Einwurf von Stefan Kiwit: Was erlauben Werbebranche?

21.10.2016
 
 

Jochen ist sauer - und zwar zu Recht. Was erlauben Werbebranche? Es war doch alles so schön! Eine Glosse von Stefan Kiwit, Geschäftsführer von Exit-Network und Kolumnist von "kress pro".

Jede Woche reißt sich die verbliebene Rest einer längst nicht mehr existenten Spezies um die gedruckte Gerüchteküche eines Münchener Spezialverlags - kämpfen darin schließlich die mutigen Helden der Hochglanzzunft bei Wind und Wetter ehrenwert gegen das miese Image einer Branche, deren Selbstzerfleischung sie in ihrem Perpetuum-Mobile auf ein neues Allzeithoch getrieben haben.

Doch diesmal ist alles anders und auch die Helden aus München scheinen in diesem Kampf auf verlorenem Posten - denn offenbar scheint es in dem Sammelbecken kreativer Faustkämpfer geheime Kräfte zu geben, die ganz gezielt falsche Fährten gelegt haben. Wie bitte? Schurken und Übeltäter unter uns? Verborgene Quellen und vergiftete Flüsse? Ja, und während wir alle in vorauseilendem Gehorsam versuchen, diese Kräfte mit ordentlich Feuer, zahlreichen Ohrfeigen und wilden Schamanentänzen wieder zu vertreiben tritt die tribunalisierte Spitze der allwissenden Marketingdiskutanten auf den Plan, beschwört selbstlos die Selbstachtung, warnt seine Jünger vor falschem Spiel und skizziert bereits das Ende unseres geliebten 18/1-Landes.

Oh je! Jetzt scheint sie wirklich gekommen - die dunkelste Stunde der Branche. Der GWA beschließt seine Selbstauflösung, der ADC wählt zwanzig Bullen an seine Spitze und alle Art Direktoren versuchen noch irgendwie ihre Nägel in Sicherheit zu bringen.

Doch plötzlich aus dem nichts - die ersten Tränen sind noch nicht getrocknet - keimt Hoffnung auf und die Retter der Markenwelt reiten ein. Mit wehenden oder wahlweise zurückgegeelten Haaren, strahlendem Gewinnerlächeln, coolen Sneakern, wohlklingendem Slang und jahrelanger - ach was - jahrhundertelanger Erfahrung. Sie haben ihn gefunden - den Schuldigen, den Schurken, den Verräter. Klar, wir hätten es ahnen können. Ein Gerüchtepyroman war irgendwie entkommen und hatte uns alle 72 Stunden in Atem gehalten!

Puh, das war knapp. Aber zum Glück winkt auf Burg Rüsselsheim morgen schon der nächste, unbezahlte Pitch in den wir uns alle Hals über Kopf stürzen können und dann endlich auch beweisen werden, wer die sagenumworbene Ohrfeige eigentlich erfunden hat.

An die Arbeit!

Stefan Kiwit

 

Ihre Kommentare
Kopf

Markus Börner

21.10.2016
!

Endlich mal ein Artikel, der der Werbebranche den Spiegel vorhält. Wir nehmen uns und unsere Arbeit viel zu Ernst - und mal ehrlich: Wer interessiert sich denn wirklich für den Ausgang eines ominösen Auto-Pitches. Wie sagt Stephan Vogel: Stop Advertising start Entertaining.


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