X" ist aufgrund seiner großen Bekanntheit ideal für einen technischen Showcase.

Warum kam gerade der "Wolfskind"-Film für 4K in Frage?

Jens Monath: Weil er aufgrund der Vielfalt des Stoffes mehrere Drehorte vereinte und auch einen Stoff zur Basis hatte, der viele Natur- und Landschaftsaufnahmen erlaubte, bei denen 4K in vollem Glanz erscheint (Drehorte: Rumänien, Deutschland, Indien, Österreich, Uganda).

Wie hat 4K Ihre Produktionsweise verändert?

Jens Monath: Die Produktionsweise gar nicht so sehr, außer dass man in längeren Einstellungen dreht. Wenn man einen stark bewegten Film machen will, nimmt man die Bewegungsunschärfe in Kauf, was zu Lasten von 4K geht. Also dreht man eher in großen Landschaftsaufnahmen, lässt die Kamera mal länger stehen, statt sie zu bewegen, weil es so viel zu entdecken gibt. Einstellen muss man sich vor allem auf die große Menge von Daten, die beim RAW-Dreh anfallen. Hier braucht man einen eigenen Datenmanager, um Backups zu erstellen und zu gewährleisten, dass man irgendwann nicht ohne Speicherkarte dasteht. Insbesondere für die Post-Produktion hat 4K Konsequenzen, weil man mit enormen Datenmengen hantiert.

Welche Folgen hat die neue Technologie für Inhalte?

Jens Monath: Ruhigere Aufnahmen, Bilder stehen länger. Siehe bitte Punkt zuvor. Aber wie immer gilt: die Technologie muss sich der Story unterordnen, nicht umgekehrt. D.h. die Technologie sollte nicht zum Selbstzweck werden.

Ihre "Terra X"-Produktion ist - auch im Hinblick auf die IFA - ein Vorzeige-Stück. Werden die Zuschauer-Reaktionen gesondert ausgewertet - und wenn ja, wie?

Jens Monath: Als erste ZDF-Eigenproduktion in 4K ist "Terra X: Mythos Wolfskind" ein Pilotprojekt, das wir unter verschiedenen Aspekten auswerten werden, um aus den Erfahrungen zu lernen.

Hintergrund

Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling erzählt vom Wolfskind Mogli, das im Dschungel unter Tieren aufwächst. Kann ein Kind außerhalb der Zivilisation überleben? Ohne elterliche Zuwendung, ganz auf sich gestellt oder in Gesellschaft von Tieren? Gibt es diese Wolfskinder tatsächlich? Eine neue "Terra X"-Dokumentation geht dem Phänomen "Wolfskind" nach. Und auch in technischer Hinsicht beschreitet diese ZDF-Eigenproduktion Neuland. Sie wurde vollständig in hochauflösendem 4K produziert.

HbbTV: Damit auch der Zuschauer zu Hause die hochauflösende Version der TerraX-Dokumentation "Mythos Wolfskind" sehen kann, wird das ZDF die Folge sowohl zum Download als auch über das HbbTV-Portal auf Smart-TV-Geräte bereit stellen. Über die sogenannte Red-Button-Funktion eines 4K-fähigen Fernsehgeräts kann die Dokumentation über die ZDFmediathek in voller Auflösung angeschaut werden und übertrifft damit sogar die Auflösung des klassischen TV-Signals über Kabel und Satellit.

HbbTV ist ein offener Standard, der es ermöglicht auf Fernsehgeräten Internet-Inhalte darzustellen. Der größte Teil aller aktuellen Smart-TV-Geräte unterstützt auch HbbTV. Das Angebot wird parallel zum jeweils laufenden Fernsehprogramm mit der roten Taste der Fernbedienung gestartet.

Download auf terrax.zdf.de: Die Version zum Download wird auf der Webseite terrax.zdf.de zur Verfügung gestellt und bringt neben der höheren Auflösung zusätzlich auch einen erweiterten Dynamikbereich, sogenanntes HDR mit. HDR steht für High-Dynamic-Range und sorgt dafür, dass das Bild einen größeren Kontrast- und Farbumfang mitbringt, wodurch die Aufnahmen noch brillanter wirken und der Zuschauer mehr Details in hellen und dunklen Bereichen des Bildes erkennen kann.

Sonntag, 25. September 2016, 19.30 Uhr "Terra X: Mythos Wolfskind - Mogli und die wilden Kinder"; Dokumentation in 4K und VR-360°; Jens Monath, Heike Schmidt, Jan Prillwitz, Berti Kropac,Georg Graffe, Oliver Unbehend.

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