Chefredakteur Simon Kerbusk über neue Möglichkeiten bei "Zeit Campus": Das "Leben" steht jetzt ganz vorne

20.10.2016
 

Zehn Jahre gibt es das Magazin "Zeit Campus" nun schon. Sein Anspruch ist es, Studenten und jungen Akademikern nicht nur mit Rat und Tat beiseite zu stehen, sondern sie durch die gesamte Lebensphase hindurch zu begleiten. Der Erfolg scheint den Blattmachern Recht zu geben. kress.de sprach mit Chefredakteur Simon Kerbusk.

Die Nachricht hätte gar nicht besser sein können zum zehnjährigen Jubiläum: Kürzlich stellte die neueste AWA-Studie fest, dass das Magazin "Zeit Campus" seine Auflage binnen Jahresfrist um satte 21 Prozent auf 105.000 Leser hochschrauben konnte. Damit erreicht das Magazin nunmehr 600.000 Leser pro Ausgabe, so die Markt- und Werbeträgeranalyse des Instituts für Demoskopie Allensbach. "Das sind Zahlen, über die wir uns natürlich sehr freuen", sagt Chefredakteur Simon Kerbusk. Laut den aktuellen Erhebungen der IVW zum dritten Quartal 2016 kletterte die verkaufte Auflage im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,4 Prozent auf 96.337 Exemplare. Besonders positiv ist die Entwicklung des Abonnements, es konnte um 7,9 Prozent zulegen auf 46.532 Exemplare.

So hat man sich zum Geburtstag dieser Tage auch ein ganz besonders umfangreiches Heft gegönnt. Dabei war es bei der Gründung vor zehn Jahren kein Selbstläufer: Ein Magazin für Studenten und junge Akademiker, das sich durchsetzen musste gegen die kostenlose Konkurrenz, die allenthalben in den Unis so herumliegen. Für "Zeit Campus" muss der Leser zahlen - und Geld ist meistens das, was Studenten nicht gerade im Überfluss haben.

"Ein Ratgeberheft machen wir nicht"

Aber die Redaktion, die im "Zeit"-Haus am Hamburger Speersort beheimatet ist, muss ihre Arbeit wohl gutgemacht haben. Seit fünf Jahren sitzt Kerbusk auf dem Sessel des Chefredakteurs. "Wir leben davon zu erspüren, was für unsere Zielgruppe in dieser Lebensphase wirklich relevant ist", sagt Kerbusk, der selbst jünger ist als manche der studentischen Leser. Ihm ist wichtig, dass sich sein Magazin keineswegs nur an ein studentisches Publikum wendet. "Unser Heft soll unsere Leser in der lebensphase des Studiums und der ersten Jahre im Job begleiten". Dabei gehe es nicht um die klassische Studienberatung. "Wir machen ein Magazin, keine Ratgeberreihe", so Kerbusk. Die Redaktion wolle keine Ratschläge von oben herab geben. "Wir sprechen unsere Leser auf Augenhöhe an".

Bevor er Chefredakteur wurde, studierte Kerbusk ein naturwissenschaftliches Fach und schrieb als freier Mitarbeiter für "Campus". "Eigentlich dachte ich eher daran, als Wissenschaftsjournalist zu arbeiten". Doch dann kam der Ruf aus Hamburg, den er nicht ablehnen konnte.

Das Themenspektrum geht weit über typische Uni-Themen hinaus. Im Heft gibt es eine Dreiteilung: Leben, Studieren, Arbeiten. Die Heftseiten werden natürlich auch gefüllt mit typischen Themen, die Jungakademiker betreffen; aber es gibt auch seichtere Modeartikel. Doch das reicht weder Redaktion noch Leserschaft aus. "Wichtig sind uns auch philosophische Lebensfragen, die Menschen in dieser Phase interessieren", erklärt Kerbusk. Was erwarte ich vom Leben? Wo ist mein Platz? Und damit treffen die Blattmacher offenbar voll den Nerv der Leser. Das zeigten auch immer wieder die Reaktionen auf die Hefte.

"Karriere" ist nicht mehr das wichtigste

Die Themen spiegeln auch Entwicklungen unter Deutschlands Studenten wider. Während beispielsweise Mode in den achtziger Jahren undenkbar in einem Studentenmagazin gewesen wäre, so stand bei der Gründung vor zehn Jahren die Karriere, das eigene Fortkommen sehr weit oben in der Themenrangfolge. "Da ist viel in Bewegung geraten.  Die Suche nach dem richtigen Job ist noch immer eine zentrale Frage für unsere Zielgruppe, aber der klassische Karriereweg mit Führungsposition und Dienstwagen wird hinterfragt. Viele sind auch nicht bereit, dafür anderes hintenanzustellen." Darauf haben Kerbusk und seine Kollegen reagiert: Statt ganz hinten steht das Ressort "Leben" neuerdings ganz vorne. Und schließlich solle ja auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommen.

Das bringt auch neue Möglichkeiten für den Blattfluss. Mit "Leben" kann das Heft mit opulenteren Aufmachungen ins Heft einsteigen als früher - große Reportagen mit längeren Bilderstrecken zum Beispiel. Auch einige graphische Neuerungen hat man sich zum Jubiläum gegönnt, zum Beispiel wurde der Titelkopf freier gestellt. Seit vergangenem Frühjahr ist "Zeit Campus" zudem auch online. Ein wenig spät, das gibt Kerbusk durchaus zu.

Die eigentliche Redaktion ist mit etwa zehn Mitarbeitern, von denen einige auch nur in Teilzeit arbeiten, nicht gerade ausufernd groß. Aber Kerbusk kann auf einen großen Pool von Studentinnen und Studenten an den Unis zurückgreifen, die für sein Blatt schreiben. Das ist auch wichtig, weil sie genau wissen, was an den Hochschulen abgeht, was den Kommilitonen wichtig ist und welche Sprache sie sprechen. Einen Austausch gibt es auch mit den Kollegen der "Zeit". Aber Kerbusk betont die Unabhängigkeit, die das kleine "Zeit Campus"-Team trotz der räumlichen genießt und die ihm auch wichtig ist.

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