Streit um neues Layout der "Südwest Presse": Wie sich der Grüne Boris Palmer einmal mehr mit den falschen Gegnern anlegte

 

Der Relaunch der "Südwest-Presse" hat für einen heftigen Streit zwischen Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und "SWP"-Chefredakteur Ulrich Becker sowie "Südkurier"-Chefredakteur Stefan Lutz gesorgt. Mit den klaren Worten der Top-Journalisten auf seinen verbalen Angriff hat Boris Palmer offensichtlich nicht gerechnet. Die Hintergründe.

Grünen-Politiker Boris Palmer greift die "Südwest Presse", die in seiner Stadt den Mantel für das "Schwäbische Tagblatt" liefert, scharf an. "SWP"-Chefredakteur Ulrich Becker wehrt sich im kress.de-Gespräch und attackiert sowohl Stil als auch Inhalt von Palmers Kritik. Sein Kollege Stefan Lutz vom "Südkurier" stellt sich ebenfalls auf Beckers Seite. Palmer dagegen wollte sich zu dem Konflikt nicht weiter äußern.

"Nur Blabla oder sinnentstellende Verkürzungen"

Auf seiner Facebook-Seite schreibt das grüne Stadtoberhaupt: "Das neue Layout der Heimatzeitung hat wie schon die letzten Modernisierungen mehr Luft und weniger Text zur Folge. Ich halte das für einen schweren Fehler." Der Effekt sei "entweder nur Blabla oder sinnentstellende Verkürzungen". Der Oberbürgermeister verknüpft diese Polemik mit einer Kritik an einem Text über die Vergabe des Integrationspreises, in dem er sich einseitig zitiert fühlt.

"Wenn es ihm darum geht", fragt Becker im Gespräch mit kress.de, "warum ruft er mich dann nicht einfach an?" Der Chefredakteur hält die öffentliche Schelte via Facebook für "keinen guten Stil". Auseinandersetzungen zwischen den Kollegen vom "Schwäbischen Tagblatt" und Palmer habe es in der Vergangenheit schon häufiger gegeben, sagt Becker: "Dass die Zeitung und der Oberbürgermeister aneinandergeraten, liegt ja in der Natur der Sache." Aber: "Kritik in einer solchen Form - vor allem am Layout - gab es von Palmer noch nie."

"Er verkürzt selbst unzulässig"

Was Becker besonders erzürnt, ist, dass der Grünen-Politiker genau das tue, was er der Zeitung vorwerfe: "Er verkürzt selbst unzulässig." Denn Palmer habe einfach den ersten Teil des Satzes weggelassen, in dem Gernot Stegert, verantwortlich für das "Tagblatt", das neue Layout erklärt habe. Dort stehe, "große Themen werden ausführlicher und umfassender behandelt - also mit mehr Text".

Stegert hatte darüber hinaus geschrieben: "Wir wollen noch mehr Hintergründe erhellen, Geschichten erzählen und Menschen porträtieren als bisher. All das braucht Platz." Und: "Der Relaunch ist nichts bloß Äußerliches. Die Form folgt den Inhalten." Davon schreibe Palmer, so moniert Becker, in seinem Post jedoch nichts. Stattdessen komme die "Blabla-Formulierung". Als Kommentar auf Palmers Facebook-Eintrag schob Becker noch ein Ironisches: "Willkommen im Boulevard" hinterher. Darauf ging der OB nicht ein, sondern antwortete lediglich, dass nun "viele Themen in Kleintexte gepresst werden. Damit folgt der Inhalt der Form. Ich halte das für grundfalsch." Eine fehlende "Flexibilität in der Textlänge wegen Layoutvorgaben ist für mich ein no go", formulierte er dann später, als Becker versöhnlich darum bat, "erstmal eine Chance" zu bekommen, "Sie vom Gegenteil" zu überzeugen.

Palmers Worte "unangemessen und unfair"

Palmer, der ein Gespräch mit kress.de ablehnte, musste weitere Kritik einstecken. Bemerkenswert ist, dass sich mit Stefan Lutz vom Konstanzer "Südkurier" der Chefredakteur eines Mitbewerbers auf die Seite der Journalisten aus Ulm und Tübingen stellt. Im Gespräch mit kress.de sagte Lutz: "Die Kollegen haben sicherlich hart und lange an dem neuen Konzept gearbeitet, und dann kommt der OB und haut das Relaunch in die Tonne." Das sei "unangemessen und unfair". Denn es gehe um die Produktveränderung eines "privatwirtschaftlichen Unternehmens". Lutz unterstellt, dass sich Palmer "niemals in einen anderen örtlichen Betrieb so unangemessen einmischen würde". Offenbar habe sich der OB, so vermutet Lutz aufgrund des Facebook-Posts, darüber geärgert, in einem Artikel "zu kurz gekommen zu sein". Dass er daraufhin das gesamte Layout der Zeitung kritisiere, sei ein "Fehler" und empöre ihn. Palmer wolle offenbar eine "offene Rechnung begleichen".

"Auf die Heimatzeitung einnageln"

In der hitzigen Debatte auf Palmers Facebook-Seite hatte Lutz von einem "Fallbeil" gesprochen, das der Politiker über den Journalisten "gelöst" habe. Er sprach von einem OB, der "auf seine Heimatzeitung einnagelt". Auch Palmers Stil behagte Lutz nicht: "Vielleicht hätte es ein persönlicher Brief an den CR auch getan..."Der wehrte sich und zog sich darauf zurück, lediglich "als Leser einen Sachverhalt" zu kritisieren: "Den Chef anzurufen, wäre politische Einflussnahme mit dem Telefon. Das hielte ich für ganz falsch." Lutz möchte dies nicht gelten lassen: "Der Oberbürgermeister ist eben nicht irgendein Leser. Auf den wird geachtet und gehört", so Stefan Lutz zu kress.de. Palmer schade mit seiner Vorgehensweise "dem Haus und den Mitarbeitern".

Hintergrund

Immer wieder fällt der grüne Lokalpolitiker Boris Palmer mit Beiträgen auf, für die er massive Kritik erntet. Erst im August hatte er in einem Interview in der "Stuttgarter Zeitung" erklärt, gewaltbereite Flüchtlinge auch nach Syrien abzuschieben. Dafür war er von der Grünen-Parteispitze kritisiert worden.

Ihre Kommentare
Kopf

DolceDaggi

05.10.2016
!

Da ist eben einer der Sohn seines Vaters - Helmut Palmer, der Remstalrebell. Er hatte auch zu allem eine Meinung und wenn es damals Facebook gegeben hätte, wäre er genau so losgeprescht.
Als OB von Tübingen gibt es sicher wichtigere Themen zu bearbeiten als das Layout der örtlichen Tageszeitung - das sicher keine Rolle gespielt hätte, wenn sich Boris Palmer adäquat behandelt fühlen würde. Ich erinnere an das Apfelschorle-Drama beim Wandern auf der Alb. Für mich klingt das nach Profilneurose.


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