"Serien wie 'Baywatch' sind für uns irrelevant": "funk", das junge Angebot von ARD und ZDF, im Zielgruppen-Check

03.11.2016
 
 

Was hat der Oberbegriff für eine Spielart ursprünglich afroamerikanischer Musik mit dem neuem Jugendangebot von ARD und ZDF zu tun? Sie beide nennt man "funk", zumindest wenn man es englisch ausspricht. Die 17-jährige Anastasia Barner hat sich im Auftrag von kress.de die App auf ihr iPhone geladen. "funk" befand sich allerdings nur einen Tag auf ihrem Handy. Warum Barner die Anwendung frustriert löschte - und was sie den Machern empfiehlt.

Weder das Chia-Samen-Rezept auf "funk" sprach mich an, noch die Serien, von denen ich zuvor nichts gehört habe. Und ein weiteres Problem entsteht, wenn man sich die App runterlädt: Ich habe auf meinem Handy 30.000 Fotos und so viel Musik, dass sie unzählbar geworden ist. Wenn es dann mal wieder heißt: "Sie haben zu wenig Speicherplatz" lösche ich alle Apps, die ich nicht täglich nutze - und deshalb überlegt man sich genau, welche Apps man sich runterladen möchte.

 

Um etwas mehr Objektivität bemüht, befragte ich meinen Freundeskreis, wie sie den 'funk' finden. "Hä, was?", war die Reaktion von fast jedem. Niemand hatte etwas davon gehört und konnte mir bei meiner Frage helfen. Mein bester Freund musste sich mit mir dann das Programm anschauen. Ich glaube, dass die Werbung für "funk" falsch platziert ist, da so wenige in meinem Bekanntenkreis davon gehört haben.


Mein erster Gedanke, als ich von "funk" gehört habe war, dass dies jetzt das zweite KIKA gemischt mit Radio Teddy ist, bloß für 14 bis 29-jährige. Es ist schwer, eine derart große Altersgruppe anzusprechen und auch mutig. Natürlich gibt es für Jugendliche zu wenige Sender und man fühlt sich, falls man nicht auf RTL und Co. steht, als wäre man in der Mitte von Allem und würde zu nichts richtig dazugehören. Das ist einer der Gründe, wieso ich mit 14 aufgehört habe, Fernsehen zu schauen und mich lieber mit meinem Snapchat- und Instagram-Account beschäftigt habe.


Serien wie "Baywatch" sind für uns irrelevant, deshalb verstehen wir nicht, wieso ein Fastopa wie David Hasselhoff seine eigene Serie erhält. Außerdem kapieren wir die meisten Insiderwitze nicht, man könnte uns höchstens mit "Keeping Up with the Kardashians" locken. Und wenn ich mir trashige Shows ansehen will, gehe ich derzeit noch zu MTV.


Ich gehöre zu der Gruppe der U18 und weiß natürlich nicht, wie es einem 24-jährigen mit dem Programm geht. Mich haben beim Stöbern besonders die Formate: " Auf Klo mit Mai Thi" und "Fickt euch!" angesprochen, denn unsere Generation ist zwar überaufgeklärt durch Pornos, aber wenn es dann zur Sache geht ziemlich ahnungslos und prüde. 


Der Ansatz, Jugendliche da abzuholen, wo sie sich online rumtreiben, ist für einen öffentlich-rechtlichen Sender wirklich innovativ, das Angebot ist jedoch durchaus noch ausbaufähig: Aber "funk" steht ja noch am Anfang. Besonders dadurch, dass weniger Jugendliche fernsehen und immer mehr auf Social Media-Plattformen sind, finde es ich es gut, dass der Großteil über YouTube oder andere soziale Medien läuft. Ich würde gerne auch etwas übers Studieren und damit verbundener Uniwahl erfahren, und mehr Reiseberichte wie z.B. über work & travel, also grundsätzlichere, altersrelevantere Themen, so oberflächlich sind wir nämlich gar nicht, wie uns immer unterstellt wird.


Die Snapchat-Soap von "IAM.Serafina" ist ein schönes und unterhaltsames "funk"-Angebot. Da sie auch 19 ist, fühle ich mich eher von ihr angesprochen, da sie nicht wie andere Leute aus dem Team weit über 20 ist, und sie sich vielleicht eher mit der Generation Y auseinandersetzen kann als ein Hipster, der aussieht, als würde er ins Berghain gehen. Die Werbung muss man jetzt nur noch besser und gezielter setzen, um auch wirklich die Zielgruppe zu erreichen, denn durch Mundpropaganda läuft da bis jetzt noch nicht sehr viel.


Autorin: Anastasia Barner, 17 Jahre alt (Zielgruppe)

 

Hintergründe


"funk" ist ein Angebot von ARD und ZDF. Das heißt, der Senderverbund aus SWR/WDR/NDR und den anderen Mitgliedern der ARD liefert zusammen mit dem ZDF die Inhalte für die Dachmarke "funk". Die Steuerzentrale für alle technischen und inhaltlichen Belange liegt in Mainz. Hier wird auch das Nutzerverhalten analysiert und die Inhalte auf die Wünsche der Zuschauer abgestimmt.


Der Chef von "funk" heißt Florian Hager, ist 41 Jahre alt und war bis Mitte 2015 der stellvertretende Programmchef von arte. Seine Stellvertreterin ist Sophie Burkhard vom ZDF. Die Redaktion in Mainz besteht momentan aus knapp 50 Mitarbeitern mit einem Altersdurchschnitt von 28 Jahren.


"funk" bietet 14- bis 29-Jährigen Online-Inhalte in den Kategorien "Informieren", "Orientieren" und "Unterhalten". Die Formate finden direkt auf YouTube, Facebook, Instagram und weiteren sozialen Plattformen statt. Die Nutzer können die Inhalte auch auf der "funk"-Webseite in einem unabhängigen Player abrufen. Zudem können sie in der "funk"-App internationale Lizenzserien wie "The Aliens" und "Fargo" ansehen sowie Themen und Geschichten entdecken. funk startete am 1. Oktober 2016 mit über 40 Online-Formaten wie "Kliemannsland", "Y-Kollektiv" und "Wishlist".


"funk" wird zu 100 Prozent aus dem Rundfunkbeitrag finanziert. Das Jahresbudget liegt bei rund 45 Millionen Euro. Um diese Summe aufzubringen, hat die ARD den digitalen Sender "EinsPlus" und das ZDF ihren Kulturkanal "ZDFkultur" eingestellt. So trägt das ZDF ein Drittel der Kosten, die ARD die übrigen zwei Drittel. Das Programm ist nicht kommerziell. Die Inhalte sind werbefrei verfügbar.

 

 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.