Ein Job-Symposium von "Brigitte": "Stunde der Frauen"

30.09.2016
 

Medien müssen sich immer mehr als Marken verstehen. Auch die "Brigitte" erweitert ihr Angebot - das Magazin aus dem Hause Gruner + Jahr lud am Donnerstag zum Job-Symposium nach Berlin ein. Für kress.de war Tania Witte vor Ort.

Am Anfang stehen immer die Badges - bei den Mitarbeitenden hängen sie an roten Bändern, an schwarzen für die Presse, die Referentinnen tragen blau, die Besucherinnen weiß. 300 weiße Umhängebänder gibt es an diesem spätsommerlichen Septembertag im Berliner Spreespeicher, einer schicken Location an der Oberbaumbrücke. Die Besucherinnen des ersten "Brigitte Job Symposiums" sind aus der ganzen Republik angereist, für 199 Euro pro Kopf war die Veranstaltung sofort ausverkauft. 

"Frauen und Beruf – Einsteigen, Aufsteigen, Umsteigen" ist das Motto der Konferenz und die Erwartungen sind hoch. Das liegt an der Schirmherrschaft der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ebenso wie an dem exquisiten Panel, das zur Eröffnungsdiskussion angetreten ist. 

Doch zunächst begrüßt "Brigitte"-Chefredakteurin Birgitte Huber die Teilnehmerinnen im randvollen Plenumssaal, spricht von der "Stunde der Frauen" und davon, dass in den vergangenen Jahren zwar viel in Bewegung gekommen sei, aber es eben auch noch sehr viel Luft nach oben gebe. Von Verbissenheit allerdings ist an diesem Morgen nichts zu spüren – als Gruner & Jahr CEO Julia Jäkel ihre Keynote präsentiert, kichert von der Leyen in der ersten Reihe mit Huber über Jäkels ebenso leidenschaftliche wie humorvolle Keynote. 

Ja zum Aufstieg 

Auch von der Leyens Rede ist überraschend witzig, weil überraschend persönlich. Sie erzählt von ihren Erfahrungen als junge Medizinerin und Mutter, von den Unterstützungen und Chancen, die sie bekam – und immer ergriff, weil sie, gesteht sie, lieber "Ja", als "Nein" sage. Das führte so weit, dass van der Leyen die Frage von Bundeskanzlerin Merkel, ob sie Verteidigungsministerin werden wolle, natürlich (!) bejahte, um dann im Auto als erstes "Verteidigungsministerium" zu googeln. Ganz schön sympathisch, ganz schön nahbar – als Frau und Unternehmerin, die Politikerin blitzt nur am Rande kurz auf und das ist gut so, denn es geht an diesem Tag nicht darum, sich zu profilieren, sondern darum, sich zu zeigen. Das Publikum ist begeistert – Empowerment at it’s best. 

Peptalks und Empowerment

Auch die folgende Podiumsdiskussion ist purer Peptalk. Denn die Frauen und Männer auf der Bühne ziehen an einem Strang – gegen gläserne Decken und für echte Gleichberechtigung. Alle wollen dasselbe, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Der Schweizer Unternehmer René Mägli, in dessen Unternehmen auf 135 Angestellte 131 Frauen kommen, ganz einfach, weil es effektiver und wirtschaftlicher sei, findet "Frauen sind besser, als sie denken". Nun, befiehlt er ihnen an, sollten sie doch bittesehr auch ein entsprechendes Gehalt einfordern. 

Neben ihm plädiert die Unternehmerin Maru Winnacker, die für die neue Start-Up-Generation steht, dafür, proaktiv zu agieren und keine Angst vorm Scheitern zu haben. Thomas Sattelberger, der sich selbst als "Veteran des Themas Diversity" bezeichnet, rät, unabhängig vom Alter auf die eigene Kraft zu vertrauen und Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender des sponsernden Finanzvertriebs MLP, hofft darauf, den Anteil an führenden Frauen in seinem Unternehmen weiter und weiter nach oben zu pushen – über die weltweit durchschnittlichen 16-20 Prozent hinaus. "Es ist noch ein weiter Weg", räumt er ein und wieder sind sich alle einig, Diskutierende und Zuhörerinnen. Einig aber auch darin, dass sie es wollen, allesamt. 

Weil es 2016 ist

Weil es Zeit wird, wie Julia Jäkel in ihrer Keynote sagte, und weil gemischte Teams nicht nur besser und effektiver miteinander arbeiten, sondern auch die Gleichberechtigung schließlich im Grundgesetz verankert und somit "unser Recht" sei. Außerdem, hier zitierte sie den kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau, sei es nun einmal 2016. Punkt. 

Pause. Ein Großteil der Presse entschwindet mit der Verteidigungsministerin, ein Großteil der Bodyguards auch. Die verbleibenden stehen ob der positiven Vibes eher ratlos herum oder beschäftigen sich mit ihren Handys. Halbes Stündchen, dann hält MLP-Geschäftsstellenleiterin Claudia Hümer einen Impulsvortrag. "Meine Karriere in der Männerwelt". Es ist erstaunlich, wie viel gelacht wird. Auch Hümer freut sich. "Das ist ja wie Wellnessurlaub heute!" Weil es so fließt, sich die Frauen so selbstverständlich wie wortlos verstehen, weil sie auf so viele gemeinsame Erfahrungen zurückgreifen. 

We can do it in Berlin

"Muss sich für die vereinzelten anwesenden Männer ganz schön komisch anfühlen heute", überlegt Hümer zwischendurch und ja, kann sein, aber nach verkehrter Welt fühlt sich das Konferenzklima nicht an, eher nach der Pfadsuche zur Umsetzbarkeit der gemeinsamen Ziele. We can do it in Berlin-Friedrichshain. 

Dann verteilen sich die Frauen in die dreimal drei Workshops, die drei Strängen folgen: "Digitale Kompetenz", "Erfolgreich gründen" und "Besser werden". Der dritte Bereich scheint zunächst am besten besucht. "Wahrscheinlich, weil wir uns da nicht aus unserer Komfortzone rausbewegen müssen", mutmaßt eine Teilnehmerin. 

Während der Mittagspause – die Gänge riechen intensiv nach dem Gas der Warmhaltebehälter, die Sofas auf der Terrasse sind voll besetzt und Sonne und Spree schaffen eine beinahe mediterrane Atmosphäre – während dieser Mittagspause also wird fleißig genetzwerkt und sich ausgetauscht. Sehr zur Freude der Veranstalterinnen, denn, so Maike Pelikan, stellvertretende Leiterin Markenkommunikation der "Brigitte", darum ginge es eben heute auch: Kontakte zu knüpfen, Netzwerke zu bilden. 

Netzwerken mit Spreeblick

Deshalb gibt es eine Networking Lounge, in der verschiedene Firmen zur Kontaktaufnahme einladen und die Frauen nach der professionellen Aufhübschung durch Stylistinnen und in Blazern aus dem "Brigitte"-Fundus gratis Bewerbungsfotos schießen lassen können. Und deshalb steigt nach der dritten Workshoprunde und einem erneuten Essen am frühen Abend eine Networking-Party. 

Es geht den Veranstalterinnen um Sichtbarkeit und um weibliche Solidarität. Und schon nachmittags ist abzusehen, dass das Symposium ein Erfolg war, auch wenn die Auswertung der Feedbackbögen noch aussteht. Der Andrang hat deutlich gemacht, wie groß der Bedarf nach gezielter Frauenförderung ist. Folgerichtig wird das Symposium im kommenden Jahr in die zweite Runde gehen, verspricht Maike Pelikan. 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.