Betriebsrat der "Hamburger Morgenpost" schlägt Alarm: Jeder vierte Redakteur muss angeblich gehen

 

Der Betriebsrat der "Hamburger Morgenpost" befürchtet einen erheblichen Jobabbau in der Redaktion des Boulevardblatts. In einem Schreiben an die Belegschaft von Donnerstag ist von einem Plan von Geschäftsführung und Chefredaktion die Rede, 15 bis 17 der insgesamt 65 Stellen dort zu streichen. Das entspräche einem Viertel der Redakteure.

Gefährdet sind laut Betriebsrat vor allem das Layout und die Politik. Die Arbeitnehmervertreter nennen das Vorhaben einen "einmaligen Schritt in der Redaktionsgeschichte" und fordern eine "sofortige Offenlegung der Pläne und angedachten Szenarien". Der Sparplan ist nach Darstellung des Betriebsrats Folge bzw. Teil eines Umbauvorhabens unter der Bezeichnung "Agile Redaktion", für das die "Mopo" sich im Frühjahr Unterstützung von der Unternehmensberatung Ebner Stolz geholt hat.

"Keine konkreten Beschlüsse"

Die "Hamburger Morgenpost" gehört zur Kölner DuMont Mediengruppe. Eine Unternehmenssprecherin erklärte auf Anfrage von kress.de zu den Behauptungen des Betriebsrats lediglich, es gebe "keine konkreten Ergebnisse oder Beschlüsse über Maßnahmen bei der 'Mopo'". Das Projekt "Agile Redaktion" sei eine Reaktion auf die "Erosion unseres alten Geschäftsmodells" und diene der "Transformation der Marke, um den Herausforderungen des digitalen Wandels konsequent begegnen zu können".

DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer hat die Situation der "Mopo" im Gespräch mit "kress pro" (Ausgabe 7/2016) gerade als eine "große Herausforderung" beschrieben: "Die 'Mopo' ist ein toller Titel, aber Boulevard ist wirtschaftlich ein schwieriges Genre", sagte er. Immerhin erziele der Verlag im Digital-Geschäft schon "schöne Erträge".

Ähnliche Vorhaben wie in Hamburg gibt es auch für andere Standorte des Unternehmens: So läuft in Köln ein Projekt, das in eine engere Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" münden soll (kress.de vom 1. September 2016). Verantwortlich dafür ist Thilo Knott, Chefredakteur digitale Transformation der Mediengruppe. Ergebnisse sollen bis zum Jahresende vorliegen.

Knott ist auch maßgeblich an der Neuaufstellung der Redaktionen von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" beteiligt. Der Verlag will Ende Oktober ein neues Organisationskonzept für seine beiden Hauptstadttitel vorstellen. Kundige Beobachter wie Uwe Vorkötter, Ex-Chefredakteur der "Berliner Zeitung" und jetzt "Horizont"-Chefredakteur, rechnen auch für die Berliner Redaktionen mit einem tiefen Einschnitt.

Die "Hamburger Morgenpost" kommt laut IVW noch auf eine Auflage von 73.149 verkauften Exemplaren. Das bedeutet ein Minus von knapp 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die konkurrierende Hamburg-Ausgabe von "Bild" erzielte zuletzt 165.804 (-4 Prozent).

Chefredakteur der "Mopo" ist Frank Niggemeier, Geschäftsführer sind Susan Molzow und Michael Braun.

Ihre Kommentare
Kopf

Angelika

14.10.2016
!

Ich bin Hamburgerin, die täglich die MoPo kauft. Die Qualität der Artikel und Berichterstattungen hat deutlich nachgelassen, kürzere Texte, dafür aber riesige Bilder. Wofür? Ich befürchte, wenn noch weniger Redakteure sich um 'unsere' Hamburger MoPo kümmern, wird das Niveau der BILD-Zeitung bald erreicht sein - mehr Leser werden dadurch nicht hinzu gewonnen....
Ich werde wohl die Zeitung nicht mehr kaufen...


Hans

14.10.2016
!

Anstatt sich weiter kaputt zu sparen, sollte man lieber in vernünftige digitale Modelle investieren. Möglichkeiten gibt es sicher genug, wenn man 1+1 zusammenzählt. Sonst muss in paar Jahren ein weiterer Teil der Belegschaft gehen.


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