"stern"-Chefredakteur Christian Krug: "Hillary Clinton ist keine Präsidentin, auf die man sich freut"

 

Der wohl außergewöhnlichste Wahlkampf aller Zeiten befindet sich auf der Zielgeraden. "So eine spannende Wahl gab es seit sehr langer Zeit nicht mehr", sagt "stern"-Chefredakteur Christian Krug am kress.de-Telefon. Und verrät, dass der "stern" kommende Woche sogar seinen Redaktionsschluss verlängert, um die US-Wahl noch im Magazin zum Thema zu machen. Dafür wird der "stern" dann in weiten Teilen Deutschlands erst am Freitag, 11. November, erscheinen. Zudem veranstaltet der "stern" erstmals gemeinsam mit den Nachrichtensendern CNN und n-tv eine Wahlparty in Berlin.

"Amerika - Vom Traum zum Albtraum" lautet der Aufmacher im aktuellen "stern". Das Hamburger Magazin hat bereits fünf Titelgeschichten zur US-Wahl gemacht. Mit insgesamt fünf Journalisten ist der "stern" in New York vertreten, drei davon sind Korrespondenten. Ein Mitarbeiter konzentriert sich ausschließlich auf den Kandidaten Donald Trump, ein anderer auf die Kandidatin Hillary Clinton.

Um zu erfahren, in welcher Verfassung sich das Land befindet, war Christian Krug wieder persönlich in den USA: "Vor drei Wochen bin ich durch Colorado gereist. Den Wahlkampf vor Ort zu erleben, war sehr aufschlussreich. Wenn man ihn nur durch die Medien und die Sozialen Netzwerke beobachtet, wirkt alles verzerrt. In Colorado habe ich erlebt, dass nicht alle Trump-Wähler Rednecks sind. Es sind erschreckend normale Leute, die von Trump fast magnetisch angezogen werden. Sie sehen in ihm einen Erneuerer", so Krug am kress.de-Telefon.

Für Krug inszeniert sich Trump als "angreifender Punk": "Auf der anderen Seite sind Hillary Clinton und die Demokraten; sie repräsentiert das Establishment. Diese Konstellation ist sehr außergewöhnlich", erklärt Christian Krug. Und macht deutlich: "Ich selbst kann ja nicht abstimmen. Aber ich glaube, dass Hillary Clinton keine Präsidentin ist, auf die man sich freut. Sie ist emotionslos und wurde nicht zu Unrecht zum Gespött der Karikaturisten. Wäre Hillary Clinton eine bessere Kandidatin, dann hätte Trump schon längst keine Chance mehr. Doch auch wenn sie mir nicht aus dem Herzen spricht - die Alternative zu ihr, Donald Trump, hielte ich tatsächlich für verheerend."

Den Menschen in den USA ist es aber ziemlich egal, was im fernen Deutschland so über ihren Kandidaten gedacht wird: "Für viele Wähler im Mittleren Westen hat sich Amerika einfach zu weit von den Menschen, von deren Überzeugungen und Lebenswirklichkeit entfernt. Sie fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt und wollen nun, dass dafür jemand aus Washington bezahlt. Dass es Clinton dabei trifft, ist eigentlich ein Kollateralschaden."

Krug glaubt, dass der Personenwahlkampf auch bei der nächsten Bundestagswahl 2017 über Sieg und Niederlage entscheiden wird: "Was sich jetzt schon zeigt, ist, dass es ein Personenwahlkampf wird. Das ist es in den USA letztlich immer. Die Wahlbotschaft beim letzten Mal lautete: Wählt mich! Auch in der kommenden Wahl in Deutschland wird es vermehrt um Personen gehen, nicht um Systeme oder Parteienpräferenzen. Das ist wohl der Lauf der Dinge. Weiß man denn zum Beispiel, was in Ungarn die Partei von Órban will? Nicht hinreichend, aber man weiß, wofür Órban steht", so Krug.

Während die US-Amerikaner an die Urnen gehen, laden "stern", CNN, n-tv und am 8. November zur größten Wahlparty Deutschlands: "Die Wahlveranstaltung in Berlin bekam immer mehr Drive, vor allem durch den Kandidaten Trump. Wir haben über 800 Zusagen von hochrangigen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien", freut sich Christian Krug. Gastgeber ist Bertelsmann, in dessen Berliner Repräsentanz vor allem deutsche Prominenz erwartet wird, um das Finale der amerikanischen Präsidentschaftswahlen live mitzuerleben. Partner der Feier sind die US-Botschaft, die Atlantik-Brücke, die American Academy in Berlin, Google sowie UDG United Digital Group.

Für die Berichterstattung aus den USA verschiebt der "stern" kommende Woche auch seinen Redaktionsschluss, um seinen Lesern die aktuellen Ergebnisse liefern zu können. In weiten Teilen Deutschlands liegt der "stern" dann am Freitag, 11. November, am Kiosk.

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