Zitate-Ranking von Media Tenor: "Bild am Sonntag" großer Gewinner, "Bild" vor "Spiegel"

 

Die "Bild am Sonntag" ist nach dem dritten Quartal deutlicher Gewinner im Media Tenor Zitate-Ranking. Die Redaktion, angeführt von Chefredakteurin Marion Horn, hat vor allem ihr Gewicht zur Flüchtlingspolitik und in der Debatte um innere Sicherheit verstärkt. Zudem gibt es keine Zeitung, die beim Thema Automobil häufiger zitiert wird als "Bild am Sonntag". Größter Verlierer unter den deutschen Medien ist die "Welt".

Zu den Gewinnern der ersten neun Monate 2016 gehören außerdem Tanit Kochs und Julian Reicherts "Bild", Giovanni di Lorenzos "Die Zeit" und der "Tagesspiegel" von Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt, verloren haben vor allem internationale Titel. Auch Klaus Brinkbäumers "Spiegel" hat im Vergleich zum Vorjahr nachgelassen (1-9 2015: 1028; 1-9 2016: 954).

"Rote Gruppe dominiert"

"Ob bei den wichtigen Themen wie "Integration" oder "Innere Sicherheit" - mittlerweile dominieren Inhalte der Roten Gruppe von Axel Springer die Nachrichtenauswahl. Die Umstrukturierungen der letzten Jahre greifen und wirken sich auch journalistisch positiv aus", meint Roland Schatz, Gründer und CEO von Media Tenor International, zu den Resultaten des Zitate-Rankings. "Regionalzeitungen wie die "Rheinische Post" und der "Tagesspiegel" verstehen immer besser, aus ihrem Standort-Vorteil Potenzial zu schlagen. Und Titel wie das "Handelsblatt" werden mehr und mehr mit ihrer Kernkompetenz wahrgenommen und klettern insgesamt auf Gesamtrang 5."

Der "Tagesspiegel" aus Berlin hat seinen Standortvorteil in der Hauptstadt und die Nähe zur politischen Szene genutzt, um sich zu Themen wie Rechtsterror, Asylpolitik oder Mindestlohn-Verstöße zu positionieren. Auch Michael Bröckers "Rheinische Post" wird zu bundespolitischen Themen gut wahrgenommen. Zu großen Industriekonzernen am Standort Nordrhein-Westfalen wie Bayer, ThyssenKrupp, RWE oder E.ON konnte die "Rheinische Post" aber kaum Akzente durch ihre Berichterstattung setzen. Die "RP" muss da wieder mehr auf ihre stolze Reporter-Vergangenheit setzen.

Medien versäumen Themen vor der Haustür

"Viele Medien lassen die Chancen, die sich durch den Standort oder Spezialisierung auf bestimmten Gebieten ergeben, liegen", meint Roland Schatz. "Das "Wall Street Journal" ist ein gutes Beispiel: Es beweist überragende Agenda Setting-Qualitäten im Bereich der IT-Branche. Auf dem deutschen Medienmarkt ist kein Titel in Sicht, der sich diese Rolle zu erarbeiten versucht."

Auch im dritten Quartal hat es der "Spiegel" laut den Media-Tenor-Ergebnissen nicht geschafft, zu früherer Stärke als Meinungsführer zurückzukehren. Die Hamburger verloren ihre jahrelange Spitzenposition an "Bild".

Die Analyse nach Medien-Plattformen unterstreicht zudem die journalistische Ausnahmeposition von Print - im Vergleich zu TV, Radio und vor allem dem Online-Angebot raschelt es überall in der Republik, wenn Redakteure auf der Suche nach relevanten Entwicklungen sind.

Die Top 20 der meistzitierten Medien in den ersten neun Monaten 2016:

1. "Bild"-Zeitung (Herausgeber: Kai Diekmann; Chefredakteurin Print: Tanit Koch; Chefredakteur Digital: Julian Reichelt). 975 Zitate.

2. "Der Spiegel" (Chefredakteur: Klaus Brinkbäumer; Stellvertretende Chefredakteure: Susanne Beyer, Dirk Kurbjuweit, Alfred Weinzierl). 954 Zitate.

3. "Bild am Sonntag" (Herausgeber: Kai Diekmann; Chefredakteurin: Marion Horn; Stellvertretender Chefredakteur: Tom Drechsler). 704 Zitate.

4. "Süddeutsche Zeitung" (Herausgeber: Johannes Friedmann, Albert Esslinger-Kiefer, Thomas Schaub, Christoph Schwingenstein; Chefredakteure: Kurt Kister, Wolfgang Krach; Mitglied der Chefredaktion, Innenpolitik: Heribert Prantl; Mitglied der Chefredaktion, Digitale Projekte: Stefan Plöchinger). 685 Zitate.

5. "Handelsblatt" (Verleger: Dieter von Holtzbrinck; Herausgeber: Gabor Steingart; Chefredakteur: Sven Afhüppe; Stellvertretende Chefredakteure: Peter Brors, Thomas Tuma). 434 Zitate.

6. "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Holger Steltzner). 423 Zitate.

7. "Welt am Sonntag" (Herausgeber: Stefan Aust; Chefredakteur: Ulf Poschardt; Stellvertreter des Chefredakteurs: Arne Teetz, Oliver Michalsky, Beat Balzli). 418 Zitate.

8. "Die Welt" (Herausgeber: Stefan Aust; Chefredakteur: Ulf Poschardt; Stellvertreter des Chefredakteurs: Arne Teetz, Oliver Michalsky, Beat Balzli). 367 Zitate.

9. "New York Times" (Herausgeber: Arthur Ochs Sulzberger jr.; Chefredakteur: Dean Baquet). 338 Zitate.

10. "Der Tagesspiegel" (Verleger: Dieter von Holtzbrinck; Herausgeber: Giovanni di Lorenzo, Sebastian Turner; Chefredakteure: Stephan-Andreas Casdorff, Lorenz Maroldt; Stellvertretender Chefredakteur: Arno Makowsky). 318 Zitate.

11. "Rheinische Post" (Herausgeber: Karl Hans Arnold, Man­fred Droste, Flo­rian Merz-Betz, Irene Wen­de­roth-Alt; Ehren-Herausgeberin: Esther Betz; Chefredakteur: Michael Bröcker; Stellvertretende Chefredakteure: Horst Thoren, Stefan Weigel). 305 Zitate.

12. "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Holger Steltzner). 284 Zitate.

13. ARD (Chefredakteur: Rainald Becker). 266 Zitate.

14. "Wall Street Journal" (Chefredakteur: Gerard Baker). 242 Zitate.

15. "Financial Times" (Chefredakteur: Lionel Barber). 239 Zitate.

15. NDR (Chefredakteur: Andreas Cichowicz). 239 Zitate.

17. ZDF (Chefredakteur: Peter Frey). 238 Zitate.

18. WDR (Chefredakteurin: Sonia Mikich). 233 Zitate.

19. Redaktionsnetzwerk Deutschland (Chefredakteur: Matthias Koch; Mitglieder der Chefredaktion: Rüdiger Ditz, Marco Fenske). 219 Zitate.

20. "Die Zeit" (Chefredakteur: Giovanni di Lorenzo; Stellvertretende Chefredakteure: Moritz Müller-Wirth, Sabine Rückert, Bernd Ulrich). 217 Zitate.

Meistzitierte Nachrichtenagentur

1. Deutsche Presse-Agentur dpa (Chefredakteur: Sven Gösmann; Stellvertreter des Chefredakteurs: Roland Freund; stellvertretende Chefredakteurinnen: Antje Homburger, Hilke Segbers und Jutta Steinhoff). 198 Zitate.

Einordnung Roland Schatz: "War nach dem ersten Halbjahr Bloomberg noch an der Spitze der meistzitierten Agenturen, so übernimmt nach drei Quartalen dpa diese Position. Die Nachrichtenagentur dpa hat sich etwa im dritten Quartal erfolgreich in der Debatte zum Scheitern der TTIP-Verhandlungen positioniert."

kress.de-Übersicht: Meistzitierten Medien zu unterschiedlichen Branchen

E-Technik/IT

1. "Wall Street Journal"

Einordnung Roland Schatz: US-Unternehmen wie Apple, Google, Microsoft & Co. dominieren die Berichterstattung zum IT-Sektor, angelsächsische Medien sind meistzitiert. Der deutsche IT-Sektor und deutsche Medien sind unterrepräsentiert.

Automobil

1. "Bild am Sonntag"

Einordnung Roland Schatz: Die "Bild am Sonntag" hat die Meinungsführerschaft zum Autosektor übernommen. So hat die "Bild am Sonntag" etwa breite Aufmerksamkeit mit der Nachricht von der Entlassung von Audi-Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch erzielt, der frühzeitig von der Betrugssoftware beim Drei-Liter-Diesel-Motor gewusst haben soll.

Banken

1. "Handelsblatt"

Einordnung Roland Schatz: "Hatte nach dem ersten Halbjahr noch die "Financial Times" Rang 1 zum Bankensektor inne, so brachte sich das "Handelsblatt" in dritten Quartal mit vielen exklusiven Recherchen und Interviews zur Branche intensiver ins Gespräch."

Parteien/Parteipolitik

1. "Der Spiegel"

Einordnung Roland Schatz: "Zum Parteienstreit bleiben "Spiegel" und "Bild" die stärksten Agenda-Setter. Der "Tagesspiegel" hat sich hervorgetan zu den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zählt inzwischen zu den meistzitierten Medien in der Auseinandersetzung der Parteien."

Unternehmensstrategie

1. "Handelsblatt"

Einordnung Roland Schatz: "War das "Handelsblatt" bislang nicht unter den meistzitierten Medien zur Unternehmensstrategie, so haben sich die Düsseldorfer hier deutlich verbessert. Die tiefgründig aufgearbeiteten Tagesthemen zu Branchen oder Unternehmen gaben oft den Ausschlag für Zitierungen."

Flüchtlinge/Asylpolitik

1. "Bild am Sonntag"

Einordnung Roland Schatz: "Die "Süddeutsche Zeitung" nutzt den Disput zwischen Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer in der Flüchtlingspolitik und verschafft sich größere Aufmerksamkeit. Die Rheinische Post, die nach dem ersten Halbjahr noch auf Rang 4 war, verliert etwas an Einfluss beim Thema."

Innere Sicherheit / Spionage / Kriminalität

1. "Der Spiegel"

Einordnung Roland Schatz: "Nachdem im zweiten Halbjahr vor dem Hintergrund der Panama Papers die "Süddeutsche Zeitung" meistzitiert zum Thema Innere Sicherheit war, hat sich der "Spiegel" bei diesem Thema inzwischen wieder die Meinungsführerschaft zurückerobert."

EU-Politik

1. "Der Spiegel"

Einordnung Roland Schatz: "Die Welt" landet etwa mit dem Interview mit Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn einen Scoop, in dem dieser den Ausschluss Ungarns aus der EU gefordert hatte. Das Interview wurde auch breit in den wichtigen TV-Abendnachrichten zitiert.

Hintergrund: Die Auswertung

Insgesamt wurden von den Analysten um Roland Schatz zwischen Januar und September 2016 in den Politik- und Wirtschaftsteilen der 40 deutschen Meinungsführermedien 19.648 Zitate (Vorjahr: 18.879 Zitate) ausgewertet. Jeder Artikel wird von den Analysten gelesen und jedes Zitat auf seine Relevanz geprüft, zudem überprüfen sie, ob eine inhaltliche Recherche-Leistung mit dem Zitat verknüpft ist und Nachrichten transportiert werden oder nicht.

Untersucht wurden "Berliner Zeitung", "Bild", "Die Welt", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Leipziger Volkszeitung", "Süddeutsche Zeitung", "taz", "Tagesspiegel", ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF Heute und Heute Journal, Bericht aus Berlin, Berlin direkt, Fakt, Frontal 21, Kontraste, Monitor, Panorama, Plusminus, Report (BR), Report (SWR), Börse im Ersten, "Die Zeit", "Focus", "Spiegel", "Stern", "Super Illu", "Brand Eins", "Bild am Sonntag", "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", "Welt am Sonntag", "Handelsblatt", "Wirtschaftswoche", "Capital", "Manager Magazin" sowie die 7-Uhr-Nachrichten vom Deutschlandfunk.

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