Sabine Fäth, Gründerin des Start-ups "Scribershub", sagt: "Nicht Content, sondern Quality Content is King"

 

Seit wenigen Tagen gibt es mit "Scribershub" eine Vermittlungsplattform zwischen freien Journalisten und Unternehmen, die Schreiber suchen. Betreiberin Sabine Fäth setzt vor allem auf Qualität - und faire Bezahlung für Autoren. kress.de interviewte die Hamburgerin.

Sabine Fäth war viele Jahre als Journalistin unterwegs, zuletzt als Chefredakteurin der Frauenzeitschrift "Für Sie". Den Redaktionsalltag hat sie hinter sich gelassen, die Medienbranche aber nicht. Die Hamburgerin gründete das Start-up "Scribershub", eine Vermittlungsplattform für freie Journalisten, Autoren und Texter im In- und Ausland sowie Unternehmen, die Schreiber suchen. 

Auf den ersten Blick erinnert das Projekt an all die Crowdworking-Modelle, die schon seit Jahren im Internet präsent sind. Wie sich Fäth von der Konkurrenz abheben will und das Ganze überhaupt funktioniert, erklärt sie im Interview mit kress.de:

kress.de : Frau Fäth, zunächst einmal die Frage, die auf der Hand liegt: Wie kamen Sie auf die Idee für das Portal? 

Sabine Fäth: Aus eigenem Mangel heraus. In meiner Zeit als Chefredakteurin habe ich es x-mal erlebt, dass ich dringend einen Journalisten für eine bestimmte Story, ein spezielles Gebiet gesucht habe. Sobald das eigene Netzwerk nichts hergab, war es selten einfach und hat vor allem immer sehr viel Zeit gekostet, die ich eigentlich gar nicht hatte, den geeigneten Schreiber zu finden. Vielen Kollegen ging und geht es ähnlich. 

Sie gehen also davon aus, dass es genügend Bedarf für diese Art von Vermittlung gibt, so dass ihr Start-up zur festen Größe im Medienbusiness wird. Woher nehmen Sie die Zuversicht? 

Sabine Fäth: Die Plattform kommt genau zur richtigen Zeit. Traditionsverlage bauen Stellen ab, entlassen Schreiber in den Freelancermarkt und die Millennials sind zunehmend als Digitalnomaden unterwegs. Zugleich tummeln sich neue Player am Markt, man denke nur ans Corporate Publishing. Viele Agenturen bauen eigene Content-Bereiche auf oder massiv aus. Der Bedarf an sehr gut recherchierten, schön geschriebenen Inhalten steigt, vielleicht war er noch nie so groß wie heute. Nicht Content, sondern Quality Content is King. Die Nachfrage nach exzellenten Autoren, die für Qualität stehen, ist da. 

Ihr Claim lautet denn auch "Scribershub vernetzt die Besten mit den Besten". Es ist das eine zu erklären, nur die Crème de la Crème der freischaffenden Schreiberzunft auf der Plattform zu haben. Aber es ist das andere, Topqualität zu garantieren... 

Sabine Fäth: Es ist wie bei einer Vermittlungsplattform für Singles: Die Partnerschaft kann ein Flirt sein, aber auch eine feste und große Liebe. Um im Bilde zu bleiben: Als Vermittlerin tue ich alles dafür, die versprochene Qualität zu sichern. Ich habe strenge Auswahlkriterien, wer als Schreiber auf der Plattform zugelassen wird. Ich schaue mir Lebensläufe, Abschlüsse und Arbeitsproben an und verlange Referenzen, bevor ich jemanden freischalte. Bei Scribershub haben sich namhafte Autoren angemeldet, die in der Branche bekannt sind. Was aber nicht heißt, dass Berufsanfänger keine Chance haben, als Autoren akzeptiert zu werden. Wenn sie die entsprechenden Qualifikationen mitbringen, sind sie herzlich willkommen. 

Crowdsourcing-Plattformen stehen - einige zu Recht, andere zu Unrecht - unter Verdacht, ihre Crowd regelrecht auszubeuten. Wie sorgen Sie für faire Bezahlung? 

Sabine Fäth: Scribershub ist keine Handelsbörse, sondern ein Kontaktportal. Ich halte mich persönlich aus den Honorvereinbarungen raus. Die Plattform ist nicht so konzipiert, dass man sich unterbieten kann oder gar muss. Der Auftraggeber kann nur gezielt Autoren anschreiben, ob sie Interesse haben und dann mit dem Auserwählten über die Entlohnung verhandeln. Er kann aber nicht eine Art Inserat aufgeben, wie man es von typischen Crowdworking-Tools kennt, in dem ein mehr oder weniger mageres Honorar für einen ganz bestimmten Text geboten wird. Die Journalisten wiederum können nicht gegenseitig auf ihre Profile schauen, so dass ein Unterbietungswettbewerb ausgeschlossen ist. Das ist ein fairer Weg, finde ich. Außerdem ist das Portal für Anbieter kostenlos.

Und an welcher Stelle verdienen Sie Geld? 

Sabine Fäth: Wer auf der Seite der Suchenden Scribershub nutzen will, muss ein Ticket für einen bestimmten Zeitraum lösen. Für einen Tag kostet es 89 Euro, für eine Woche zahlt der Kunde 245 Euro, 430 Euro für den Monat und ein Vierteljahr kostet monatlich 410 Euro. Wer die Plattform nicht nutzen möchte, dem biete ich einen persönlichen Rekrutierungsservice an. Mir ist es wichtig, Auftraggeber und Schreiber bestmöglich miteinander zu vernetzen. Dieses wertvolle Netzwerk will ich nicht verschenken.

Sie glauben ernsthaft, diese Beträge zahlt Ihnen ein Verlag, der unter Spardruck steht? 

Sabine Fäth: Es kommt immer darauf an, wie hoch der Qualitätsanspruch ist. Kluge Inhalte brauchen kluge Köpfe. Wenn man an die Zeitersparnis und den Qualitätsvorsprung denkt, sind die Beträge definitiv in einem akzeptablen Bereich. Und wie gesagt: Das Angebot richtet sich nicht nur an die klassischen Medienverlage, sondern an all die, die gute Texte oder gute Projektarbeit benötigen. Denken Sie an Pressestellen, PR-, CP- und Content-Agenturen. Je länger das Ticket übrigens läuft, desto mehr Such- und Sonderfunktionen sind damit verbunden, etwa die Befragung einer Community nach Themen oder nach Projekten zu deren konkreter Ausgestaltung sowie Umsetzung.  

Und was ist, wenn sich ein Unternehmen für ein Tagesticket haufenweise Ideen beschafft, drei tolle Schreiber rausfischt und Sie dann nie wieder etwas von ihm hören, weil es ab sofort nur noch mit diesen drei Autoren zusammenarbeitet? 

Sabine Fäth: Welches Unternehmen ist ohne Risiko?

Eine Spielbank. Aber, um die Frage zu wiederholen, dann schauen Sie in die Röhre...

Sabine Fäth: Gut, bleiben wir bei Ihrem Beispiel: Zunächst freue ich mich, wenn der Auftraggeber mit den drei Autoren sehr zufrieden ist. Aber auch dieses Unternehmen wird eines Tages für einen Spezialauftrag wieder einen Schreiber zu einem ganz anderen Fachgebiet brauchen und sich dann sehr wohl erinnern, wo es beim letzten Mal erfolgreich starke Autoren gesucht und gefunden hat. Immerhin hätte ich mein Qualitätsversprechen damit gehalten. 

Ihr Portal ist gerade online gegangen. Wie findet der Kunde eigentlich seinen Wunschschreiber?  

Sabine Fäth: Über die Eingabe bestimmter Kriterien. Der Nachfrager sollte möglichst gezielt und passgenau auswählen, um was es geht. Also zum Beispiel nicht allein "Erneuerbare Energien", sondern "Erneuerbare Energien + Windräder + Nordsee". Viele Journalisten sind ja heutzutage auf ein schmales Gebiet innerhalb eines breiten Themenfeldes spezialisiert, oft auch noch regional. Experten für bestimmte, sehr spitze Themen sind gefragter denn je. Das heißt wiederum, dass die freien Kollegen, die auf der Plattform angemeldet sind, möglichst exakt ihr Angebot und Spektrum beschreiben. Das Portal wird nicht nur Fachleute mit bestimmter Expertise vermitteln, sondern auch Journalisten, die den gewünschten Text vor Ort recherchieren und - um auf das Beispiel zurückzukommen - schon einmal auf der Plattform eines Windrades standen. 

Dann müssen Sie aber zwingend auch freie Autoren im Ausland im Portfolio haben...

Sabine Fäth: Stimmt. Gerade hat sich eine Autorin aus Neu-Delhi verifizieren lassen. Es ist allerdings ein sehr mühsamer Weg, auf der ganzen Welt deutschsprachige Autoren einzusammeln. Schon jetzt sind mit knapp 500 auf Scribershub angemeldeten Kollegen 20 Länder repräsentiert. Das ist aber längst nicht genug, weshalb das Netzwerk sukzessive ausgebaut werden soll.  

Und was ist, wenn jemand einen SEO- oder SocialMedia-Experten sucht, quasi einen Generalisten?

Sabine Fäth: Der ist bei mir genau an der richtigen Stelle.

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