Die SWMH schnappt zu: Medienholding übernimmt Mehrheit an "Eßlinger Zeitung"

 

Die "Eßlinger Zeitung" verliert ihre Selbstständigkeit: Die "Stuttgarter Zeitung", bisher Minderheitsgesellschafter (24 Prozent), übernimmt Anteile von Verlegerin Christine Bechtle-Kobarg (63 Prozent) und hält künftig die Mehrheit am Bechtle Verlag und an der baden-württembergischen Regionalzeitung. Weiterer Gesellschafter ist und bleibt mit 13 Prozent die GO Druck Media Verlag GmbH & Co. KG aus Kirchheim Teck.

Bechtle-Kobarg beende mit dem Verkauf ihr "direktes unternehmerisches Engagement" in Esslingen, heißt es in einer Pressemitteilung. Sie bleibe jedoch Herausgeberin der Zeitung und - mittelbar - auch Gesellschafterin: Sie gehört zur Gruppe Württembergischer Verleger und ist mit 0,77 Prozent an der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) beteiligt, zu der die "Stuttgarter Zeitung" zu 100 Prozent gehört.

Herbert Dachs, Geschäftsführer der "Stuttgarter Zeitung" und der übergreifenden Medienholding Süd, deutet in der Mitteilung an, was nun in Esslingen ansteht: Für die nächsten Wochen und Monate sei der "Erhalt und Ausbau von Know-how sowie die Ausschöpfung von Synergiepotenzialen" geplant - "unter Berücksichtigung der Eigenständigkeit von Eßlinger Zeitung und der Markstellung der Druckaktivitäten", wie er beteuert. Bechtle-Kobarg schreibt, die vorgesehene engere Verbindung zur Zeitungsgruppe Stuttgart gewährleiste die "wirtschaftlich starke nachhaltige Entwicklung von Bechtle Verlag und Druck".

Die Unternehmensgruppe hat 2014 einen Umsatz von 68,1 Mio Euro gemacht (neuere Zahlen gibt es nicht). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug 3,7, der Konzernjahresüberschuss 2,9 Mio Euro. Die "Eßlinger Zeitung" (Chefredakteur: Gerd Schneider) erscheint im Stadt- und Landkreis Esslingen, kommt zusammen mit ihren Schwestertiteln "Cannstatter Zeitung" und "Untertürkheimer Zeitung" auf eine Auflage von knapp 40.000 verkauften Exemplaren und hat (noch) eine Vollredaktion. Zur Unternehmensgruppe gehören auch Anzeigenblätter (u.a. "Esslinger Echo"), Druckereien und Postdienstleistungen. Mit dem Verkauf der Mehrheit an die "Stuttgarter Zeitung" endet in Esslingen jetzt eine fast 150-jährige Tradition: Die Familie Bechtle gibt die Zeitung seit 1868 heraus. "Bechtle gehört zu Esslingen wie die Eßlinger Zeitung zum guten Morgen", heißt es auf der Verlags-Website.

Der langjährige Geschäftsführer der Zeitung, Werner Schumacher, hatte das Haus Ende 2015 verlassen, woraufhin Verlegerin Bechtle-Kobarg selbst die Geschäftsführung übernahm (kress.de vom 10. Dezember 2015). Einige Monate später holte sie sich dann Andreas Heinkel, Ex-Geschäftsführer des "Münchner Merkurs", als Berater an ihre Seite, beteuerte aber, das Unternehmen weiterhin alleine führen zu wollen: "Das ist alles machbar", sagte sie damals im Gespräch mit kress.de (kress.de vom 2. September 2016). In Zukunft machen in Esslingen andere.

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