Er berichtet von Istanbul aus: Maximilian Popp wird Türkei-Korrespondent für den "Spiegel"

 

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat wieder einen eigenen Korrespondenten in der Türkei. Die türkische Regierung hat Maximilian Popp (30) die Akkreditierung am vergangenen Donnerstag erteilt. Popp wird ab sofort aus Istanbul für den "Spiegel" berichten.

Seit dem Putschversuch im Juli herrscht in der Türkei Ausnahmezustand. So wurden in der vergangenen Woche Journalisten der regierungskritischen Tageszeitung "Cumhuriyet" ebenso verhaftet wie Politiker der prokurdischen Oppositionspartei HDP, der drittgrößten Partei im Parlament in Ankara. Journalisten in Deutschland zeigen sich solidarisch mit den türkischen Journalisten, der DJV plant bei seinem Verbandstag an diesem Sonntag eine Protestaktion.

Galt vor allem Istanbul noch vor wenigen Jahren als weltoffenes und tolerantes Zentrum von Korrespondenten aus aller Welt, die über die Türkei und den Nahen Osten berichteten, haben sich in den vergangenen ein, zwei Jahren die Reihen der vor Ort lebenden, deutschsprachigen Korrespondenten massiv gelichtet. Selbst den ausländischen Journalisten wird die Arbeit am Bosporus massiv erschwert.

So berichtet Michael Martens, lange Jahre in Istanbul zu Hause, inzwischen aus Athen für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung"; Hasnain Kasim, der für "Spiegel Online" von Istanbul aus über die Region schrieb, lebt und arbeitet inzwischen in Wien. Deutsche Korrespondenten in der Türkei sind unter anderem Frank Nordhausen ("Berliner Zeitung", "Frankfurter Rundschau"); Studioleiter Michael Schramm und Oliver Mayer-Rüth (Bayerischer Rundfunk / ARD, TV); Studioleiter Reinhard Baumgarten und Thomas Bormann (Südwestrundfunk / ARD, Hörfunk) oder Mike Szymanski ("Süddeutsche Zeitung").

Der neue "Spiegel"-Korrespondent Maximilian Popp selbst kennt die Türkei gut, er hat in Istanbul studiert und beherrscht die Sprache.

kress.de: Herr Popp, mit gleich zwei außergewöhnlichen Reportagen aus der Türkei sind Sie im aktuellen "Spiegel" vertreten. Wie sind die Recherchen verlaufen?

Maximilian Popp: Die Menschen in der Türkei haben ein großes Bedürfnis der Welt mitzuteilen, was gerade in ihrem Land vor sich geht. Das war in Diyarbakir so, wo ich den deutschen Fußballspieler Deniz Naki getroffen habe, dem wegen seines Engagements für die Rechte der Kurden nun in der Türkei der Prozess gemacht wird. Und auch in der Redaktion der "Cumhuriyet", die aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung ins Visier der Regierung geraten ist. Eines haben leider beide Recherchen gezeigt: In der Türkei ist die Justiz zu einem Instrument der Politik verkommen.

Konnten Sie sich als deutscher Journalist denn überhaupt frei bewegen?

Maximilian Popp: Ja, ich berichte für den "Spiegel" seit sechs Jahren über die Türkei und hatte bis heute nie ein Problem. Aber ich weiß, dass etliche Kollegen durchaus auch andere Erfahrungen gemacht haben.

Nach monatelangem Warten und Hoffen haben Sie am Donnerstag Ihre Akkreditierung erhalten. Haben Sie noch ernsthaft an eine Akkreditierung geglaubt?

Maximilian Popp: Der Zeitpunkt hat mich überrascht. Denn die vergangene Woche war ja eine wirklich finstere für die Pressefreiheit in der Türkei.

Um welche Themen wollen Sie sich in nächster Zeit für den "Spiegel" kümmern?

Maximilian Popp: Die Frage, die mich gerade am meisten beschäftigt, ist, wohin sich die Türkei entwickelt. Ich will versuchen, in meinen Artikeln Antworten zu finden.

Haben Sie Angst, dass Ihre Akkreditierung entzogen wird, wenn Sie zu kritisch berichten?

Maximilian Popp: Nein. So wie die Türkei gerade mit Journalisten umgeht, muss natürlich jeder Korrespondent mit Problemen bei der Akkreditierung rechnen. Aber das darf die Berichterstattung auf keinen Fall beeinflussen.

Sie waren vor gut einer Woche auf einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Antalya, die der neue Türkei-Direktor der KAS, Sven-Joachim Irmer, organisiert hatte, und haben dort auch türkische Journalisten getroffen. Welchen Eindruck haben die "Cumhuriyet"-Kollegen auf Sie gemacht?

Maximilian Popp: Ich saß mit Kadri Gürsel noch wenige Tage vor seiner Festnahme zusammen. Er ist ein fantastischer, hoch professioneller Kollege. Seine Verhaftung macht mich wütend und traurig.

Im Umgang mit der Türkei spricht die offizielle deutsche Politik oft davon, dass die "rote Linie" überschritten sei. Gibt es aus Ihrer Sicht überhaupt etwas, was Frau Merkel unternehmen kann?

Maximilian Popp: Sie muss deutliche Worte der Kritik finden. Und Erdogan glaubhaft mit Konsequenzen drohen. Ich weiß nicht, ob das etwas verändern wird. Aber wer jetzt schweigt, macht sich am Niedergang der Demokratie in der Türkei mitschuldig.

Zur Person: Maximilian Popp wurde 1986 in Passau geboren. Er absolvierte die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und studierte Politikwissenschaften in Istanbul. Seit 2010 arbeitet er als Redakteur beim "Spiegel". Für seine Türkei-Berichterstattung wurde er mit dem Journalistenpreis der Südosteuropa-Gesellschaft ausgezeichnet.

Die Fragen an Maximilian Popp, "Spiegel"-Korrespondent in der Türkei, stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Lesen Sie auch aus dem Newsroom.de-Archiv von 2014: Streit über Gülen-Bewegung erreicht deutsche Redaktionen - "Spiegel"-Autor kritisiert "Süddeutsche"-Redakteur

Ihre Kommentare
Kopf
08.11.2016
!

Ich wünsche Herrn Popp für seine neue Aufgabe alles Gute und freue mich auf die Berichte aus der Türkei.


SagNeinZurDreifaltigkeit

24.09.2017
!

Heute schrieb Herr Popp, die Türkei würde Geiseln nehmen - ein ungeheuerlicher Vorwurf. Hoffentlich entzieht die Türkei diesem Herrn bald die Akkreditierung.


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